Am 2. Februar 2016 findet im Rahmen der internationalen Fachmesse "Paperworld" der "Sustainable Office Day 2016" statt. Das Thema ist, grob umfasst, Nachhaltigkeit im Büro. Welche Umweltbelastungen kann der Betrieb in Büros mit sich bringen?

Meike Strecker: An erster Stelle steht meist ein massenhafter Verbrauch von Papier, für dessen Herstellung ein hoher Ressourcen- und/ oder Energieaufwand erforderlich ist. Darüber hinaus sind es vor allem Druckerpatronen und Tonerkartuschen, aber in zunehmenden Maße auch der Energieverbrauch durch die wachsende IT-Ausstattung, die der Umwelt zu schaffen machen. Aber auch in anderen Bereichen wie der Büroeinrichtung können sich Umweltbelastungen ergeben, die nicht zu unterschätzen sind.

Was verstehen Sie unter einem nachhaltigen Bürokonzept? Können Sie uns ein Beispiel aus der Praxis nennen?

Strecker: Ein nachhaltiges Büro achtet bei der Beschaffung seiner Büroprodukte und –einrichtung konsequent auf deren Umwelteigenschaften (z.B. Eigenschaften und Herkunft der Materialien, Ressourcenaufwand für die Verarbeitung) sowie auf Sozialstandards bei ihrer Herstellung. Die Preisträger unseres Wettbewerbs "Büro & Umwelt" zeigen auch dieses Jahr wieder eindrucksvoll, dass dies möglich ist und was man darüber hinaus noch tun kann. Bei ihnen kommen z.B. nicht nur Labels und Siegel als Orientierung beim Einkauf von Büroprodukten zur Geltung, sondern bringen teilweise sogar Zuliefererfragebögen zur eigenen Kontrolle von Nachhaltigkeitsaspekten zum Einsatz. Aber auch durch kleine Maßnahmen wie beispielsweise das Recycling von Stiften und anderen Büromaterialien lässt sich bereits viel erreichen.

Nach welchen Kriterien wird von Ihnen Büroeinrichtung und –material als nachhaltig eingeordnet? Achten Sie auf bestimmte Gütesiegel und werden diese von B.A.U.M. e.V. überprüft?

Strecker: Bestimmte Gütesiegel können bereits auf einen Blick eine gute allgemeine Orientierung liefern, dazu zählen z.B. der Blaue Engel, das EU-Umweltzeichen oder das TCO-Gütesiegel speziell für Elektrogeräte. Darüber hinaus bieten einige Hersteller und Händler (z.B. memo) transparente Informationen über ihre Produkte, so dass für die Einkäufer nachvollziehbar wird, wenn z.B. auf bestimmte Klebemittel oder sonstige nicht auf den ersten Blick sichtbare Materialien verzichtet wird oder diese durch umweltfreundliche Alternativen ersetzt werden.

Sehen Sie eine Tendenz in der Bürolandschaft Deutschlands sich mit Umweltaspekten und sozialen Themen im Wirkungskreis auseinander zu setzen?

Strecker: Das Thema hat definitiv Fahrt aufgenommen. Aktuelle Studien zum Thema "Green Office" belegen dies auch in Zahlen – immer mehr Arbeitgeber, aber auch die Mitarbeiter selbst achten auf Umwelt- und Sozialstandards bei der Beschaffung und richten auch ihr tägliches Verhalten, z.B. im Umgang mit Heizung und Beleuchtung stärker nach Umweltverträglichkeit aus. Dennoch besteht oftmals noch Unwissenheit über die zahlreichen Möglichkeiten, wie sich Nachhaltigkeit im Büro sogar ziemlich einfach umsetzen lässt. Um hier aufzuklären und Anregungen zu liefern, veranstalten wir jährlich den Wettbewerb "Büro & Umwelt".

