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Young Generation

Digitale Müdigkeit – Gesund in der digitalen Welt

von Charlotte Clarke, 16. November 2021 07:10
Ausufernde Bildschirmzeit, endlose digitale Konferenzen, Hate Speech und Veränderungen in übermenschlicher Geschwindigkeit verursachen ein Phänomen, das als Digitale Müdigkeit bezeichnet wird: Erschöpfung und manchmal sogar Schmerzen durch übermäßig viel Zeit in der digitalen Welt. Diese Artikel erklärt dir, wie man verhindert, dass das Internet krank macht und was Eltern tun können, um jungen Menschen einen gesunden Umgang mit digitalen Medien zu vermitteln.

Dieser Gastartikel wurde verfasst von Patrick Nadler, Gründer von TutorSpace.


Digitale Medien stellen uns vor ein Dilemma: Einerseits machen sie uns das Leben leichter, beschleunigen Vieles, unterhalten uns, halten uns auf dem Laufenden, bilden uns. Gerade in Pandemiezeiten sind digitale Medien ein notwendiges Werkzeug in der Schul- und Arbeitswelt. Außerdem sind sie unerlässlich, um soziale Kontakte zu halten. Andererseits kann das Netz, wie in der Einleitung bereits angesprochen, uns auch unserer Energie berauben.

Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung hat ergeben, dass insbesondere junge Menschen der sogenannten »Generation Y«, also Menschen zwischen Mitte 20 und Mitte 30, besonders unter dem Phänomen der Digitalen Müdigkeit leiden. Das ist somit die erste Generation, die mit einer digitalen Welt aufgewachsen ist. Diese Generation ist nun sowohl beruflich als auch privat mit einem extrem hohen Maß an Digitalisierung konfrontiert. Daher liegt es nahe, dass für die nun jetzt heranwachsende Generation ebenso die Gefahr besteht, gleichermaßen von Digitaler Müdigkeit betroffen zu sein, sobald sie in die Berufswelt einsteigen. Es kann sogar gut sein, dass Menschen dieser Generation aufgrund der digitalen Belastungen der Pandemiezeit sogar teilweise jetzt schon unter Digitaler Müdigkeit leiden. Welche Tipps kann man Heranwachsenden deshalb geben, damit sie sich den kräfteraubenden Aspekten der Digitalisierung entziehen können? 

1. Realitätscheck

Fake News

Nicht alles, was sich so Netz findet, entspricht der Realität. Spätestens seit Trump ist der Ausdruck »Fake News« in aller Munde. Doch wie erkennt man eigentlich Fake News? Das folgende Video des SWR erklärt sehr schön, wie man echte und erfundene Wahrheiten auseinanderhalten kann. 



Doch für Heranwachsende möglicherweise deutlich fataler sind nicht die »Fake News« der Weltpolitik, sondern die des alltäglichen Instagram-Alltags. Hiermit ist das Körper- und Alltagsbild gemeint, dass Social Media vermittelt. Wenn man sich ständig mit einer geschönten Welt vergleicht, ist es eine logische Konsequenz, dass die eigene Lebensrealität minderwertig erscheinen wird. Aus diesem Grund müssen Heranwachsende für diesen Gedanken sensibilisiert werden: Inwiefern entspricht denn das, was ich poste oder posten würde, meinem Alltag? Inwiefern stellt es mein Leben oder meinen Körper in ein besseres Licht?

Daraus kann die Erkenntnis hervorgehen, dass es mir selbst wenig hilft, wenn ich mein ungeschöntes Leben mit anderen geschönten Leben vergleiche. Stattdessen sollte der Blick allein auf das eigene Leben gerichtet sein. 

2. Relevanzcheck + Verringerung der Bildschirmzeit

Irrelevante Bildschirmzeit gegen digitale Müdigkeit

Neben dem Realitätscheck hilft es auch, den eigenen Medienkonsum auf seine Relevanz zu checken. Damit ist gemeint, dass man überlegt, was man sich tagtäglich im Netz anschaut.

Womit beschäftige ich mich digital, bringt dies mich in meinem Leben weiter und tut es mir gut? Muss ich wirklich wissen, was entfernte Bekannte jeden Tag zu Mittag essen oder was sie für Urlaubsbilder posten, um auch wirklich jedem*r klar zu machen, dass sie ein beneidenswertes Leben führen? 

Hier hilft es vielleicht auch, wenn man sich eine App herunterlädt, die anzeigt, wie viel Zeit man am Handy für welche Anwendungen verwendet. Das zeigt zum einen schonungslos, wie viel Zeit man überhaupt am Handy verbringt. Zum anderen zeigt sie, welcher Anteil auf eher wenig sinnvolle Anwendungen entfällt, wie etwa Social Media oder stupide Handyspiele.

