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Young Generation

Raus aus der Komfortzone! Mit DiscoverEU erhalten junge Menschen ein kostenloses Zugticket, um Europa zu entdecken. Ein Erfahrungsbericht.

von Charlotte Clarke, 19. Oktober 2021 07:34
Mit dem Zug durch Europa reisen, faszinierende Orte entdecken, neue Freund*innen kennenlernen und vor allem mit unvergesslichen Erinnerungen zurückkommen? Genau diese Chance bietet die EU-Initiative DiscoverEU jungen Menschen. Erfahre von Charlotte Burkhard, eine der glücklichen Gewinnerinnen, wie du über DiscoverEU einen Travel Pass ergattern kannst, welcher überraschende Gegenstand in deinem Reiserucksack auf keinen Fall fehlen sollte und warum weniger Planung manchmal mehr ist.

Du hattest das Glück, 2019 als Teilnehmerin von DiscoverEU ausgewählt zu werden und mit dem DiscoverEU travel pass eine Reise mit dem Zug durch Europa machen zu können. Wohin hat dich deine Reise geführt und warum hast du dich ausgerechnet für diese Destinationen entschieden?

Charlotte Burkhard: Ich hatte tatsächlich sehr viel Glück – ich hatte wirklich nicht damit gerechnet, das Ticket zu gewinnen! Gemeinsam mit meiner besten Freundin bin ich dann nach Österreich, Ungarn, Tschechien und Polen gereist. Dort war ich davor noch nie länger – und das, obwohl es gar nicht so weit weg ist von Deutschland. Außerdem haben auch die günstigen Hostelpreise für eine Reise in diese Ecke gesprochen und einfach der Wunsch, etwas Neues zu entdecken.


Eine grundsätzliche Frage: Wie genau funktioniert der
DiscoverEU Travel Pass? Welche Voraussetzungen muss ich erfüllen und wie lange kann ich damit unterwegs sein?

Charlotte: Zuerst mal muss man 18 Jahre alt sein (da aktuell aufgrund der Covid 19-Bestimmungen das Reisen schwierig war, steht die Anmeldung dieses Mal auch denen offen, die sich in den letzten beiden abgesagten Runden nicht bewerben konnten). Dann muss man auf dem DiscoverEU-Onlineportal ein paar Fragen beantworten (die allerdings nicht schwer sind). Daraufhin kommt man in einen Pool von Bewerber*innen. Hiervon werden dann einige ausgewählt, wobei die Tickets gerecht unter den Ländern verteilt werden.

Mit dem Ticket hat man dann 7 Reisetage, die man über einen Zeitraum von einem Monat verteilen kann. Allerdings werden nur die Zugkosten übernommen – für Unterkunft, Verpflegung und Eintritte muss man selbst aufkommen.


Wie läuft das Bewerbungsverfahren für
DiscoverEU ab? Ist es eine Art Zufallsverfahren oder muss ich eine richtige Bewerbung schreiben?

Charlotte: Nein – man muss zum Glück keine Bewerbung schreiben! Ich musste nur ein paar Fragen beantworten, was die europäischen Kulturhauptstädte des damaligen Jahres waren (wobei mir die Antwort dazu auf der vorangegangenen Seite aber schon nahegelegt wurde). Es ist wirklich eine Art Zufallsverfahren und steht jedem*r offen!

© Charlotte Burkhard
Wie hast du dich auf deine Reise vorbereitet und welcher Gegenstand sollte auf gar keinen Fall im Backpacker-Rucksack fehlen?

Charlotte: Ich habe mich vorab informiert, wo man in den jeweiligen Städten am besten hingehen sollte und eine Art Reiseroute geplant. Dabei war es unglaublich hilfreich, dass es auf Facebook eine Gruppe gibt, über die sich alle Reisende von DiscoverEU vernetzen können – das heißt auch, dass man direkt Tipps von Leuten erfahren konnte, die von dort herkamen!

Im Rucksack sollte außerdem auf keinen Fall Reisebesteck fehlen und eine Kamera, um schöne Momente festzuhalten. Eine Decke, um sich in den Park zu setzen, oder falls man mal im Zug auf dem Boden schlafen muss (dazu später), habe ich auch zu schätzen gewusst.


Hast du vielleicht Tipps für Reisewillige, wie man unterwegs am einfachsten neue Menschen bzw. Reisegefährt*innen kennen lernen kann?

Charlotte: Ich bin die meiste Zeit mit meiner besten Freundin gereist, da mir anfangs noch nicht ganz wohl dabei war, alleine zu reisen – was sich im Nachhinein als vollkommen unbegründet herausgestellt hat. Während der Reise trifft man in großen Städten immer andere Interrailer, sei es über die Facebook-Gruppe, Whatsapp-Gruppen oder in Hostels. Oder einfach im Zugabteil. Ich möchte unbedingt noch einmal alleine losreisen, um noch mehr neue Leute kennenzulernen und spontaner unterwegs zu sein, mit weniger Plan und Gewissheit darüber, was mich erwartet – denn leider, muss ich im Nachhinein sagen, hat das vorherige Planen der Reiseroute den Abenteuercharakter etwas abgeschwächt.


Wie hast du es empfunden, eine so lange Strecke mit dem Zug zurückzulegen? Was sind die Vor- aber vielleicht auch Nachteile einer Zugreise im Gegensatz z.B. zum Auto oder Flugzeug?

