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Konstruktiver Journalismus

»Darin unterscheidet Tea after Twelve sich von anderen Medien: Wir suchen nach Lösungen«

Die Welt scheint voller Probleme zu sein, die wie unüberwindbare Abgründe in der Landschaft stehen. Dieses Bild wird uns oft in den Medien vermittelt. Sarah Klein und Eva-Maria Verfürth berichten in ihrem unabhängigen Online-Magazin "Tea after Twelve" über Menschen, die überall auf dem Globus an Lösungen und neuen Ideen arbeiten. Mit einem konstruktiven Journalismus wollen sie bei den Lesern neue Perspektiven wecken.
von Regina Rohland, 7. September 2016 06:25
Die Welt scheint voller Probleme zu sein, die wie unüberwindbare Abgründe in der Landschaft stehen. Dieses Bild wird uns oft in den Medien vermittelt. Sarah Klein und Eva-Maria Verfürth berichten in ihrem unabhängigen Online-Magazin "Tea after Twelve" über Menschen, die überall auf dem Globus an Lösungen und neuen Ideen arbeiten. Mit einem konstruktiven Journalismus wollen sie bei den Lesern neue Perspektiven wecken.

Mit ihrem Online-Magazin "Tea after Twelve" haben Sarah Klein und Eva-Maria Verfürth einen steilen Erfolg hingelegt. 2015 gewannen sie den Digital Communication Award als bestes Web-Magazin. Für ihr englischsprachiges Online-Magazin schreiben Autoren aus über 60 Ländern und wird praktisch weltweit gelesen. In der aktuellen Ausgabe Issue#4: Money Money  dreht sich alles um´s liebe Geld, aber auch mit Blick auf Innovationen und kreative Lösungen zu sozialen Problemen.

Welche Idee steht hinter dem Online-Magazin und was bedeutet "Tea after Twelve"?

Sarah Klein & Eva-Maria Verfürth: Der Grundgedanke ist: Die Welt ist gar nicht so schlecht und hoffnungslos, wie sie in den Medien oft dargestellt wird. Aber um das zu sehen, muss man den Blickwickel verändern. Daher lautet unser Slogan auch Time for new Perspectives.

Der Name "Tea after Twelve" ist eine Anspielung auf das deutsche Sprichwort »es ist fünf vor zwölf«. Als wir klein waren, hieß es, dass das Ozonloch uns verbrennt, dass die Russen bald mit ihren Panzern vor unserer Tür stehen und dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis jemand den roten Knopf zur Aktivierung der Atombombe drückt. Heute beschäftigt uns der Klimawandel und statt des russischen Imperiums bedroht uns der IS. Es gab schon sehr viele solcher "5 vor 12"-Momente und es werden noch viele kommen – und deshalb wird es Zeit, über Lösungen zu reden.

Und darin unterscheidet Tea after Twelve sich von anderen Medien: Wir suchen nach Lösungen. Ob Waldsterben oder Flucht – irgendein kreativer Geist auf diesem Planeten hat sich garantiert schon Gedanken über diese Dinge gemacht und einen Ansatz gefunden, wie man sie verändern kann. Diese Leute spüren wir auf. Und da nicht jeder Experte der Atomphysik ist, bringen wir ihre Ideen in anschaulichen Geschichten.

Übrigens ist das Ozonloch ein gutes Beispiel dafür, dass man für viele Probleme wirklich Lösungen finden kann: es schließt sich langsam wieder.

Was sind eure Themen im Online-Magazin?

Sarah & Eva: Alles, was kreativ ist, überraschend und etwas vorantreibt. Das können smarte grüne Technologien sein, wie zum Beispiel der City Tree, eine bemooste Fläche für Innenstädte, die auf kleinstem Raum so viel CO2 filtert wie 275 Bäume. Aber auch Künstler, wie Ammar Abo Bakr aus Ägypten, der mit seiner – wie wir finden – beeindruckenden Graffiti-Kunst die Revolution in Ägypten unterstützt hat. Wir berichten über den ersten 3D-Drucker aus Elektroschrott und über schwimmende Häuser, über afrikanische Superhelden und ukrainische Umweltaktivisten, oder über Drohnen und Wasserstationen als Lebensretter bei Katastrophen. Aber wir stellen auch Fotografen und Designer vor, deren Arbeit uns gefällt.

Wichtig ist uns, dass die Themen andere inspirieren. Viele der Ideen können die Leser auch in ihren eigenen Ländern adaptieren.

Worum geht es euch in der aktuellen Ausgabe Issue #04: Money Money  insbesondere?