Am 2. Februar 2016 startet der Wettbewerb Büro & Umwelt. Nach welchen Kriterien wird das umweltfreundlichste Büro Deutschlands ausgewählt und wer kann an dem Wettbewerb teilnehmen?

Strecker: Grundsätzlich können Unternehmen aller Art und Größe sowie öffentliche und sonstige Einrichtungen kostenlos am Wettbewerb teilnehmen. Die Teilnahme ist ganz einfach: Unter buero-und-umwelt.de kann man sich registrieren und einen Fragebogen ausfüllen. Zu jedem abgefragten Themenbereich können zudem zusätzliche Maßnahmen angegeben werden. In vier Kategorien (je nach Anzahl der Mitarbeiter) werden dann von unserer Fachjury die Sieger anhand der durch den Fragebogen ermittelten Punktzahlen ermittelt.

Welche Tipps können Sie zur nachhaltigen Bürogestaltung geben?

Strecker: Da gibt es jede Menge. Grundsätzlich gilt es, Beschaffungsentscheidungen ganz bewusst zu treffen und mit offenen Augen durchs Büro zu gehen: Wo könnte vielleicht doch noch etwas umweltfreundlicher gestaltet oder eingekauft werden? Ganz konkrete Tipps und Hinweise können unserem Fragebogen entnommen werden, der gleichzeitig als Checkliste dient. Ein Muster des Fragebogens ist auf buero-und-umwelt.de verfügbar.

In welchen weiteren Bereichen und wie engagiert sich B.A.U.M e.V., um Nachhaltigkeit in der Wirtschaft zu fördern?

Strecker: B.A.U.M. e.V. ist als größte Umweltinitiative der Wirtschaft in Europa in ganz unterschiedlichen Bereichen tätig. Vor allem Themen rund um Energieeffizienz und Erneuerbare Energien, umweltfreundliche Mobilitätsgestaltung, aber auch Fragen der Motivation und Einbindung von Mitarbeitern für Klimaschutz und Nachhaltigkeit sind derzeit besonders interessant für Unternehmen. Hierzu führt B.A.U.M. e.V. verschiedene Praxisprojekte durch, sorgt aber vor allem durch zahlreiche Veranstaltungen für einen branchenübergreifenden Austausch zu diesen Themen.

Welche Möglichkeiten und Vorteile bieten sich Unternehmen und Verbänden durch eine Mitgliedschaft bei B.A.U.M. e.V.?

Strecker: Umweltorientierte Unternehmen aller Art und Größe sowie auch andere Einrichtungen können auf vielfältige Weise von einer Mitgliedschaft profitieren: Das Netzwerk vertritt nicht nur ihre Interessen gegenüber der Politik auf Bundes- und EU-Ebene, sondern sorgt durch seine außerordentliche Vernetzung dafür, dass zahlreiche Kontakte und Synergien auch für neue oder sehr spezifische Themen rund um Nachhaltigkeit beim Wirtschaften genutzt werden können. Vor allem aber der praxisbezogene Austausch zu wichtigen aktuellen Themen im Bereich Nachhaltigkeit wird von unseren Mitgliedern geschätzt und sorgt oft für die Entwicklung gemeinsamer zukunftsweisender Projekte. Detailliertere Informationen finden sich natürlich auf unserer Homepage baumev.de.

Über B.A.U.M. e.V. (Bundesdeutsche Arbeitskreis für Umweltbewusstes Management)

Der Verein befasst sich mit der Umsetzung von nachhaltigen Konzepten und Umweltschutz in der Wirtschaft und wurde als Umweltinitiative der Wirtschaft gegründet. Zu den Mitglieder zählen Unternehmen aller Größen und aus unterschiedlichen Branchen, sowie Verbände, Institutionen und Einzelpersonen. Neben dem Erfahrungsaustausch im Netzwerk des Vereins bietet B.A.U.M. e.V. auch Informationsveranstaltungen an. Dazu gehört auch der Sustainable Office Day.