Charlotte: Ich mag Zugfahren sehr gerne und fand es toll, die Landschaft beobachten zu können oder auch Zwischenstopps einlegen zu können. Man kann auch super Einheimische beobachten oder kommt mit ihnen manchmal sogar ins Gespräch. Wenn man aber weit weg reisen möchte, zum Beispiel nach Griechenland, kann es schon etwas ermüdend sein, so lange unterwegs zu sein – allerdings ist es auch praktisch, über Nacht zu fahren und im Zug zu übernachten! Das ist aber nicht immer besonders gemütlich, vor allem dann, wenn man denkt, man braucht schon keine Reservierung und dann auf dem Boden schlafen muss, da sich halb Polen dasselbe gedacht hat! Die Kontrolleur*innen waren aber sehr geschickt im Hürdenlauf über die schlafenden Reisenden.

© Charlotte Burkhard


Gibt es eine Geschichte oder Erfahrung von deiner Reise, die dich besonders bewegt hat und dir besonders im Gedächtnis geblieben ist?

Charlotte: An meinem letzten Abend in Torun, Polen, hat mich ein Mädchen von dort, das ich über Facebook kennengelernt hatte, in der Stadt herumgeführt und danach zu einem Abend mit ihren Freund*innen mitgenommen. Ich hatte mich eigentlich darauf eingestellt, dass alle Polnisch reden würden und ich eher daneben sitzen würde, aber das Gegenteil war der Fall: Die anderen hatten wirklich großes Interesse daran, sich mit mir auszutauschen und waren super offen. Ich hatte mich zuvor gefragt, wie es sein würde, auf Polen und Polinnen zu treffen, vor allem aufgrund der schlimmen Ereignisse während des 2. Weltkrieges. Jedoch waren die jungen Menschen überhaupt nicht misstrauisch oder voreingenommen mir persönlich gegenüber, sondern meinten, dass wir in der heutigen Generation Freund*innen seien. Dies hat mich sehr bewegt, vor allem, weil ich gemerkt habe, wie wichtig den Polinnen und Polen ihre eigene Geschichte ist. Ich hoffe, dass dieser Esprit der Weltoffenheit und Unvoreingenommenheit, den ich erleben durfte, so anhält, damit sich noch mehr junge Leute vernetzen können und Freundschaften entstehen.


Was war die größte Herausforderung, der du begegnet bist, und wie hast du diese gemeistert?

Charlotte: Als ich durch Tschechien reisen wollte, hatte ich leider vergessen, die Interrail-App zu aktualisieren und wusste daher nicht, dass ein Zug während meiner Reise nicht fahren würde. Das habe ich dann viel zu spät bemerkt. Am Bahnhof wurde mir dann mitgeteilt, dass es einen Ersatzbus geben würde – den ich zum Glück auch fand, nachdem ein sehr netter Tscheche mit mir durch den ganzen Bahnhof gerannt war und für mich herumgefragt hatte. Ich dachte also, der Bus würde mich zur tschechisch-polnischen Grenzstadt führen. Dementsprechend war ich etwas verunsichert, als die Reise übers tschechische Land (und ungeteerte Straßen!) führte, wo wir an einem kleinen Dorfbahnhof alle aus dem Bus geworfen wurden. Leider konnte die Frau am Schalter nicht wirklich Englisch... Letztendlich haben mir aber andere Reisende geholfen und alles ging gut, so dass ich doch noch abends in Krakau angekommen bin und meine Freundin dort wiedergetroffen habe. Es war also wirklich wichtig, keine Scheu zu haben, andere Menschen anzusprechen und sich durchzuschlagen.

© Charlotte Burkhard
Inwieweit haben deine Reiseerfahrungen deine persönliche Einstellung zu Europa und dein Identitätsgefühl als Europäerin beeinflusst?

Charlotte: Ich habe mich schon davor für Europa und andere Länder interessiert, allerdings hatte ich davor nicht in diesem Ausmaß die Möglichkeit dazu, andere junge Menschen aus dem europäischen Ausland kennenzulernen. DiscoverEU hat eine Plattform geschaffen, bei der sich junge Leute vernetzen, offen sind für den Austausch und erfahren, dass es junge Menschen wie sie nicht nur in ihrem eigenen Land, sondern auch darüber hinaus gibt. Ich bin sehr dankbar darüber, jetzt Freund*nnen in so vielen anderen Ländern zu haben und direkt von ihnen zu erfahren, wie sie ihr Leben und die Situation in ihrem Land einschätzen. Meine Reiseerfahrungen haben mich in dem Gedanken bestärkt, einen europäischen Freiwilligendienst im Rahmen des Europäischen Solidaritätskorps zu absolvieren. Noch wichtiger ist allerdings, dass ich angefangen habe, in europäischen Perspektiven zu denken, und mir darüber bewusst geworden bin, dass es Leute wie mich auch jenseits der nationalen Grenzen gibt. Dadurch ist mir auch bewusst geworden, dass wir oft bei unseren Lebensentscheidungen, wie z.B. der Wahl des Studienortes, automatisch in nationalen Dimensionen denken – wobei ich mir erhoffe, dass es eines Tages selbstverständlich wird, dass man nicht nur Optionen in seinem eigenen Land, sondern in ganz Europa oder der ganzen Welt mit einbezieht.


Ist dein Reisefieber geweckt? Dann bewirb dich bis zum 26. Oktober 2021 schnell noch bei DiscoverEU und gewinne einen Travel Pass! Teilnehmen können alle jungen EU-Bürger*innen, die zwischen dem zwischen dem 1. Juli 2001 (einschließlich) und dem 31. Dezember 2003 (einschließlich) geboren sind.



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