Foto: © Katharina Hock

Angeboten werden eine Plattform für Dialoge und Vernetzung ebenso wie Wissensaustausch. Im Mittelpunkt stehen die vielen verschiedenen Projekte der Unternehmen, die für ökonomische, ökologische und soziale Herausforderungen Lösungen schaffen. Katharina Hock ist Referentin der Geschäftsstelle von Unternehmen für die Region e.V. in Berlin und stellt im Interview die Arbeit des Vereins und die Möglichkeiten im CSR vor.

Welche Zielsetzung hat der Verein Unternehmen für die Region e.V. und was macht er genau?

Katharina Hock: Der Verein Unternehmen für die Region e.V. wurde 2013 gegründet. Die Grundlage dafür war eine 2007 ins Leben gerufene Initiative von Liz Mohn, der stellvertretenden Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, die das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen sichtbarer machen wollte. Viele kleine und mittelständische Unternehmen engagieren sich mit tollen Projekten in ihrer Region. Als Verein möchten wir dieses Engagement stärken und darauf aufmerksam machen.

Zu unseren Aktivitäten gehören die Landkarte des Engagements auf unserer Homepage, in die sich jedes engagierte Unternehmen eintragen kann, unsere Jahreskonferenz mit dem Wettbewerb "Mein gutes Beispiel" in unterschiedlichen Unternehmenskategorien, Expertenzirkel und Workshops zu bestimmten Themen wie zum Beispiel demographischer Wandel, Ressourcenschutz und digitale Regionen. Ziel ist es, engagierte Unternehmen besser zu vernetzen und sie durch Austausch in ihrem Engagement zu stärken.

Wie kann man Mitglied werden, welche Voraussetzungen gibt es und welche Mehrwerte bietet der Verein?

Hock: Alle kleinen und mittelständischen Unternehmen können Mitglied werden. Dabei gibt es bei uns keine Beschränkung, was die Mitarbeiterzahl betrifft. Es gibt manchmal auch größere Unternehmen, die familiengeführt und stark regional verankert sind. Wichtigstes Hauptkriterium ist, dass die Unternehmen sich regional engagieren. Es gibt einen Mitgliedsbeitrag, der sich nach Größe des Unternehmens staffelt. Weitere Informationen dazu gibt es auf der Homepage.

Die Unternehmen profitieren mit ihrer Mitgliedschaft durch die Möglichkeit der Teilnahme an diversen Formaten und Arbeitsgruppen, Vernetzung und Wissensaustausch unter den Mitgliedern, stärkerer Sichtbarkeit der eigenen Aktivitäten und aktuellem Wissen von Experten. Wenn gewünscht, sind sie herzlich eingeladen in unseren Formaten mitzuwirken und haben natürlich auch Mitbestimmungsrecht im Verein.

Wie engagieren sich Unternehmen? Gibt es regionale Unterschiede z. B. in einer Großstadt und auf dem Land?

Hock: Es ist auf jeden Fall zu beobachten, dass sich vor allem dort sehr stark Unternehmen engagieren, wo Leute wegziehen bzw. aus demografischen Gründen nicht genug Fachkräfte zur Verfügung stehen. Diese Unternehmen sind auf der Suche nach Fachkräften bzw. wollen ihre Mitarbeiter behalten. Es gibt das Modell Verantwortungspartner-Regionen, bei denen sich Unternehmen zusammengeschlossen haben, um bestimmte regionale Herausforderungen zu meistern. Das sind Themen wie Familie und Beruf, aber auch Pflege und Mobilität. Da wird dann von unterschiedlichen Unternehmen zum Beispiel gemeinsam eine Kindertagesstätte gebaut und genutzt, um Familie und Beruf besser zu vereinen.

Gibt es ein Lieblingsprojekt?

Hock: Ja, das gibt es in der Tat! Es handelt sich um einen unserer Preisträger aus diesem Jahr, einer Stickerei aus Bielefeld. Sie hat ihre Kernkompetenz genutzt und stickt jetzt Blindenschrift in Textilien ein. Es war die Idee des Unternehmers, der auf dieses Konzept jetzt auch ein Patent angemeldet hat. Das Unternehmen versorgt unter anderem Sportvereine mit Kleidung für Blinde, die durch die eingestickte Schrift ihre Sportbekleidung leichter unterscheiden und finden können.

Welche Trends können Sie beim Engagement von Unternehmen beobachten?

Hock: Die Digitalisierung und Mobilität im ländlichen Raum sind als Themen sehr stark geworden. Hier überlegen sich Unternehmen: Wie können wir z. B. Pflege mit Digital Services organisieren, Familien über Plattformen mit Kitas und Babysittern vernetzen, öffentliche Verkehrsmittel auch gleichzeitig für kleinere logistische Fahrten, z.B. bei Medikamentenauslieferungen, nutzen, oder uns für junge Menschen einsetzen.

Es ist aber nicht immer so leicht für Unternehmen mit Schulen zusammen zu arbeiten, oder?

Hock: Ja, das stimmt, aber über Träger oder Mittler läuft das sehr gut. Es gibt zum Beispiel den Thüringer Sportbund, der führt Leadership-Trainings bei Schülern durch, die von Unternehmen unterstützt werden. Besonders beeindruckt hat mich auch ein Unternehmer aus Villingen-Schwenningen, der eine eigene Stiftung gegründet hat und mit vielseitigen Projekten benachteiligten Kinder und Familien hilft. Kinder werden zum Beispiel in der Schule mit warmem Essen versorgt. Er ist auf das Problem zuerst in Berlin gestoßen und erkannte, das gibt es auch vor Ort, vor der eigenen Haustüre.

Welchen Einstieg in das Engagement empfehlen Sie Unternehmen? Wie sollten sie dabei vorgehen?

Hock: Am besten ist es, mit der eigenen Kernkompetenz anzufangen. Dazu ist es hilfreich, von der Frage auszugehen, was kann ich mit meiner Dienstleistung an Mehrwert schaffen. Ein Beispiel dafür ist ein in unserem Wettbewerb "Mein gutes Beispiel" ausgezeichneter Steinbildhauer, dem persönlich wichtig ist, keine Materialien aus fragwürdiger Herstellung zu benutzen. Weitere Netzwerkpartner haben sich dann zusammen getan und den Verein "Handwerk mit Verantwortung e.V." gegründet, um auf das Thema aufmerksam zu machen und um sich für die Langlebigkeit von Produkten einzusetzen.

Unternehmen, die sich engagieren möchten, können sich natürlich auch inspirieren lassen von der Landkarte des Engagements von Unternehmen für die Region e.V.. Es zeigt sich auch, dass die regionale Vernetzung ein wichtiger Erfolgsfaktor von wirksamem Engagement ist, und dass es oft besser ist, bei seinem Engagement klein anzufangen und sich langsam zu steigern.

Worin besteht die Hauptmotivation von Unternehmen sich zu engagieren?

Hock: Neben Themen wie dem Fachkräftemangel und der zunehmenden Digitalisierung ist es hauptsächlich der persönliche Antrieb der Unternehmer und ihr Verantwortungsgefühl für die eigene Region, die zur Motivation beitragen.

Mehr über die Arbeit und eine Mitgliedschaft bei Unternehmen für die Region e.V. finden Sie hier.