Der Arbeitsmarkt ist in Bewegung – und mit ihm die Art, wie Bewerbungen gelesen und bewertet werden. Viele Profile sind heute interdisziplinär, nicht linear und lassen sich nur begrenzt über klassische Lebensläufe vergleichen. Hinzu kommt, dass auf eine Stelle häufig eine hohe Anzahl hochqualifizierter und passender Bewerbungen eingeht. Das macht es für die einzelnen Kandidat:innen natürlich schwer, sich aus der Masse an guten Bewerbungen hervorzuheben.
Genau hier können kreative Bewerbungsformate sinnvoll sein: Sie können die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass deine Bewerbung positiv auffällt und mehr in Erinnerung bleibt. Doch es geht keineswegs ums Auffallen um jeden Preis: Wichtigstes Ziel ist es, den Personaler:innen eine wertvolle Entscheidungshilfe zu bieten und zu verdeutlichen, warum du ein hervorragendes Match für diese spezifische Rolle bist.
Im Folgenden stellen wir dir fünf Formate vor, mit denen du deine Bewerbung gezielt erweitern kannst – von einer frühzeitigen Gesprächsanftage über Arbeitsproben und Case Studies bis hin zu digitalen Portfolios und ergänzenden Video-Elementen. Dabei berücksichtigen wir außerdem unterschiedliche Organisationstypen und zeigen dir, wie du diese Bewerbungsformate strategisch, überzeugend und kontextsensibel einsetzt.
1. Gesprächsanfrage statt Bewerbung
Viele Stellen im Nachhaltigkeitsbereich (sowie in vielen anderen Branchen auch) entstehen nicht nur über klassische Ausschreibungen, sondern über Netzwerke, Projektbedarfe oder interne Umstrukturierungen (Stichwort verdeckter Arbeitsmarkt). Gerade in Transformationsphasen, bei neuen regulatorischen Anforderungen oder im Zuge interner Reorganisationen entstehen Bedarfe, bevor sie formal benannt werden.
Wer erst reagiert, wenn eine Stelle online ist, verpasst häufig Chancen und konkurriert in der Regel unmittelbar mit zahlreichen anderen Kandidat:innen. Ziel ist es daher, den Kontakt zu einem möglichst frühen Zeitpunkt im Prozess der Stellenbesetzung zu finden – nämlich dann, sobald ein Bedarf entsteht und vor dem offiziellen Recruitingprozess. Durch eine inhaltlich starke Kontaktaufnahme wirst du frühzeitig als kompetente, engagierte Ansprechperson wahrgenommen.
Doch wie genau lässt sich so eine Kontaktaufnahme gestalten?
Eine Gesprächsanfrage ist keine “versteckte” Bewerbung, sondern ein strategisches Instrument, um frühzeitig sichtbar zu werden, Orientierung zu geben und Beziehungen aufzubauen – gerade in einem Arbeitsmarkt, in dem viele Nachhaltigkeitsrollen informell entstehen oder sich erst im Gespräch konkretisieren. Richtig eingesetzt, signalisiert sie Professionalität, Interesse und fachliche Relevanz. Falsch eingesetzt, kann sie beliebig oder opportunistisch rüberkommen. Entscheidend sind daher Vorbereitung, Timing und Tonalität.
Ziel und Haltung klären – bevor du Kontakt aufnimmst
Der wichtigste Unterschied zur klassischen Bewerbung liegt in der Ergebnisoffenheit. Ziel des Austausches ist nicht, direkt einen Job zu bekommen, sondern:
- ein fachliches Gespräch auf Augenhöhe zu führen
- ein Verständnis für Herausforderungen, Prioritäten und Strukturen der Organisation zu gewinnen
- als kompetente, reflektierte Person in Erinnerung zu bleiben
- und vor allem: eine persönliche Verbindung aufzubauen
Wenn die Gesprächsanfrage primär dazu dient, möglichst schnell eine Stelle zu finden, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass sie als unauthentisch wahrgenommen wird. Tragfähig ist sie dann, wenn echtes Interesse am Thema, an der Organisation oder an einer konkreten Fragestellung erkennbar ist.
Geeignete Gesprächsaufhänger: Worüber kann man sprechen?
Ein Gespräch braucht einen inhaltlichen Anker, der über „Ich finde Ihr Unternehmen spannend“ hinausgeht. Besonders geeignet im Nachhaltigkeitssektor sind Aufhänger, die an reale Herausforderungen anschließen:
- neue regulatorische Anforderungen (z. B. CSRD, Lieferkettenpflichten)
- thematisch passende gesellschaftspolitische Debatten und Trends
- öffentliche Berichte, Artikel, Interviews, Podcasts zu der Organisation, die dein echtes Interesse geweckt haben
- bei Non-Profits: Kampagnen, öffentlich sichtbare Projekteorganisatorische Spannungsfelder (z. B. Nachhaltigkeit zwischen Strategie und Operative)
- strukturelle Fragen („Wie ist Nachhaltigkeit bei Ihnen verankert?“)
Wichtig ist, dass der Aufhänger offen formuliert ist. Es geht nicht darum, Lösungen zu präsentieren oder Kritik zu üben, sondern um Austausch auf Augenhöhe, inwieweit sich gemeinsame Lösungen im Rahmen einer potentiellen Zusammenarbeit gestalten lassen.
