Foto: © Tina Harms

Tina Harms arbeitet als Referentin für digitale Bildung beim WWF und begleitet den MOOC (Massiv Open Online Course) "Klimawandel und seine Folgen".

Wie ist die Idee für den MOOC "Klimawandel und seine Folgen" entstanden?

Tina Harms: Die Idee zu diesem MOOC hatte Bettina Münch-Epple, meine Chefin und Leiterin der Bildungsabteilung des WWF anlässlich eines Besuches der re:publica vor drei Jahren. Das ist eine Konferenz rund um das Web 2.0, speziell Weblogs, soziale Medien und die digitale Gesellschaft. Dieses innovative Format bringt so viele neue Möglichkeiten, wichtige gesellschaftliche Themen interdisziplinär zu vermitteln, so dass wir mit dem komplexen Thema Klimawandel einen Versuch wagen wollten. Mit dem Deutschen Klima-Konsortium haben wir dazu einen exzellenten Partner mit Kontakten zu den führenden Klimawissenschaftlern gefunden und konnten die Robert Bosch Stiftung als Förderer überzeugen.

Was lernen die Teilnehmer, was vielleicht nicht in den Medien kommuniziert wird?

Harms: Mit dem MOOC zu Klimawandel und seinen Folgen wollten wir die Grundlagen für ein umfassendes Verständnis des Klimasystems legen. Wir wollten vermitteln, wie wir Menschen auf das Klima einwirken und welche Veränderungen auf uns als Gesellschaft dadurch zukommen. Es geht dabei aber nicht nur um die Vermittlung von aktuellstem Wissen, sondern auch um Handlungskompetenzen, die dazu führen, sich aktiv an diesem gesellschaftlich relevanten Thema zu beteiligen.

Das ganze Format ist auf Interaktion, Interdisziplinarität und gemeinsames Lernen angelegt. Außerdem dient das MOOC als Pool, in dem wichtige und wissenschaftlich belegte Fakten gesammelt wurden. Und das alles in einer Form, die verständlich für Alle ist und dabei trotzdem die Komplexität des Themas nicht unter den Tisch fallen lässt.

In unserem Kurs gibt es dazu auch in jedem der fünf Themenkapitel ganz konkrete Tipps und Ideen, was man selbst verändern kann. Entweder zum Ausprobieren nur mal eine Woche lang oder natürlich auch für länger. Diese Erfahrungen tauschen alle MOOCler*innen dann im Forum aus und schicken sich zum Beispiel Fotos von Klimafolgen in ihrer Region und spezielle Tipps für die eigene Region.

Welche Sprecher und Experten konnten für den Online-Kurs gewonnen werden? Und welche Fachbereiche sind damit abgedeckt?

Harms: Wir konnten 19 Klimawissenschaftler*innen aus unterschiedlichen Disziplinen gewinnen. Ein bisschen liest es sich wie das Who is Who der deutschen Klimawissenschaft. Es sind dabei Meteorologen, Volkswirtschaftler, Politologen, Soziologen, Physiker, Geologen, Ozeanographen, Ökonomen, Wirtschaftswissenschaftler und Biologen.

Als Moderator wirkt ZDF-Wissenschaftsjournalist Dirk Steffens (Terra X) mit, der dem ganzen MOOC einen Rahmen gibt.

Im einzeln haben mitgemacht:

  • Dr. Paul Becker, Deutscher Wetter Dienst
  • Prof. Dr. Anita Engels, Exzellenzcluster Integrierte Klimasystem-Analyse und Vorhersage (CliSAP)
  • Dr. Marco Giorgetta, Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M)
  • Prof. Dr. Hermann Held, CliSAP Hamburg
  • Dr. Tatiana Ilyina, Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M)
  • Prof. Dr. Mojib Latif, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
  • Prof. Dr. Hermann Lotze-Campen, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung
  • Prof. Dr. Jochem Marotzke, Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M)
  • Dr. Ute Merkel, MARUM – Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
  • Dr. Sonja Peterson, Institut für Weltwirtschaft (IfW)
  • Prof. Dr. Beate Ratter, CliSAP Hamburg
  • Prof. Dr. Ulf Riebesell, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
  • Prof. Dr. Jürgen Scheffran, CliSAP Hamburg
  • Prof. Dr. Michael Schulz, MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften
  • Dr. Christiane Textor, Deutsche IPCC-Koordinierungsstelle

Wie können die Teilnehmer ihr neues Wissen zum Klimawandel nutzen? Lernen sie auch, wie sie selbst etwas dagegen tun können?

Harms: Die Grundlage des Kurses sind insgesamt über 40 kurze Videoclips. Zur Aktivierung des neu gelernten Wissens dienen Quizzes, die parallel oder nach den Videos beantwortet werden können. Darüber hinaus gibt es dann noch weiterführendes Material, in dem dann auch viele ganz praktische Tipps weiter gegeben werden. Einmal pro Kapitel gibt es auch eine Unit, in der alle Teilnehmenden zusammen für eine Woche (oder länger) Maßnahmen zum Klimaschutz ausprobieren und sich dazu austauschen. Da geht es um so Dinge wie eine Woche lang auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen, den Alltag klimafreundlicher zu gestalten, saisonal zu kochen und so weiter.

Also es gibt auf allen Ebenen Neues zu entdecken und das Wissen in Handeln umzusetzen!

Der Kurs läuft Anfang Mai bereits zum zweiten Mal an, wie ist der erste Durchlauf bei den Teilnehmern und den Mitwirkenden angekommen? Welches Feedback haben Sie bisher bekommen?

Harms: Der Kurs ist im letzten Jahr im November im Vorfeld zu den Klimaverhandlungen in Paris zum ersten Mal gelaufen und war von Beginn an ein großer Erfolg. Ganz besonders für einen deutschsprachigen Kurs! Wir hatten knapp 6.000 Teilnehmer*innen.

Die MOOCler*innen kamen aus ganz unterschiedlichen Feldern: Es waren viele Berufstätige dabei, die sich berufsbegleitend weitergebildet haben, es waren Studierenden, Lehrer und ganze Schulklassen dabei. 93% hat der Kurs so gut gefallen, dass sie ihn gerne weiter empfehlen werden. Das freut uns natürlich sehr!

Als Bildungsreferentin bin ich auch darüber begeistert, dass wir bei unserer externen Evaluation zeigen konnten, dass die Teilnehmenden einen deutlichen Wissenzuwachs aus dem MOOC gewonnen haben.

Für wen ist der Kurs besonders interessant? Wen würden Sie gerne mit dem Programm erreichen?

Harms: Der Onlinekurs steht allen kostenlos zur Verfügung. Besonders richtet er sich an Studierende, Lehrende, Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung und von Kommunen, die sich beruflich mit dem Klimawandel auseinandersetzen, aber auch an alle interessierten Bürgerinnen und Bürger. Der Trailer zum MOOC mit Dirk Steffens: 

Sind weitere Online-Kurse zum Themenbereich Nachhaltigkeit oder Umweltschutz geplant?

Harms: Wir haben sehr gute Erfahrungen mit diesem MOOC zum Klimawandel gemacht und möchten auch in Zukunft weiter mit diesem Format lehren und lernen. Besonders in Kombination mit Präsenzlehre zeigt sich das MOOC besonders stark. Wir haben schon ein paar gute und auch überraschende Themen, die wir als MOOC umsetzen möchten und sprechen darüber gerade mit potentiellen Förderern. Mal sehen was daraus wird. Gerne Daumen drücken! :-)

Der Online-Kurs "Klimawandel und seine Folgen" startet am 9. Mai zum zweiten Mal.