Sarah & Eva: Wie der Name vermuten lässt, tatsächlich viel um Finanzthemen. Das sind Themen, bei dem man sich schnell hilflos fühlt: Eine Finanzkrise kann unsere Existenz aus heiterem Himmel zerstören und wir haben das Gefühl, überhaupt keinen Einfluss nehmen zu können. Auch das stimmt natürlich so nicht. Also haben wir uns gute Beispiele angesehen: Was haben einzelne Länder gelernt, was andere sich zum Vorbild nehmen könnten? Was kann getan werden, um einen erneuten Kollaps zu verhindern? Wie sehen alternative Finanzmodelle aus? Was wäre, wenn man den Banken ihre Macht entzieht? Aber wir zeigen auch, wie Wirtschaft anders gestaltet werden könnte: Social Entrepreneurship, Fair Trade oder Sharing-Economy- Modelle wie die gute alte Nachbarschaftshilfe.

Als englischsprachiges, internationales Online-Magazin wird "Tea after Twelve" in vielen Ländern gelesen. Wer gehört zu eurem Leserkreis?

Sarah & Eva: Prinzipiell Menschen, die über den Tellerrand und das eigene Ortsausgangsschild hinausblicken. Menschen, denen an Veränderung gelegen ist, die Fortschritt positiv gegenüberstehen und die gleichzeitig auch an smarten „grünen“ Themen interessiert sind.

Auch eure Autoren stammen aus aller Welt. Wer schreibt für euch? Wie gewinnt ihr die Autoren für euch?

Sarah & Eva: Wenn man neue Ideen finden möchte, muss man auch mal in andere Länder schauen und andere Menschen zu Wort kommen lassen. Denn mal ehrlich: Was wissen wir denn hier über die Digi-Szene in Ghana oder Nanotechnologie in Peru? Daher sind unsere Autoren ebenso bunt gemischt wie unsere Themen: Techies, Künstler, Gründer, Erfinder, Professoren oder Aktivisten. Viele schreiben uns an, weil sie eine Idee haben und darüber berichten möchten, andere werden uns von unseren Partnern empfohlen, wieder andere sprechen wir von uns aus an, weil wir ihre Themen oder ihre Arbeit interessant finden.

Wer sind die beiden Frauen, die das Magazin gegründet haben und wie habt ihr zusammengefunden?

Sarah & Eva: Kennst du das Lied von Peter Fox "Alles neu"? »Wenn’s dir nicht gefällt, mach neu!« lautet dort eine Textzeile, und das trifft ziemlich genau unsere Grundhaltung. Wir sind beide Journalistinnen und waren mit vielen Dingen in der Medienwelt unzufrieden. Deshalb machen wir es nun anders. Aber auch im Arbeitsalltag machen wir lieber alles nochmal neu, als dass uns etwas nicht gefällt. Wir arbeiten zum Beispiel auch gerne nachts und nicht in festen Büros. Kennengelernt haben wir uns bei einem alten Arbeitgeber. Wir haben dort gemeinsam bereits ein Magazin entwickelt und drei Jahre lang geleitet, kannten also bereits unsere Stärken und Schwächen. Das, was uns aber wohl am meisten eint, ist, dass wir Dinge vorantreiben und auch Sachen anpacken wollen, die andere bisher nicht für möglich hielten.

"Tea after Twelve" ist inzwischen sehr erfolgreich. Wer hat euch in der Startphase unterstützt und was hat euch geholfen so schnell bekannt zu werden?

Sarah & Eva: Wir hatten vor allem ideelle Unterstützung von Freunden, Bekannten und Institutionen, die uns schon kannten und die von der Idee begeistert waren. So hat Tea after Twelve schon einen recht großen Bekanntheitsgrad erreicht, bevor es das Magazin überhaupt gab. Als wir dann gelauncht haben, hat uns die rasche Verbreitung aber doch ziemlich überrascht – dass wir so schnell in den unterschiedlichsten Ländern bekannt wurden und gelesen werden, war für uns selbst unerwartet. Wir haben sehr viele Zuschriften von Lesern bekommen, die uns zu der Idee gratuliert haben, und dies waren größtenteils Leute, die nicht mehr unmittelbar mit unseren persönlichen Netzwerken verbunden waren.

Was sind eure Zukunftspläne für "Tea after Twelve"?

Sarah & Eva: Groß und stark werden ;-)


Neugierig geworden? Tea after Twelve zu lesen gibt es hier, dort findet ihr auch die aktuelle Ausgabe Issue#04 Money Money.

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