Über welche Wege Kontakt aufnehmen?
Je nach Organisationstyp und Zielperson eignen sich unterschiedliche Kanäle:
- LinkedIn: Besonders geeignet für Erstkontakte in Unternehmen, Beratung, Startups und NGOs. Vorteil: Kontext sichtbar, niedrigschwellig.
- E-Mail: Sinnvoll, wenn Kontaktdaten öffentlich sind oder ein formellerer Rahmen angebracht ist (z. B. öffentliche Institutionen).
- Events, Panels, Webinare: Gespräche im Anschluss oder kurze Follow-up-Nachrichten sind oft sehr anschlussfähig.
- Empfehlungen: Eine kurze Intro durch gemeinsame Kontakte erhöht die Bereitschaft zum Gespräch deutlich.
Persönliche, gut recherchierte Anfragen werden erfahrungsgemäß deutlich häufiger beantwortet als floskelhafte Massennachrichten.
Wer ist die richtige Ansprechperson?
Im Kontext von Gesprächsanfragen ist die Wahl der Kontaktperson entscheidend.
- Fachabteilungen sind oft besser geeignet, wenn es um fachliche Inhalte, konkrete Projekte und tatsächliche Bedarfe geht.
- HR ist sinnvoll, wenn es um formale Prozesse, Einstiegsmöglichkeiten oder Ausschreibungen geht.
Gerade im Nachhaltigkeitsbereich macht es häufig Sinn, zuerst Fachverantwortliche zu kontaktieren, z.B.
- Nachhaltigkeitsmanager:innen
- ESG-/CSR-Leads
- Leiter:innen Strategie, Transformation oder Einkauf (je nach Thema)
- Projektverantwortliche in NGOs oder öffentlichen Einrichtungen
HR kann später eingebunden werden, wenn sich aus dem Gespräch eine konkrete Perspektive ergeben sollte. Ab diesem Punkt solltest du dir unbedingt unsere Anleitung für eine überzeugende Initiativbewerbung anschauen.

Wie formuliere ich eine Gesprächsanfrage?
Der Ton ist zentral: wertschätzend, präzise, nicht fordernd. Eine gute Anfrage ist kurz, konkret und transparent.
Formulierungshilfe 1: Fachlicher Austausch
„Ich beschäftige mich aktuell intensiv mit [Thema] und bin im Rahmen meiner Recherche auf Ihre Arbeit gestoßen. Mich würde interessieren, wie Sie das Thema bei [Organisation] aktuell einordnen und welche Herausforderungen Sie sehen. Falls Sie offen für einen kurzen Austausch sind, würde ich mich freuen.“
Formulierungshilfe 2: Bezug auf Veröffentlichung oder Projekt
„Ihr letzter Nachhaltigkeitsbericht / Ihr Projekt zu [X] hat mich sehr angesprochen, insbesondere der Ansatz zu [Aspekt]. Ich fand spannend, wie Sie das Thema angehen, und würde gerne mehr darüber erfahren, welche Überlegungen und Erfahrungen dahinterstehen. Falls Sie offen für einen kurzen Austausch (max. 30 min) sind, würde ich mich sehr freuen.“
Formulierungshilfe 3: Lern- und Orientierungsperspektive
„Ich orientiere mich aktuell beruflich im Nachhaltigkeitsbereich und versuche, verschiedene Umsetzungsmodelle kennenzulernen. Ihre Rolle als [X] bei [Organisation] finde ich in diesem Kontext besonders spannend. Hätten Sie Lust auf einen kurzen Austausch (max. 30 min)?“
Formulierungshilfe 4: Schnittstellenperspektive
„Ich arbeite an der Schnittstelle von [X] und [Y] und beobachte, dass diese Verbindung in vielen Organisationen herausfordernd ist. Mich würde interessieren, wie Sie das bei [Organisation] erleben. Über einen kurzen persönlichen Austausch (max. 30 min) würde ich mich sehr freuen.“
Formulierungshilfe 5: Konkreter Mehrwert (vorsichtig dosiert)
„In meiner bisherigen Arbeit habe ich mich viel mit [Thema] beschäftigt. Mich würde interessieren, wie Sie aktuell damit umgehen – und wo Sie den größten Diskussionsbedarf sehen. Ich würde mich sehr freuen, mich persönlich mit Ihnen auszutauschen. Hätten sie in der kommenden Woche ca. 30 min Zeit für einen kurzen Call?“
Du suchst nach einem Job mit Sinn?
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2. Zeig deine Skills: Arbeitsproben „light“
Mit kleinen Arbeitsproben demonstrierst du, wie du denkst, priorisierst und strukturierst und vermittelst einen ersten Eindruck von der Qualität deiner Arbeit. Genau das kommt in klassischen Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben), in denen lediglich Stationen, vage Aufgabenbeschreibungen (und viele Floskeln) zu lesen sind, nicht greifbar rüber.
