»Design, so kann verallgemeinert werden, hat den Anspruch, die Welt zum Wohl der Menschen besser zu gestalten. Doch hinter dem Begriff verbirgt sich weit mehr als eine attraktive Objektwelt. Design gestaltet Kommunikation und schafft Identität. Es ist bewusstes Handeln zur Herstellung sinnvoller Ordnung und somit Teil unserer Kultur.« - Beat Schneider, Professor für Design- und Kulturgeschichte, an der Hochschule für Künste in Bern in "Design - eine Einführung: Entwurf im sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen Kontext", Birkhäuser Verlag, Basel, 2005.

Im Bereich Design war Nachhaltigkeit seit seiner Geburtsstunden im 19. Jahrhundert immer ein Thema, wurde allerdings lange Zeit vernachlässigt. Inzwischen ist Nachhaltiges Design wiederentdeckt worden und strebt in der Nachfrage nach oben. Gefördert wird die Entwicklung durch den politischen Augenmerk auf globale Verantwortung und Folgen der industriellen Produktion, neue Umweltschutzauflagen für Hersteller und das öffentliche Bewusstsein für einen bewussten Umgang mit Konsumgütern.

Nachhaltiges Design ist auch bekannt unter Sustainable Design, Ecodesign, Öko-Design oder Green Design. Es verbindet soziale, ökologische und ökonomische Aspekte von Nachhaltigkeit zu einem positiven Nutzen für Umwelt, Hersteller und Verbraucher.

Was die umweltfreundlichen Produkte ausmacht

»(...) eine systematische Vorgehensweise, die zum Ziel hat, möglichst frühzeitig ökologische Aspekte in den Produktplanungs-, -entwicklungs- und -gestaltungsprozess einzubinden. (...) Kurz gesagt, führt EcoDesign zu Produkten, Systemen, Infrastrukturen und Dienstleistungen, die bei optimaler Erfüllung des gewünschten Nutzens eine minimale Menge an Ressourcen, Energie und Fläche benötigen, bei gleichzeitiger Minimierung des Schadstoffeinsatzes und -ausstoßes und der Abfälle – und das über den gesamten Produktlebenszyklus hinweg.« - Ursula Tischner, Eva Schmincke und Frieder Rubik in "Was ist EcoDesign. Ein Handbuch für ökologische und ökonomische Gestaltung.", Umweltbundesamt, Berlin, 2000.

Im Vordergrund steht der faire und effiziente Umgang mit Ressourcen und Arbeitskräften. So werden zum Beispiel für haptische Produkte werden gezielt werden umweltfreundliche und möglichst schnell nachwachsende Rohstoffe wie Bambus, bestimmte Hölzer oder Algen verwendet. Das Ziel ist es aber auch Produkte herzustellen, die sinnvoll und nützlich für die Verbraucher sind, aber auch den Konsum reduzieren.

Beim Nachhaltigen Design wird daher der gesamte Lebenslauf eines Produkts berücksichtigt: 

  • Ideenfindung
  • Planung
  • Entwicklung
  • Produktion (Material, Fertigungstechniken, Rohstoffgewinnung und -verarbeitung)
  • Vermarktung
  • Verpackung
  • Vertrieb
  • Nutzung
  • Entsorgung oder Verwertung

Um in diesen Bereichen einen effizienten und effektiven Umgang mit Ressourcen zu schützen, wurden Ökodesign-Richtlinien verfasst, die die rechtliche Umsetzung des Nachhaltigen Designs auf EU-Ebene schützen. Erstmals verabschiedet wurden die Ökodesign-Richtlinien 2005. 

Nachhaltigkeit bedeutet einfach gesagt, mit der Umwelt, ihren Ressourcen und den Lebewesen auf der Erde so umzugehen, dass auch zukünftige Generationen einen intakten Lebensraum nutzen können. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte gleichermaßen berücksichtigt werden.Zusammenfassen lassen sich die Kriterien unter den folgenden Punkten:

  • Ressourcensparend
  • Langlebigkeit
  • Energiesparende oder mit regenerativen Energien Produktion
  • Fair und Sozial
  • Recycling, Up-Cycling oder Down-Cycling möglich

Nachhaltige Design kann vieles sein: Was es nicht alles gibt!?

Nicht nur bei der Herstellung von Gebrauchsgütern wie Mode, Möbeln oder Haushalts- und Technikgegenständen kommen die genannten Kriterien zum Tragen. Nachhaltiges Design bezieht sich inzwischen auch auf Infrastrukturen, und Dienstleistungen. Einige Marketingagenturen haben sich auf Ecodesign spezialisiert und bieten ihren Kunden die Konzeption von Kommunikation, Verpackung und Management an.

Unter dem Namen »Projekt Terroir« entwerfen die beiden dänischen Produktdesigner Jonas Edvard und Nikolaj Steenfatt nachhaltige Möbel. Sie sammeln Algen am heimischen, dänischen Strand vor Kopenhagen und verwenden den natürlich nachwachsenden Rohstoff für Hängelampen und Stühle. Hierzu wird die Algenart Seegras verwendet, die getrocknet und zu Pulver vermahlen, mit Altpapier wie auch Wasser vermischt wird.

Studieren und Weiterbilden: Erste Studiengänge im Vormarsch

Deutschlandweit werden Workshops und Seminare angeboten. Bei den unten aufgeführten Organisationen findet ihr Veranstaltungstipps, Ansprechpartner und Weiterbildungsmöglichkeiten. Bisher gibt es nur wenige Ausbildungen, die ausschließlich auf Nachhaltiges Design ausgelegt sind.

Ein Überblick in unserem Studienführer:

Mehr davon: Weiterlesen und Umschauen

SUSTAINABLE DESIGN CENTER e.V.

Gegründet wurde das unabhängige Kompetenzzentrum im Frühjahr 2009 von Sebastian Feucht und Moritz Grund im Frühjahr. Hier wurde ein Netzwerk aus Designern, Dienstleistern, Herstellern, Händlern und Ingenieure aus dem Bereich des Nachhaltigen Designs geschaffen. Um auf die globalen Herausforderungen, ihre Zusammenhänge wie Klimawandel, Ressourcenverschwendung und globale Gerechtigkeit in Hinblick auf Güterverbrauch und -herstellung hinzuweisen, werden auch Informationen für die Öffentlichkeit bereitgestellt. In Hamburg und Berlin findet daher zum Beispiel ein Stammtisch für alle Interessenten statt.

ökoRAUSCH Think Tank für Design & Nachhaltigkeit

Jährlich richtet ökoRausch das Festival aus, das einzig auf nachhaltiges Design und Kunst ausgerichtet ist. Bereits seit 2008 ist die Organisation aktiv und unterstützt Projekte, Unternehmen und Künstler, die sich auf Nachhaltigkeit spezialisieren. Dabei verbinden sich Akteure aus Gesellschaft, Bildung, Kultur und Wirtschaft, um auch die Öffentlichkeit zu informieren.

LilliGreen

Infos rund um nachhaltiges Design bietet auch LilliGreen mit einem Magazin, Blog und Shop. Hier findet man Hersteller, Trends, neue Ideen, laufende Projekte, weiterführende Informationen zu Materialien und Produktion.

Was ist Ecodesign? Praxishandbuch für Ecodesign inklusive Toolbox

Die Autoren Ursula Tischner und Heidrun Moser haben ein umfangreiches Handbuch für Interessenten, Designer und Hersteller veröffentlicht, herausgegeben vom Umweltbundesamt, Berlin, 2015.