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Vor einigen Jahren, während meiner Elternzeit, hatte ich ein Vorstellungsgespräch in einer großen Umweltschutzorganisation und dachte, ich wäre angekommen. Die Sinnkrise war mit der Geburt meines Kindes aufgekommen und damit einhergehend die Frage: Für welche Art von Arbeit war ich überhaupt noch bereit, auf Zeit mit meinem Sohn zu verzichten?

Strahlend wie ein Honigkuchenpferd betrat ich also am Tag des Gespräches das Gebäude - bis ich in den Konferenzraum kam. Hier teilte niemand meine blendende Laune. Vollkommen in Harmonie mit mir selbst und meiner Überzeugung, den richtigen Job gefunden zu haben, stellte ich erst rückblickend fest, dass ich abgesehen von meinem Faible für Umweltschutzthemen überhaupt nicht zur Unternehmenskultur passte.

Dass ich mit meinem Wunsch nach Sinn in dem, was ich tue, nicht alleine bin, beweisen unzählige Webseiten, Blogs und Bücher, die sich mit dem Thema Selbstverwirklichung beschäftigen. Auch die Anzahl an Stellenbörsen wie NachhaltigeJobs.de für diesen Bereich wächst, was durchaus positiv zu bewerten ist.

Trotzdem wird es nicht einfacher, einen Job in einer gemeinnützigen Organisation oder einer Stiftung zu ergattern, denn die Nachfrage bei den vorhandenen Stellen ist groß. Was also tun, wenn es unbedingt eine sinnvolle Tätigkeit sein soll, die Suche danach aussichtslos erscheint, aufgeben aber keine Option ist?

Hier sind drei Ideen für dich:

1. Finde deinen persönlichen Treiber

Ein Grund, warum gemeinnützige Organisationen so beliebt sind, sie servieren uns unseren Sinn auf dem Silbertablett. Wir lesen das Leitbild und wissen: »Ich möchte ein Teil dieser Mission sein!«Das ist etwas Gutes, aber trotzdem dürfen wir uns ruhig die Mühe machen und selber einmal überlegen, was es eigentlich ist, das uns antreibt.

Was sagt es über deine Beweggründe aus, wenn du in einer Stiftung arbeiten möchtest, die Schulen in Afrika baut? Ist das Thema Bildung für dich ein Herzensthema? Bist du der Meinung, jeder Mensch sollte Zugang zu Bildung haben? Welche beruflichen Möglichkeiten hast du auch außerhalb einer Stiftung, um dazu beizutragen? Ich kenne eine Frau, die sich mit weit über 40 nach so einer Überlegung entschieden hat Berufsschullehrerin zu werden.

Start Ups und junge Unternehmen entwickeln viele Produkte, die Energie sparen, Staus verhindern oder die Umwelt schützen. Wenn es dir wichtig ist, etwas mit voller Kraft voranzubringen, passt die Mitarbeit in so einem Umfeld vielleicht viel besser zu dir als die langatmige Lobby-Arbeit einer gemeinnützigen Organisation?

Oder sprudelst du selber über vor Ideen für eine bessere Zukunft? Dann kann die Innovationsabteilung eines Unternehmens eine Möglichkeit für dich sein.

Finde heraus, was dich ganz genau antreibt und schreibe spontan 40 Ideen auf, was du damit anfangen könntest. Dir fallen nur 20 ein? Dann schreibe 50 auf. Ich wette mit dir, dass die Ideen wie von selber sprudeln werden, wenn du sie erst einmal von der Leine gelassen hast.

2. Denke über ein Ehrenamt nach

Laut einer Erhebung des IfD Allensbach engagierten sich im Jahr 2016 mehr als 14 Millionen Menschen im Rahmen eines Ehrenamtes. Sinn findet sich nicht nur in bezahlter Arbeit – das liegt in der Natur der Sache.

Besonders, wenn du einen gut bezahlten Job hast, den du “eigentlich” gerne machst, kann ein Ehrenamt das Tüpfelchen auf dem „i“ sein und einer Sinnkrise zuvorkommen.