Ziel und Funktion der Arbeitsprobe
Bevor du eine Mini-Analyse erstellst, solltest du dir klar machen, was sie leisten soll – und was nicht. Eine gute Mini-Analyse soll:
- Orientierung geben
- Denklogik transparent machen
- Anschlussfähigkeit zur Organisation zeigen
Sie soll nicht:
- ein vollständiges Konzept ersetzen
- Anspruch auf Richtigkeit oder Vollständigkeit erheben
- operative Detailtiefe simulieren
Erfahrungsgemäß wirkungsvoll ist eine klare Einordnung gleich zu Beginn, z. B. als „erste Gedanken“, „Skizze“, “erster Konzeptentwurf” oder „grobe Outline“.
Auswahl geeigneter Themen
Arbeitsproben eignen sich besonders für Rollen, die analytisch, konzeptionell oder strategisch ausgerichtet sind, z.B. Nachhaltigkeitsmanagement, Marketing, Vertrieb, Campaigning, Produktentwicklung, Organisations- oder Personalentwicklung oder Bildungsarbeit.
Fragen, die du dir mit Blick auf die Organisation stellen kannst:
- Wo gibt es typischerweise (angebliche) Zielkonflikte, z.B. zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit?
- Wo gibt es in der Organisation noch Verbesserungsbedarf bei der Implementierung von Nachhaltigkeit (z.B. Lieferkette, Reporting)?
- Wo mangelt es der Organisation noch an strategischer Ausrichtung und Klarheit?
- An welchen Stellen könnte die Außenkommunikation wirkungsvoller und zielgruppengerechter gestaltet werden?
- Welche relevanten Geschäftsfelder wurden bislang noch nicht erschlossen?
- Zu welchen Themen werden Projekte/Programme geplant?
- Welchen Risiken und Herausforderungen ist die Organisation derzeit ausgesetzt?
Besonders passend sind Fragestellungen, bei denen Struktur und Priorisierung wichtiger sind als Detailwissen. Weniger geeignet sind hochspezifische technische Fragestellungen oder sensible interne Themen, zu denen dir Informationen fehlen.
Gestaltung und Format
Eine Arbeitsprobe lebt von ihrer Kürze. Als Orientierung haben sich bewährt:
- 1 Seite Text oder
- 2 Seiten mit Grafiken / Stichpunkten oder
- 3–5 Slides
Alles darüber hinaus macht den Aufwand, den die Personaler:innen in deine Bewerbung stecken müssen, zu groß. Ziel ist, Interesse zu wecken, nicht Überforderung zu verursachen.
Konkrete Beispiele:
- Kurze Skizze „Erste Schritte zur CSRD-Readiness in einem mittelständischen Unternehmen“: Kontext, Herausforderung, Prioritäten, nächste Schritte (2-seitiges PDF oder 3–4 Slides mit klarer Struktur)
- Analyse einer bestehenden Nachhaltigkeitskampagne: Kernbotschaften, Zielgruppenlogik, potenzielle Greenwashing-Risiken, alternative Narrative (1–2 Seiten PDF oder eine visuelle Präsentation mit kurzen Texten und Beispiel-Claims)
- Beispielhafte Sales-Strateige für ein nachhaltiges Produkt oder eine Dienstleistung: Kundennutzen, Einwände, Abgrenzung zu Marketingversprechen (Onepager oder kurzes Slide-Deck)
- Grobes Kampagnenkonzept zu einem konkreten Thema, z. B. Lieferkettengerechtigkeit oder Klimaschutz: Ziel, Zielgruppen, Kernbotschaft, mögliche Maßnahmen (2-seitiges Konzeptpapier oder Kampagnen-Canvas als PDF)
- Nachhaltigkeitsbewertung eines bestehenden Produkts entlang des Lebenszyklus mit Fokus auf einen zentralen Hebel, z. B. Materialwahl oder Nutzungsphase (1–2 Seiten PDF mit vereinfachter LCA-Logik oder Skizzen/Diagrammen)
- Skizze für die Verankerung von Nachhaltigkeit in Führungs- oder Teamprozessen, z. B. Integration in Zielsysteme oder Lernformate (Kurzes Konzeptpapier oder Prozessgrafik mit erklärendem Text)
- Entwurf eines Workshops oder Lernmoduls: Lernziele, Ablauf, Methoden, Reflexionsfragen (2–3 Seiten Workshop-Konzept oder exemplarische Trainingsfolien)
Achte unbedingt auf eine sachliche, respektvolle und nicht belehrende Tonalität. Wichtig ist es, deine Bewertungen nicht als Fakten darzustellen. Formulierungen wie „könnte“, „typischerweise“, „oft hilfreich“ signalisieren Offenheit. Absolute Aussagen oder implizite Kritik („Das fehlt hier“) sollten vermieden werden.
Eine gute Arbeitsprobe sollte beim Gegenüber das Gefühl wecken: „Das war hilfreich – und ich würde gerne mehr darüber sprechen.“
Wie und wann du Arbeitsproben einsetzt
Arbeitsproben entfalten ihre Wirkung vor allem dann, wenn sie gezielt und zurückhaltend eingesetzt werden. Besonders sinnvoll sind sie im Rahmen von Initiativ- oder Gesprächsanfragen, bei denen noch keine formale Stelle ausgeschrieben ist, oder nach einem ersten kurzen Austausch, wenn bereits Interesse signalisiert wurde. In beiden Fällen dienen sie als freiwillige Ergänzung, um die eigene Denkweise greifbar zu machen – nicht als unfreiwillige “Beratung”. Es sollte auf keinen Fall rüberkommen wie „Ich habe schon mal ungefragt angefangen, euren Job zu machen“.
