Foto: © Tobi Rosswog

Erklär uns doch bitte zuerst kurz das zentrale Thema der Veranstaltung UTOPIKON - Die Utopie-Ökonomie-Konferenz.

Tobi Rosswog: Die UTOPIKON möchte zum Austausch über Herausforderungen und Wege in eine geldfreiere Gesellschaft einladen. "Ökonomie" kommt von "Oikos" - Hausgemeinschaft, die Teilhabe aller. Die aktuelle wirtschaftliche Situation lässt jedoch nicht teilhaben, sie separiert eher. Wie können wir solidarisch wirtschaften? Wie sehen Alternativen für eine zukunftsfähige Ökonomie aus? Wie möchten wir leben? Die UTOPIKON möchte dabei Alternativen aufzeigen, Inspiration geben und Austausch ermöglichen.

Was ist eure Vorstellung von einer ökonomischen und gesellschaftlichen Veränderung?

Rosswog: Der Wandel wird kommen, entweder by design oder by desaster. Wir möchten diesen gerne gestalten, denn er ist auf verschiedenen Ebenen notwendig. Wir leben über unsere Verhältnisse – egal ob aus ökologischer Sicht, aus psychischer Sicht oder vielen weiteren. Wir erreichen oder überreizen immer mehr Grenzen. Ein einfaches Beispiel, das mittlerweile allen klar sein sollte: Auf einem begrenzten Planeten ist grenzenloses Wachstum nicht möglich.

Es braucht unter anderem radikale Suffizienz. Wir müssen uns die Frage stellen: Was brauche ich eigentlich wirklich? Uta von Winterfeld hat einmal sehr passend gesagt: »Niemand soll immer mehr haben wollen müssen.«.

Daran anknüpfend ist sich klar zu machen: Wir leben in einer unglaublichen Überflussgesellschaft. Niko Paech, der auch bei der UTOPIKON dabei sein wird, nennt das Konsumverstopfung. Sich vom Überfluss (10.000 Dinge besitzen wir im Schnitt pro Person in Deutschland) zu befreien, ist auf individueller Ebene zu empfehlen und gleichzeitig auf globaler Ebene klar zu benennen: Es gibt genug für alle! Und trotzdem schaffen wir es nicht diese Güter gerecht zu verteilen. Das muss sich ändern.

Darüber hinaus möchten wir noch weiter blicken: Geld teilt ein in Besitzende und Besitzlose. Außerdem hat es das Prinzip von Leistung und Gegenleistung inhärent sowie automatisch eine Tausch- und Verwertungslogik inne. Das kritisch zu reflektieren und Wege in ein neues Miteinander zu skizzieren, um im Hier und Jetzt damit schon praktisch zu experimentieren, ist unser Ziel.

Friederike Habermann, die ebenfalls bei der UTOPIKON durch eine Keynote und einen Workshop mitwirkt, nennt in ihrer Idee der Ecommony vier Prinzipien, an die wir uns durch eigene Erfahrungen und aus unserer Perspektive sehr gut anschließen können:

  • Beitragen statt tauschen
  • Teile, was Du kannst
  • Besitz statt Eigentum
  • Freie Kooperation

Mehr als nur eine Utopie? Was sind die ersten Ansätze eures Netzwerks "living utopia" um diese Veränderungen zu verwirklichen?

Rosswog: Wir organisieren und verwirklichen mit living utopia nach den vier begleitenden Motiven geldfrei, vegan, ökologisch und solidarisch Mitmachräume für den gesellschaftlichen Wandel, um zum Perspektivwechsel einzuladen und neue Erfahrungen zu machen. Es geht um gelebte Utopien und die Möglichkeit eine andere Realität denkbar werden zu lassen. Mit unseren Mitmachräumen schaffen wir Freiräume, in denen Bedenken wie »Das kann ich mir nicht vorstellen« oder »Das hat noch nie funktioniert« keine Rolle spielen.

Wir möchten die klassischen Rollen von Verkäufer*innen und Konsument*innen auflösen, um ein anderes soziales Miteinander zu schaffen, in welchem die Fokussierung aufs Geld nicht passiert. Wir möchten die Frage stellen: »Was würdest Du tun, wenn Geld keine Rolle spielt?«. Wir laden dazu ein, andere Selbstverständlichkeiten zu leben.

Zum Veranstaltungsprogramm gehören auch Workshops. Welche Themen werden in den Workshops behandelt und von wem werden sie geleitet?

Rosswog: Es gibt viele verschiedene inspirierende Workshops zu den Themen Economy, Zeitwohlstand, Commons, Grundeinkommen, Arbeit, Konsensdemokratie in Unternehmen und vieles mehr. Als Referent*innen dabei sind mittlerweile unter anderem Silke Helfrich, Gerrit von Jorck, Hanna Poddig, Uwe Lübbermann und viele weitere. Mehr Infos gibt es auf der Website.

Wen möchtet ihr mit der Veranstaltung gerne erreichen? Glaubst du eure Idee findet auch in der breiten Öffentlichkeit Aufmerksamkeit oder nur in bestimmten Interessentengruppen?

Rosswog: Sicherlich wird die Veranstaltung vor allem Menschen in der Nachhaltigkeitsszene und dem Kontext der alternativen Wirtschaftsansätze erreichen. Darüber hinaus erreichen wir auch einen Teil an Menschen, welche über die Aktivitäten von living utopia oder auch die Artikel in den Medien auf die UTOPIKON aufmerksam werden. Die Resonanz ist auf jeden Fall ganz großartig – nach nur einem Monat sind es schon knapp 500 Interessent*innen.

Was hoffst du nehmen die Besucher der »UTOPIKON - Utopie-Ökonomie-Konferenz« von der Veranstaltung mit nach Hause?

Rosswog: Wir hoffen, dass die UTOPIKON – wie alle anderen unserer Mitmachräume – das Undenkbare denkbarer machen. Heute können wir uns kaum vorstellen, wie wir Gesellschaft frei von Geld organiseren sollten. Aber Geld ist nicht normal, natürlich, notwendig und schon immer da gewesen. Nach der UTOPIKON erhoffen wir uns, dass die Idee einer geldfreieren Gesellschaft greifbarer geworden ist. Darüber hinaus möchten wir praktische Ansätze mit geben, inspirieren und motivieren, um im eigenen Alltag eine neue Praxis zu leben. Denn: Realität ist nicht starr, sie ist veränderbar!

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