Die Möglichkeiten für die Wahl eines Ehrenamtes sind so vielfältig, dass es nicht einfach ist, das richtige zu finden. Auf der Seite der Aktion Mensch findest du den Engagement-o-mat, mit dem du nicht nur das Ehrenamt finden kannst, das zu dir passt, sondern auch konkrete Vorschläge für Aufgaben in deiner Region.

Abgesehen vom unmittelbaren Sinn, den du im Ehrenamt findest, lernst du immer etwas dazu, was dir in deinem Berufsleben nützlich sein kann. Du erweiterst dein Netzwerk und überprüfst proaktiv, wie wichtig dir diese Tätigkeit wirklich ist. Und womöglich ergibt sich daraus dann auch beruflich eines Tages mehr.

Viele Städte veranstalten mittlerweile einmal im Jahr Ehrenamtsbörsen. Die Gespräche und Kontakte, die dort entstehen, sind unbezahlbar in vielerlei Hinsicht.

Du hast keine Zeit für ein Ehrenamt?

3. Leiste dir deinen Sinn

Manche Menschen fühlen sich regelrecht schlecht, weil sie einfach keine Zeit haben, etwas beizutragen. Dieses schlechte Gewissen trägt natürlich nicht zu ihrer Zufriedenheit bei und kann auch in einer Sinnkrise enden – obwohl sie grundsätzlich zufrieden mit ihrer Arbeit und ihrem Leben sind.

Wenn es dir auch so geht, dann habe ich eine gute Nachricht für dich, denn du kannst auch ohne einen Stiftungsjob oder ein Ehrenamt Sinn finden und Gutes tun. Und zwar mit Geld!

Du möchtest dich im Vogelschutz engagieren, hast aber weder Zeit bei der jährlichen Singvogelzählung mitzumachen oder Vogelhäuser selber zu bauen? Dann spende Geld für den NABU oder bezahle jemanden dafür, Vogelhäuser zu bauen.

Keine Sorge, du kaufst dich damit nicht frei von deiner Verantwortung, du holst sogar das Beste heraus: Wie viele Vogelhäuser könntest du wohl in deiner Freizeit bauen und wie viele Vogelhäuser schafft jemand, der das beruflich jeden Tag macht?

Je nachdem, wo und wie viel Geld du einsetzt, kann das einen riesigen Unterschied für ein Projekt machen und dich darüber hinaus in verschiedene Aktivitäten einbringen. Auch das kann eines Tages richtungsweisend für dich sein oder dir den entscheidenden Impuls für deinen weiteren beruflichen Weg liefern.

Bei deiner Recherche nach einer Werkstatt für die Vogelhäuser triffst du womöglich auf eine Einrichtung, die gerade einen Mitarbeiter für die Spendenabteilung sucht?

Fazit

Überlege, ob du deine Suche nach einem sinnvollen Job einmal aus einer anderen Perspektive betrachten kannst. Wo würdest du Sinn suchen, wenn du damit nicht unbedingt Geld verdienen müsstest und ganz frei wärest in deiner Entscheidung? Was lässt sich daraus ableiten für deine aktuelle Situation?

Am Ende findest du einen Job mit Sinn vielleicht nicht auf dem Silbertablett und über Nacht. Aber wenn du deine persönliche Motivation kennst, hast du schon viel gewonnen und kannst dich Schritt für Schritt in die für dich richtige Richtung weiterentwickeln. Und das ist manchmal viel nachhaltiger als schneller Erfolg.

Macht das Sinn?

Über die Autorin:

Cathrin Eggers findet ihren Sinn darin, Frauen zu unterstützen, sich beruflich zu positionieren und bestmöglich zu präsentieren. Sie findet, dass jede Frau eine Sparringpartnerin verdient, um Veränderungen proaktiv angehen zu können, wenn es an der Zeit dafür ist.

Nach jahrelanger Berufserfahrung in internationalen Unternehmen und im Konzern fand sie ihren Weg durch das Ausprobieren verschiedener Ehrenämter und durch das Schreiben eines Blogs im Nachhaltigkeitsbereich. Mehr Tipps und Inspirationen zum Thema Bewerbung, Karriere und Umstieg von Cathrin Eggers unter  Sternebewerbung.de