Eine kurze Ankündigung, dass bei Bedarf eine Skizze oder Arbeitsprobe zur Verfügung gestellt werden kann, wirkt meist anschlussfähiger als das sofortige Übersenden. So bleibt die Initiative bei der Organisation, und die Arbeitsprobe wird als Einladung zum vertiefenden Gespräch wahrgenommen, nicht als übergriffige Vorleistung.
Bewirbst du dich auf eine Stellenanzeige, bei der eine Arbeitsprobe nicht explizit gefordert wird, ist Fingerspitzengefühl gefragt. Hier ist es essentiell, dass die Arbeitsprobe sehr kurz und klar begrenzt ist, sowie der Mehrwert ohne zusätzliche Erklärung sofort erkennbar ist.
Hilfreich ist eine kurze Einordnung im Anschreiben, etwa im Sinne von: „Optional beigefügt habe ich eine kurze Skizze, um meine Herangehensweise zu verdeutlichen.“ Damit bleibt die Entscheidungshoheit bei der lesenden Person.

3. Mach deine Erfahrungen konkret: Case Study
Deine Bewerbung mit einer Fallstudie (Case Study) anzureichern, macht aus der vagen Stationen-Liste in deinem Lebenslauf eine konkrete, greifbare Erfolgsstory.
Eine Case Study meint in diesem Falle eine strukturierte Darstellung realer Arbeitserfahrungen, die zeigt, wie du z.B. Herausforderungen analysierst, Entscheidungen triffst und Wirkung erzielst. Im Nachhaltigkeitssektor ist dieses Format besonders geeignet, weil viele Rollen komplex, querschnittlich und oftmals schwer über Titel oder Stationen erklärbar sind. Eine Case Study ersetzt kein Anschreiben, sondern ergänzt es mit Substanz.
Natürlich geht es nicht darum, all deine Projekte als Case Study auszuarbeiten, sondern gezielt ein oder zwei besonders prägnante Beispiele auszuwählen, die für die angestrebte Rolle anschlussfähig sind.
Eine Case Study eignet sich besonders:
- für Nachhaltigkeits-, ESG- und Transformationsrollen,
- für Beratungs-, Projekt- oder Schnittstellenfunktionen,
- bei nicht-linearen Lebensläufen oder für Quereinsteiger:innen,
- wenn die Stelle Gestaltungs- oder Aufbauarbeit umfasst.
Weniger geeignet ist das Format bei stark standardisierten Rollen oder sehr formalen Bewerbungsprozessen, in denen strikt vorgegebene Unterlagen gefordert sind.
Die richtige Case auswählen
Eine gute Case Study muss nicht spektakulär sein. Entscheidend ist, dass sie:
- eine reale Herausforderung beschreibt,
- ein relevantes Spannungsfeld zeigt (z. B. Anspruch vs. Ressourcen),
- deine Rolle und deinen Beitrag sichtbar macht.
Einige Beispiele für mögliche Inhalte einer Case Study:
- der Aufbau eines Prozesses für das Nachhaltigkeitsreporting
- die Umsetzung regulatorischer Anforderungen
- Einführung von Nachhaltigkeitsbotschaften in eine bestehende Markenkommunikation und Umgang mit internen Widerständen
- Priorisierung von Kundensegmenten aus Impact- und Business-Perspektive
- Anpassung einer Kampagne nach veränderten Rahmenbedingungen oder geringer Resonanz
- Entwicklung eines internen Lern- oder Veränderungsprozesses
- Übersetzung komplexer Inhalte in lern- und praxisnahe Formate
- ein Projekt, welches mehrere Interessengruppen einbezog
- ein Vorhaben, das nicht in allen Punkten lief wie ursprünglich geplant, aber wichtige Learnings erzeugt hat
Erfahrungsgemäß wirken besonders solche Case Studies, die Reflexionsfähigkeit zeigen glaubwürdiger als “glatt gebügelte” Erfolgsgeschichten. Diskutiere in deiner Case Study daher auch Aspekte und Learnings: an welchen Stellen bist du Herausforderungen begegnet? Wie bist du damit umgegangen? Und hast du für künftige Projekte daraus gelernt?
Empfohlene Struktur einer Case Study
Eine klare, wiederkehrende Struktur hilft, deine Arbeit schnell zu erfassen. Bewährt hat sich folgende Logik:
- Kontext: Organisationstyp, Ausgangslage, Rahmenbedingungen
- Herausforderung: Welche konkrete Aufgaben- oder Fragestellung oder welches Problem stand im Raum? Welche Zielkonflikte waren sichtbar?
- Rolle und Verantwortung: Wo lagen deine Verantwortlichkeiten? Was lag in deinem Einflussbereich?
- Vorgehen: Welche Strategie hast du dir überlegt? Welche Schritte bist du gegangen? Welche Methoden oder Prinzipien haben dich geleitet?
- Ergebnis und Wirkung: Was hast du erreicht – konkret, aber realistisch? Was blieb offen?
- Learnings: Was würdest du heute ähnlich oder anders machen? Welche Erkenntnisse sind auf die ausgeschriebene Stelle oder deinen Wunsch-Arbeitgeber übertragbar?
