Foto: © Maik Meid

Seit wann sind Sie im Bereich Fundraising tätig? Welche beruflichen Erfahrungen haben Sie auf dem Gebiet des Online Fundraisings?

Maik Meid: Ich bin 2005 als klassischer Quereinsteiger ins Fundraising gekommen und somit mittlerweile im 11. Jahr im Fundraising unterwegs. Den Großteil davon als Fundraiser von diakonischen und kirchlichen Organisationen, wobei ich bereits 2007 angefangen habe, mich im Online-Bereich zu spezialisieren. In den Organisationen war Online lediglich ein Teilbereich. Gemeinsam mit der betreuenden Agentur haben wir den damals ersten Spendenshop im Bereich der Diakonie an den Start gebracht und ich durfte die ersten Fundraising 2.0 Camps mit organisieren. Seit drei Jahren bin ich mittlerweile komplett selbständig mit dem Schwerpunkt in den Bereichen Online-Fundraising, Digitale Kommunikation und Media Monitoring.

Wo liegen die Unterschiede von Online Fundraising zu anderen Methoden beim Spendensammeln, wie zum Beispiel Face-to-face-Kampagnen?

Meid: Online-Fundraising ist kein klassisches Instrument, sondern eine eigene Strategie innerhalb des Fundraising. Viele Regeln aus dem klassischen Fundraising gelten auch hier. Während Face-to-Face häufig auf Affektspender abzielt, die langfristig gebunden werden sollen, so ist Online-Fundraising komplexer. Es muss mit allen anderen Methoden und Formen innerhalb der eigenen Organisation verbunden werden.

Welchen Stellenwert hat Online Fundraising Ihrer Einschätzung nach inzwischen beim Generieren von Spendengeldern?

Meid: Da kann ich keine pauschale Antwort geben. Es gibt Organisationen, die haben sich hohe digitale Ziele gesetzt und sehen Online als Organisationsentwicklung mit den entsprechenden Chancen und Herausforderungen. Beim Großteil ist Online-Fundraising eine reine Online-Spendenakquise, mit meist sehr überschaubaren Erfolgen. Der aus meiner Sicht weitaus größte Bereich hat Online-Fundraising nicht in die aktuelle Strategie integriert.

Können Sie das genauer erläutern? Inwiefern ist Online Fundraising mehr als Online-Spendenakquise bzw. wie kann es in eine aktuelle Strategie integriert werden?

Meid: Fundraising ist eine Strategie die darauf abzielt, Freunde und Förderer zu gewinnen und diese im Idealfall zu langfristigen Spendern zu machen. Das setzt Strategie und Konzept voraus, mit Zielsetzungen, Ressourcen- und Zeitplanung, Kommunikationsplänen. Qualitätsmanagement und Controlling gehören ebenso dazu. Wichtig ist der langfristige Charakter. Erst ganz zum Schluss kommen die Instrumente. Und Online-Fundraising ist eben ein Instrument von vielen. Dieses allerdings ist in sich so komplex, dass es auch schon wieder eine eigene Strategie sowie ein Konzept benötigt.

Wie können NGOs, die bisher noch nicht damit angefangen haben, Online Fundraising für die Unterstützung und Verwirklichung ihrer Projekte nutzen? Was wären die ersten Schritte?

Meid: Vor dem Start mit dem Online-Fundraising ist es wichtig, überhaupt vernünftig und geplant mit Fundraising zu beginnen. Es geht um die Verknüpfung von Vision und Mission einer Organisation mit den Zielen und den vorhandenen Projekten. Erst ein Fundraising Konzept ermöglicht die langfristige Ausrichtung der Organisationen an den Bedürfnissen des Spenders und klärt den Einsatz von begründeten Instrumenten. Funktioniert das, dann kann Online-Fundraising einen Teil dazu beitragen.

Oft können kleine und mittelgroße Organisationen oder NGOs nur auf ein geringes Budget zugreifen. Haben Sie für diese besondere Tipps, zum Beispiel wie sie sich kostengünstig im Bereich Fundraising weiterbilden oder wo sie sich Rat holen können?

Meid: Fundraisingerfahrung baut auf drei Säulen auf: 1. Lernbares und stets auf dem aktuellen Stand zu haltendes Fachwissen. 2. Ein tragfähiges persönliches Netzwerk im Fundraising. 3. Erfahrungen. Säule drei bekommt man nur durch das Tun. Säule zwei baut sich durch das Besuchen von Veranstaltungen, Kongressen und Fachtagungen auf. Der Alumniverein der Fundraising Akademie ist ebenfalls ein großes schlagkräftiges Netzwerk. Säule eins besteht aus der persönlichen Qualifizierung von einzelnen Personen. Durch Lesen von Fachbüchern und Blogs, idealerweise aber tatsächlich durch qualifizierte Fortbildung wie durch die Fundraising Akademie. Aber auch die bundesweit durchgeführten Fundraisingtage bieten für kleines Budget einen Einstieg.

Sie dozieren und leiten selbst Fortbildungen zur Umsetzung von Fundraising, auch speziell für Online Fundraising. Was sind die Kerninhalte dieser Fortbildungen?

Meid: Zum einen geht es um die Vermittlung von viel Fachwissen, viel mehr jedoch um den gesamt gesellschaftlichen Zusammenhang der Digitalisierung und den mit der Einführung von Online-Strukturen gegebenen Change-Aspekten innerhalb einer Organisation.

Für wen eignet sich das Fortbildungsangebot?

Meid: Der Ausbildungsgang zum/zur Referent/in Online-Fundraising (FA) an der Fundraising Akademie will Kolleginnen und Kollegen ansprechen, die im Fundraising nicht bei Null anfangen, sondern bereits ein gewisses Mindestmaß an Erfahrungen mit sich bringen. Auf diese Erfahrungswerte setzt die Ausbildung dann an und packt den digitalen Rucksack und füllt ihn mit Fachwissen und Kompetenzen.

Was ist eine von den Teilnehmern häufig gestellte Frage?

Meid: Wie überzeuge ich denn jetzt meinen Chef davon, dass Online-Fundraising zunächst mal Geld kostet und nicht die Finanzen der Organisation rettet.

Ihre Antwort darauf?

Meid: Kommt drauf an ;-).

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Mehr über Maik Meid unter seiner Website zum Thema Content Fundraising (fundraisingnetz.de).