<a href="https://www.flickr.com/photos/lhoon/2482929942/">Oslo Tram</a> by <a href="https://www.flickr.com/photos/lhoon/">Peter Van den Bossche</a>, license <a href="https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0/">CC BY SA 2.0</a>
Klimaschutz

Autofreie Stadt: Oslo will Innenstadt für Autos sperren

von Oliver Adria, 26. Oktober 2015 16:33
Werden in Oslo bald keine Autos mehr verkehren? Geht es nach dem Willen der Regierung, so wird die norwegische Hauptstadt im Jahr 2019 als erste europäische Metropole die Innenstadt für Fahrzeuge sperren. Diese Beschränkung soll die Luftverschmutzung eindämmen und ein besseres Klima schaffen.

Erhebliche Reduktion klimaschädlicher Abgase geplant

 Bis zum Jahr 2019 will die Stadtregierung das Zentrum Oslos zur autofreien Zone deklarieren. Zu diesem Entschluss gelangte die gemeinsame Plattform aus den Grünen, den Sozialisten und der linken Arbeiterpartei, die sich im Rahmen der Kommunalwahlen vom 14. September das Regierungsmandat sichern konnte. Nach den Plänen der Politik soll der Autoverkehr im gesamten Stadtgebiet bis 2019 um 20 Prozent und bis 2030 um 30 Prozent reduziert werden. Zwar wohnen im Zentrum der Metropole nur rund 1.000 Menschen, doch etwa 90.000 gehen dort ihrer Arbeit nach. Ein erhebliches Verkehrsaufkommen ist die Folge. Insgesamt zählt die Stadt 600.000 Einwohner, die im Besitz von etwa 350.000 Autos sind.

Ausgleich durch Investition in Fahrradinfrastruktur

Konkret ist das auserkorene Projekt "Autofreie Innenstadt" Teil eines Maßnahmenpakets, mit dem der Wunsch nach einer Entlastung der Umwelt in die Tat umgesetzt werden soll. Dabei hat sich die Regierung zum Ziel gesetzt, bis 2020 den Ausstoß klimaschädlicher Gase in der Hauptstadt um 50 Prozent zu senken. Als Vergleichsmaßstab dienen hierbei Werte aus dem Jahr 1990. Gelingen soll dies unter anderem durch Investitionen in Elektrofahrrädern, dem Ausbau des Radwegnetzes sowie durch einen reduzierten Verbrauch fossiler Brennstoffe. Insbesondere durch den Ausbau des Radwegnetzes um 30 Kilometer und der Erweiterung der städtischen Fahrradwege um 60 Kilometer soll ein adäquater Ersatz zum notwendigen Personenverkehr geschaffen werden. Von diesen Maßnahmen versprechen sich die Spitzenpolitiker ein angenehmeres Leben für Ladenbetreiber und Fußgänger.

Wirtschaftskritiker befürchten Gewinneinbruch

Das Vorhaben der Politik stieß in der Wirtschaft derweil auf Verwunderung und Unverständnis. Wenig begeistert zeigte sich etwa der Einzelhandel, der erhebliche Umsatzeinbußen befürchtet. Schließlich befinden sich elf der 57 Einkaufszentren in der Innenstadt von Oslo liegen. Werden die Autos aus der Innenstadt verbannt, könnten die Shoppinghäuser womöglich schwerer erreichbar sein. Die Transportindustrie erwartet hingegen Lösungsvorschläge der Regierung, wie der Warentransport im Herzen der Stadt künftig bewältigt werden soll. Behinderte Mitbürger wünschen hingegen geeignete Alternativangebote zum klassischen Fahrrad.

Oslo folgt Vorbild anderer Städte

Mit seinen Plänen steht die norwegische Hauptstadt nicht alleine da. In einigen europäischen Städten bestehen bereits massive Einschränkungen des Innenstadtverkehrs. Hierzu zählen etwa Metropolen wie London und Madrid. Um Reisende zum Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen, hat etwa die englische Stadt bereits vor Jahrzehnten eine City-Maut eingeführt. Auch Paris hat auf den steigenden CO2-Ausstoß reagiert und kürzlich einen autofreien Sonntag angeordnet. Städte wie Berlin oder Kopenhagen setzen hingegen verstärkt auf fahrradfreundliche Wege für ihre Bürger. Setzt Oslo allerdings seine Pläne einer "grünen Innenstadt" konsequent wie geplant um, wäre sie die erste unter den europäischen Großstädten.


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