Umfang, Format und Gestaltung
Deine Case Study sollte kompakt bleiben: 2–3 Seiten Text oder 4–6 Slides reichen völlig. Auch hier gilt: Ein zu großer Umfang ist für die Lesenden eher überfordernd.
Geeignete Formate sind:
- PDF-Dokumente
- kurze Präsentationen
- digitale Portfolios mit klar abgegrenzten Cases
Das Design sollte ruhig und funktional sein. Diagramme oder Skizzen können helfen, sind aber kein Muss. Entscheidend ist Verständlichkeit, nicht visuelle Raffinesse.
Wie du die Case Study in deine Bewerbung einbindest
Eine Case Study sollte immer kontextualisiert werden. Sie wird idealerweise im Anschreiben als optionale Ergänzung kurz angekündigt und klar als Beispiel für Arbeitsweise eingeordnet.
Formulierungsbeispiel:
„Ergänzend habe ich eine kurze Case Study beigefügt, die exemplarisch zeigt, wie ich Nachhaltigkeitsthemen strukturiert bearbeite.“
So bleibt die Entscheidung, sich vertieft damit zu befassen, bei der lesenden Person.

4. Übersichtlich und ausdrucksstark: Digitales Portfolio
Digitale Portfolios können ein überaus wirkungsvolles, ergänzendes Bewerbungsformat sein. Richtig eingesetzt, ermöglichen sie etwas, das klassische Bewerbungsunterlagen kaum leisten können: Sie machen deine Arbeitsweise greifbar, vermitteln einen Eindruck deiner persönlichen Haltung und veranschaulichen Details deiner vorherigen Aufgaben/Rollen/Projekte. Entscheidend für einen positiven Eindruck ist jedoch konzeptionelle Klarheit.
Wofür ein digitales Portfolio geeignet ist – und wofür nicht
Ein digitales Portfolio eignet sich besonders für Rollen, in denen:
- konzeptionell gearbeitet wird,
- komplexe Inhalte verständlich aufbereitet werden müssen,
- Querschnittsarbeit und Schnittstellenkompetenz relevant sind,
- Ergebnisse nicht ausschließlich quantitativ messbar sind.
Dazu zählen viele Rollen im Nachhaltigkeitsmanagement, ESG, Strategie, Beratung, Kommunikation, Organisationsentwicklung, Produktentwicklung oder in der Bildungsarbeit.
Weniger geeignet ist ein digitales Portfolio dort, wo:
- Bewerbungsprozesse stark formalisiert sind,
- technische oder operative Aufgaben im Vordergrund stehen,
- ausschließlich standardisierte Profile gesucht werden.
Ein Portfolio ist kein Ersatz für den Lebenslauf, sondern dient dazu, relevante Informationen in einer übersichtlichen und gleich visuell ansprechenden Form zu vertiefen und mit “Leben anzureichern”.
Mögliche Inhalte und Struktur eines digitalen Portfolios
Ein digitales Portfolio im Nachhaltigkeitskontext kann verschiedene Bausteine enthalten, die je nach Rolle unterschiedlich gewichtet werden:
- Ausgewählte Projekte oder Case Studies: Kurz beschrieben, mit Kontext, eigener Rolle, Vorgehen und Learnings.
- Methodische Ansätze: Beispielsweise, wie du Analysen, Stakeholder-Prozesse, Roadmaps oder Kampagnen strukturierst.
- Kleine Arbeitsproben: Kleine Skizzen, Visualisierungen oder Denkmodelle, keine vollständigen Konzepte.
- Reflexionen: Kurze Texte zu Zielkonflikten oder Grenzen von Nachhaltigkeit oder Erfahrungen aus deiner bisherigen Arbeitspraxis.
- Fachliche Einordnung: Verweise auf von dir verfasste Artikel, Veröffentlichungen oder gehaltene Vorträge, sofern vorhanden.
Dein Portfolio muss dabei keineswegs alle o.g. Elemente enthalten. Zwei bis drei gut ausgearbeitete Bausteine sind oft überzeugender als eine überdimensionierte Sammlung.
Eine klare Struktur ist dabei entscheidend, da digitale Portfolios häufig quer gelesen werden. Bewährt hat sich eine einfache Logik:
- Startseite mit kurzer Einordnung („Worum geht es hier?“)
- 2–4 klar abgegrenzte Inhaltsbereiche
- pro Projekt oder Thema eine eigene Unterseite oder Sektion
- klare Überschriften und kurze Einleitungen
Gestaltung und technische Umsetzung
Sofern du nicht gerade in der Kreativ- oder Medienbranche unterwegs bist, sollte das Design schlicht und funktional bleiben. Ein digitales Portfolio muss nicht kreativ im Sinne von “schrilles Design” sein, sondern klar und lesbar.
Geeignete Formate sind:
- einfache Websites (Landing-Pages)
- Notion-Seiten
- PDFs mit klarer Navigation
- schlanke Präsentationen mit Online-Zugriff
Beachte unbedingt, dass die Leser:innen Zugriff auf die Dokumente haben, die Inhalte schnell erfassbar sind und du sensible Informationen anonymisierst.