Photo by Adrian Swancar on Unsplash
Hate Speech

Aber bedeutend wichtiger ist dieser Relevanzcheck in Bezug auf Hate Speech, Beleidigungen und sonstige Arten von dunkler Energie, die Menschen im Internet herauslassen. Hier ist es wichtig, Heranwachsende dafür zu sensibilisieren, dass es nicht Wert ist, sich dadurch Energie rauben zu lassen. In extremen Fällen sollte man Hate Speech melden. Insbesondere, wenn sie gegen einen selbst gerichtet ist, sollte man Plattformbetreiber*innen bitten, dagegen vorzugehen. In allen anderen Fällen ist der beste Weg allerdings, Hate Speech zu ignorieren. 

Relevante Bildschirmzeit gegen Digitale Müdigkeit

Letztendlich muss es darum gehen, dass man seine Energie und Zeit in der digitalen Welt darauf verwendet, was notwendig ist: Gerade in Pandemie-Zeiten z.B. Homeschooling, digitale Nachhilfe oder Zoom-Konferenzen. 

Die digitale Welt bietet außerdem auch immer wieder neue Programme und Möglichkeiten, wie Apps, um Medien zu bearbeiten, Kommunikationsdienste und Organisationstools. Außerdem ermöglicht sie ziemlich einfach, sich weiterzubilden. Dies alles sind nützliche Funktionen, deren Beherrschung Voraussetzung ist, um in Zukunft auf dem Arbeitsmarkt zu bestehen. Aus diesem Grund wäre es angesichts drohender digitaler Müdigkeit keine Lösung, Heranwachsende zu überzeugen, sich möglichst aus der digitalen Welt fernzuhalten. Im Gegenteil: Heranwachsende sollten ermuntert werden, sich mit den nützlichen Aspekten der Digitalisierung auseinandersetzen. Jugendliche, die Programmieren lernen oder einen Youtubekanal mit selbst geschnitten Videos erstellen möchten, sollte in ihrem Tun bestärkt werden. Nur wer schon früh einen sicheren Umgang mit digitalen Medien beherrscht, wird dem rasanten digitalen Wandel standhalten. 

Wichtig ist nur, dass man die Heranwachsenden dazu animiert, den Umgang mit der digitalen Welt zu reflektieren: Was tut mir gut, was bringt mich weiter, womit verschwende ich nur meine Zeit und Energie?

3. Analoge Alternativen gegen Digitale Müdigkeit

Wie im letzten Abschnitt bereits erwähnt, sollte die Zeit in der der digitalen Welt beschränkt werden, um Digitaler Müdigkeit vorzubeugen. Ebenso vermuten Wissenschaftler*innen, dass zu viel Zeit am Bildschirm, insbesondere wegen des blauen Anteils des Lichtes, die Augen schädigt, was ein weiterer Grund ist, um mehr Zeit in der analogen Welt zu verbringen.

Hier ein paar Tipps, welche analogen Alternativen gegen Digitale Müdigkeit helfen können:

  • Spazieren: Es gibt kaum etwas Erholsameres als ein Spaziergang durch die Natur
  • Sport: Sport treiben wirkt sich auch besonders deshalb positiv aus, weil es ein sehr guter Ausgleich zum Sitzen am PC darstellt.
  • Lesen: Analoges Bücherlesen hilft beim entschleunigen. 
  • Freund*innen treffen: Es tut auch gut, Menschen real zu treffen, um der digitalen Welt zu entfliehen.

4. Fazit

Für Heranwachsende ist es unerlässlich, mit der digitalen Welt und insbesondere ihren nützlichen Aspekten vertraut zu sein, um nicht abgehängt zu werden. Um Digitaler Müdigkeit entgegenzuwirken, sollte man allerdings Inhalte des Netzes kritisch in Bezug auf ihren Wahrheitsgehalt und ihre Relevanz überprüfen, seine Bildschirmzeit möglichst begrenzen und auch Zeit in der analogen Welt verbringen. 

Photo by Manki Kim on Unsplash


Über Patrick Nadler

Patrick hat die Nachhilfe-Plattform TutorSpace ins Leben gerufen, bevor er in 2021 »all-in« gegangen ist. Er hat Wirtschaftingenieurwesen an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg studiert und 6 Jahre lang selbst in diversen Fächern Nachhilfe gegeben. Als Vorstandsvorsitzender leitet er den Bundesverband für Nachhilfe- und Nachhilfeschulen Deutschland (VNN) mit zurzeit etwa 170 Mitgliedsschulen und insgesamt etwa 1.300 Niederlassungen. Die Marke »DeinSprachcoach« mit über 850.000 Followern auf Social Media hat er als Berater von 0 auf mit aufgebaut.


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