Foto: © Librileo

Jeden Monat sendet "Librileo" wertvoll ausgesuchte Kinderbücher den Kunden nach Hause, die den Kindern Leselust zeigen und Eltern die Erziehung erleichtern wollen. Inzwischen haben die beiden Gründer die Organisation "gemeinnützige Librileo UG" ins Leben gerufen, die Kindern aus schlechter gestellten Familien bessere Bildungschancen eröffnen möchte.

Librileo wurde von euch als Start-Up in Berlin gegründet. Was ist die Idee zu eurem Unternehmen?

Sarah Seeliger: Wir, Sarah und Julius, die Gründer von Librileo sind Eltern von zwei kleinen Kindern. Als unsere Tochter vor fast 3 Jahren in die Trotzphase kam, fiel uns auf, dass es sinnvoll ist dem Alter und der Entwicklung entsprechend, Kinderbücher als Erziehungshilfe einzusetzen. Doch richtig tolle Kinderbücher zu finden, das ist gar nicht so einfach. Es dauert seine Zeit und ist nicht selten mit viel Stress verbunden. So ist die Idee geboren Kinderbücher im Abo anzubieten. Daraus entstand dann ein Jahr später die gemeinnützige Organisation "Librileo gemeinnützig".

Die "gemeinnützige Librileo UG" mit dem laufenden "Reading Empowerment Programm" habt ihr im März 2015 ins Leben gerufen. Sozial und finanziell schlecht gestellte Familien erhalten von euch Bücherboxen, was gebt ihr ihnen damit an die Hand? Worum geht es in dem Programm?

Sarah: Wir beliefern Familien aus schwierigen Lebenslagen quartalsweise kostenfrei mit altersgerechten Bücherboxen. Die Bücherboxen bestehen aus einem Ratgeber für die Eltern, einem Kinderbuch und einem Spiel. Gemeinsam mit einer Pädagogin und einem Designer im Team erstellen wir die Ratgeber und Spiele zu den jeweiligen Themen selber. Die Bücher beziehen wir von den Buchverlagen. Jede Bücherbox behandelt ein Thema, welches dem Alter des Kindes entspricht. Zum Beispiel Baden, Zähne putzen, Auf Töpfchen gehen, Einschlafen, Trotzphase, Fernsehkonsum, Mobbing, etc.

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Die Bücherboxen sind hübsch verpackt und kommen alle drei Monate zu den Familien nach Hause. Durch die liebevolle und wertschätzende Aufmachung, werden die Eltern motiviert gemeinsam mit ihren Kindern Bücher anzusehen. Die Interaktion in der Familie wird angeregt und der Wortschatz der Kinder entwickelt sich weiter. So sind die Kinder besser auf die Schule vorbereitet und haben gerechte Bildungschancen.

Auf welchen Kanälen erreicht ihr die Familien, die sich in schwierigen Lebenslagen befinden? Oder anders gefragt, wer bekommt von euch die Bücherboxen geschenkt?

Sarah: Wir arbeiten mit Jugendämtern, Gesundheitsämtern, Kitaerziehern, Familienzentren und Co zusammen. Überall dort, wo Kinder sich aufhalten, wollen wir sie erreichen. Hat eine Familie Anrecht auf Transferleistungen zum Beispiel vom Jobcenter bekommt sie auch die Bücherboxen von uns umsonst.

Wie lief die Finanzierung in der Startphase? Und wie gewinnt ihr Verlage für euer Angebot?

Sarah: Die Verlage arbeiten sehr gerne mit uns zusammen. Auch als gemeinnütziges Unternehmen, kaufen wir die Bücher bei den Verlagen ganz normal als Buchhändler ein.

Zu Beginn haben wir sehr lange ehrenamtlich gearbeitet, viele liebe Praktikanten und Praktikantinnen haben uns unterstützt. Zur Zeit haben wir eine Stiftung, die uns finanziert. Die Stiftung engagiert sich selber im frühkindlichen Bereich und hat genau wie wir, ein Interesse daran, Bildungsarmut in Deutschland zur Vergangenheit zu machen.

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Wie habt ihr euer Start-Up gepusht, um für Eltern sichtbar zu werden und Kunden zu gewinnen?

Sarah: Das Start-up haben wir hauptsächlich über unseren eigenen Blog und unsere Social Media Kanäle, wie Facebook, Twitter, youtube und Instagram gepusht. Ab und zu hat auch der eine oder andere Blogger über uns berichtet oder ein Elternmagazin ist aufmerksam auf uns geworden. Für Werbung haben wir kaum Geld ausgegeben, weil wir es einfach nicht zur Verfügung hatten. Also mussten wir kreativ werden.

Für unsere gemeinnützige Organisation haben wir uns letzten Sommer zum Beispiel eine Guerilla Marketing Aktion ausgedacht. An 50 Berliner Bushaltestellen haben wir mehr als 200 Kinderbücher an Bändern aufgehängt. Die Berliner und auch die Presse waren begeistert. Da die Aktion so gut funktioniert hat, haben wir sie auch in Köln wiederholt. Auch dort war sie ein Erfolg. Sogar im Fernsehen wurde darüber berichtet.

Wie habt ihr euch vernetzt um Unterstützung für das Projekt zu finden?

Sarah: Wir haben Kontakt zu anderen gemeinnützigen Organisationen aufgenommen, sind auf Netzwerktreffen gegangen und haben immer gut hingehört, wenn uns jemand einen Tipp gegeben hat. Das hat für die gemeinnützige Organisation sehr gut funktioniert. Die Akteure in der Sozialbranche sind von unserer Idee und unserer Arbeitsweise begeistert und helfen uns sehr weiter.

Habt ihr euch 2016 für das »Reading Empowerment Programm« ein konkretes Ziel gesetzt?

Sarah: Ja klar. Das Angebot der Bücherboxen soll es bis Ende des Jahres in vier Bundesländern geben. Dafür muss vom jeweiligen Minister genehmigt werden, dass die Bücherboxen über das Bildungs- und Teilhabepaket finanziert werden können. Weiterhin sind wir dabei ein Netzwerk aus Ehrenamtlichen Lesepaten in den jeweiligen Bundesländern aufzubauen. Ca. 1.000 Familien wollen wir bis zum Ende des Jahres quartalsweise mit unseren Bücherboxen beliefern und ihnen somit Zugang zu Bildung ermöglichen.

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