Wie du ein digitales Portfolio in die Bewerbung integrierst
Ein digitales Portfolio sollte immer kontextualisiert werden. Es wirkt am besten, wenn du im Anschreiben kurz darauf verweist und einordnest, welche Inhalte dort zu finden sind. Achte (wie bei anderen ergänzenden Formaten auch) darauf, es als freiwillige Ergänzung zu kommunizieren. Deine Bewerbungsunterlagen sollten unbedingt auch ohne das Portfolio vollständig, verständlich und aussagekräftig sein!
Formulierungsbeispiel: „Ergänzend zu meinen Bewerbungsunterlagen habe ich ein kurzes digitales Portfolio verlinkt, das ausgewählte Projekte und meine Arbeitsweise zeigt.“

5. Live und in Farbe: Vorstellungsvideo
Ein kurzes Vorstellungsvideo kann ein starkes ergänzendes Format sein, weil sie einen ganz unmittelbaren Eindruck von deiner Persönlichkeit vermitteln und deine Bewerbung somit mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit in Erinnerung bleibt. In Ergänzung zum stark standardisierten Anschreiben und gestelltem Lebenslauf-Foto kommt ein Video eher einer persönlichen Begegnung gleich. Wichtig ist jedoch ein bewusster, zurückhaltender Einsatz. Eine Video-Nachricht ersetzt zudem niemals Anschreiben oder Lebenslauf - außer dann, wenn sie in der Stellenausschreibung explizit als Alternative angegeben ist.
Besonders geeignet ist dieses Format, wenn:
- die Rolle kommunikativ, beratend oder vermittelnd ist
- Motivation, Haltung oder Werte eine zentrale Rolle spielen
- der Arbeitgeber innovations- oder kulturorientiert wirkt
- du dich auf eine Organisation bewirbst, die Sinn, Purpose oder Transformation betont
Weniger geeignet ist das Format bei:
- sehr formalen, stark standardisierten Bewerbungsprozessen
- stark hierarchischen oder konservativen Organisationen
- anonymisierten Online-Portalen ohne persönlichen Kontakt
- Rollen mit klar operativ-technischem Fokus
Ziel und Haltung des Videos
Eine gute Vorstellungsvideo-Bewerbungsnachricht verfolgt nicht das Ziel, den gesamten Lebenslauf zu erklären oder fachliche Kompetenz zu beweisen. Sie vermittelt vielmehr drei Aspekte:
- Deine Motivation für genau diese Organisation oder Rolle
- Wie du in Bezug auf fachliche Themen denkst und sprichst
- Deine Haltung und deinen Kommunikationsstil (Stimme, Sprache, Gestik, persönliche Ausstrahlung etc.)
Länge, Struktur und technische Umsetzung
Kürzer ist fast immer besser. Bewährt haben sich eine Länge von 60 bis maximal 120 Sekunden, in denen du einem klaren Gedankenstrang folgst. Achte auf einen ruhigen, natürlichen Sprechstil - ohne, dass es auswendig gelernt klingt.
Inhaltlich kann das Video grob so aufgebaut sein:
- kurze persönliche Einordnung
- Bezug zur Organisation oder Rolle
- ein zentraler Gedanke oder Motivationsaspekt
- wertschätzender Abschluss
Schildere konkrete Beobachtungen, persönliche Lernprozesse sowie deine authentische Motivation. Glaubwürdigkeit und ein sympathisches Auftreten hinterlassen viel eher einen positiveren Eindruck als perfekt glatt polierte Floskeln und übertriebene Selbstdarstellung.
Die technische Umsetzung sollte solide, aber nicht allzu aufwendig sein. Du brauchst keine Profi-Ausrüstung. Achte jedoch auf einen neutralen Hintergrund, gutes Licht und einen verständlichen Ton. Aufwendige Schnitte, Musik oder Animationen sind meist unnötig und lenken eher vom Inhalt ab.
Einbindung in den Bewerbungsprozess
Eine Video-Bewerbungsnachricht sollte immer optional sein und klar eingeordnet werden.
Da Video-Dateien in aller Regel zu groß sind, um als Email-Anhang versendet zu werden, speichere das Video am besten in einem Cloud-Ordner mit entsprechenden Freigabeeinstellungen oder erstelle eine Webseite (Landing-Page), auf die du das Video hochlädst und den Link dazu teilst. Videoportale wie Vimeo sind (mit entsprechenden Sichtbarkeitseinstellungen) ebenfalls eine Möglichkeit, um deine Videobotschaft zu teilen. Auch dein digitales Portfolio (s. Punkt 4) ist eine ideale Platzierung für ein Vorstellungsvideo.
Sinnvoll ist ein kurzer Hinweis im Anschreiben oder in der E-Mail, etwa im Sinne von:
„Optional habe ich eine kurze Video-Nachricht verlinkt, in der ich mich Ihnen kurz vorstelle und meine Motivation erläutere.“
So kann die empfangende Person selbst entscheiden, ob sie das Video ansehen möchte.

Entscheidungshilfe: Welches Bewerbungsformat passt zur Stelle?
Die vorgestellten ergänzenden Formate entfalten ihre Wirkung nicht durch ihre Originalität allein, sondern durch Kontextsensibilität. Je besser Format, Ton und Umfang zur jeweiligen Organisation passen, desto eher werden “kreative Zugaben” als positiv und hilfreich wahrgenommen. Entscheidend ist immer die Frage: Unterstützt dieses Format das Verständnis meiner Passung oder lenkt es davon ab?
Ein wichtiger Faktor für die Wahl des Bewerbungsformates ist dabei der Organisationstyp, bei dem du dich bewirbst. Ein traditionelles Familienunternehmen im Mittelstand tickt kulturell einfach anders als eine kleine Non-Profit-Organisation oder ein progressives Start-up. Hier eine kleine Entscheidungshilfe:
Kreative Rollen und stark innovationsgetriebene Unternehmen
Hier kann die Bewerbung unter Umständen sichtbar vom Standard abweichen. In diesem Umfeld wird häufig positiv wahrgenommen, wenn Bewerbungsunterlagen zeigen, wie jemand denkt, gestaltet und Ideen entwickelt. Kreativität sollte sich jedoch nicht im Design erschöpfen, sondern vor allem in der Struktur und Herangehensweise sichtbar werden.
Do:
- Bewusste Auswahl von Arbeitsproben, Skizzen, Denkprozessen
- Nutze digitale Portfolios oder Präsentationen
- Positioniere dich über Haltung und Vision
Don’t:
- Beliebige Design-Spielereien ohne Bezug zur Rolle
- Zu lange oder ungefilterte Portfolios ohne roten Faden
Sozialunternehmen und Non-Profit-Organisationen
Im Non-Profit- und Sozialunternehmenskontext zählt vor allem Glaubwürdigkeit. Kreative Bewerbungen wirken hier dann stimmig, wenn du die Fähigkeit zeigst, komplexe gesellschaftliche Fragen differenziert zu durchdenken und verständlich darzustellen.
Do:
- Zeige Verständnis für Ressourcenknappheit
- Stelle Wirkung und Lernprozesse in den Vordergrund
- Verknüpfe Fachlichkeit mit Werteverständnis
Don’t:
- Corporate-Sprech ohne Kontext
- Unrealistische Skalierungsversprechen
Mittelständische Unternehmen mit Nachhaltigkeitsbezug
Bei mittelständischen Unternehmen ist Fingerspitzengefühl gefragt. Kreative Elemente können sinnvoll sein, sollten aber klar eingebettet und gut erklärt werden. Entscheidend ist, dass die Bewerbung Professionalität und Anschlussfähigkeit signalisiert. Zusätzliche Formate wie kurze Analysen oder Portfolios wirken hier dann positiv, wenn sie konkret, pragmatisch und lösungsorientiert sind. Zu experimentelle oder stark verspielte Formate können dagegen Irritation auslösen, insbesondere wenn Nachhaltigkeit noch im Aufbau begriffen ist.
Do:
- Konkret und erklärungsarme Formate (z. B. kurze Mini-Analyse, sauberes Portfolio)
- Fokus auf Umsetzbarkeit, Pragmatismus und Anschlussfähigkeit
- Bezug auf das Unternehmen, seine Produkte oder Herausforderungen
- Tonalität: professionell, lösungsorientiert, bodenständig
Don’t:
- Stark experimentelle oder verspielte Formate ohne klaren Nutzen
- Zu abstrakte Argumente ohne Praxisbezug
- Implizite Kritik an bestehenden Strukturen oder Vorgehensweisen
Konservative Arbeitgeber und sehr strukturierte Organisationen
Bei sehr traditionellen Arbeitgebern sowie Organisationen mit stark strukturierten / standardisierten Recruiting-Prozessen ist Vorsicht geboten. Kreative Bewerbungen können hier schnell als Regelbruch oder Unruhefaktor wahrgenommen werden. Sinnvoll ist es, Kreativität eher indirekt einzubringen – etwa durch eine besonders klare Argumentation, eine saubere Kompetenzdarstellung oder eine gut strukturierte Einordnung von Erfahrungen. Zusätzliche Formate sollten, wenn überhaupt, erst im weiteren Verlauf des Prozesses angeboten werden. Hier gilt: Zurückhaltung wird oft als Professionalität gelesen.
Do:
- Bleibe formal korrekt
- Setze Kreativität dosiert ein (z. B. kompetenzorientierter CV, präzises Anschreiben)
- Argumentiere über Nutzen, Risiko-Reduktion und Stabilität
Don’t:
- Ungefragte Videos oder ausgefallene Designs
- Informelle Tonalität

Spielraum in klassischen Bewerbungsformaten nutzen
Doch was tun, wenn das Bewerbungsverfahren, etwa durch Online-Bewerbungsportale, stark standardisiert ist oder andere Gründe dagegen sprechen, ergänzende Formate zu verwenden?
Auch das klassische Format “Anschreiben und Lebenslauf” bietet mehr Gestaltungsspielraum, als viele vermuten. Wo viele Bewerbende mit Floskeln Langeweile erzeugen und berufliche Stationen ohne Priorisierung aneinanderreihen, kannst du mit Klarheit, relevanter Schwerpunktsetzung und inhaltlicher Stringenz überzeugen und dich von der Masse abheben.
Das Anschreiben als Argumentationsraum
Das Anschreiben ist oft das missverstandene Element der Bewerbung. Viele Bewerber:innen behandeln es entweder als formale Zusammenfassung des Lebenslaufs oder als emotionales Bekenntnis zur eigenen Motivation. Beides verschenkt Potenzial. Sinnvoller ist es, das Anschreiben als Argumentationsraum zu verstehen: als Ort, an dem du erklärst, warum dein Profil in genau diesem Kontext sinnvoll ist.
Das Anschreiben ist damit kein Pflichttext, sondern ein strukturierter Denkraum, in dem Zusammenhänge sichtbar werden, die im Lebenslauf zwangsläufig fragmentiert bleiben.
Ein gutes Anschreiben beantwortet nicht ausschließlich die Frage „Warum will ich diesen Job?“, sondern subtilere Fragen:
- Warum ist meine bisherige Erfahrung anschlussfähig an diese Rolle?
- Welche Perspektive oder Arbeitsweise bringe ich mit, die hier relevant ist?
- Warum ist diese Kombination jetzt und hier sinnvoll?
Gerade im Nachhaltigkeitsbereich, wo viele Profile ähnliche Schlagworte tragen, entscheidet nicht die Motivation, sondern die Begründung der Passung. Dies ist insbesondere für Quereinsteiger:innen, interdisziplinäre Profile und Wechsel in andere Sektoren (z.B. aus der Wissenschaft in die Wirtschaft oder aus der Wirtschaft in den Non-Profit-Sektor) wichtig.
Ein überzeugendes Anschreiben ähnelt in seiner Logik einer kurzen fachlichen Argumentation:
- du triffst eine These („Warum ich gut passe“),
- du belegst sie mit ausgewählten Beispielen,
- du leitest daraus eine Perspektive ab („Was ich beitragen kann“).
Dabei geht es nicht darum, alles zu erklären, sondern das Relevante bewusst auszuwählen. Das heißt: Statt Anforderungen einzeln abzuhaken, ordnet ein gutes Anschreiben sie ein. Es greift zentrale Themen der Ausschreibung auf, bündelt sie und zeigt, dass Prioritäten und Zusammenhänge verstanden wurden. Dabei zählt weniger Vollständigkeit als die Fähigkeit, Komplexität zu strukturieren.
Der Lebenslauf als Kompetenzprofil
Der Lebenslauf wird im Nachhaltigkeits- und Sinnsektor häufig noch als chronologische Auflistung von Stationen verstanden. Für viele Rollen greift das zu kurz. Sinnvoller ist oftmals kompetenzorientierter Lebenslauf, der nicht die Reihenfolge der Stationen, sondern deren Bedeutung für die angestrebte Tätigkeit in den Mittelpunkt rückt: Tätigkeiten werden nicht nur benannt, sondern eingeordnet. Welche Kompetenzen hast du aufgebaut, angewendet oder vertieft (z.B. Analysefähigkeit, Schnittstellenarbeit, Projektsteuerung, Kommunikation komplexer Inhalte, Umgang mit Zielkonflikten oder Führungskompetenzen)?
Dafür kannst du Kompetenzfelder wie z.B. “Strategieentwicklung”, “Datenmanagement”, “Kommunikationsmanagement” oder “Projektsteuerung” nutzen, damit die Lesenden deine Erfahrungen schneller einordnen können – das ist gerade bei Quereinsteiger:innen, interdisziplinären Profilen oder nicht-linearen Lebensläufen hilfreich. Auch Branchenwechsel, z.B. zwischen NGO, Wirtschaft, Beratung oder Wissenschaft wirken weniger fragmentiert, wenn klar wird, welche übergreifenden Fähigkeiten sich durchziehen.
Das bedeutet auch, Schwerpunkte zu setzen. Nicht jede Aufgabe verdient gleich viel Raum. Relevante Tätigkeiten dürfen ausführlicher beschrieben werden, andere bewusst knapper. Ein Lebenslauf als Kompetenzprofil trifft Entscheidungen – und zeigt damit Urteilskraft.
Wichtig ist zudem die Übersetzung. Nachhaltigkeitsrollen sind häufig Schnittstellenfunktionen. Ein guter Lebenslauf macht deshalb deutlich, wie fachliche Inhalte, strategische Überlegungen und operative Umsetzung zusammenkommen. Begriffe werden nicht nur genannt, sondern durch Beispiele greifbar gemacht. Wer sich „links und rechts“ von bisherigen Rollen bewirbt, kann durch die kompetenzbasierte Darstellung Anschlussfähigkeit herstellen – selbst dann, wenn die Jobtitel nicht exakt übereinstimmen.
Fazit
Wenn du dich im aktuellen Arbeitsmarkt und insbesondere im Nachhaltigkeits- und Sinnsektor bewegst, kann es sich lohnen, neben den klassischen Bewerbungsunterlagen auch auf kreative, ergänzende Formate zu setzen.
Ob Gesprächsanfrage, Arbeitsprobe, Case Study, Portfolio oder Videovorstellung: Essentiell ist dabei die Kontextsensibilität und die Wahl des passenden Formats. Je bewusster du auswählst, strukturierst und einordnest, desto eher wirst du als reflektierte, anschlussfähige Persönlichkeit wahrgenommen. Genau darin liegt deine Chance, dich positiv von der Masse abzuheben.