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Wie und wo können Unternehmen und Non-Profit-Organisationen ansetzen, die sich bisher noch nicht mit Nachhaltigkeitsstrategien auseinandergesetzt haben? Können Sie uns dazu ein paar Beispiele nennen?

HNEE: Unternehmen und Non-Profit-Organisationen können zunächst einmal sammeln, was sie bereits an sozialen und ökologischen Initiativen angestoßen haben. Im Vergleich mit Mitbewerber*innen sehen sie dann, wo Stärken und Schwächen liegen. Im nächsten Schritt können sie Nachhaltigkeitsziele formulieren. Diese können sie mit den Stakeholdern – den Angestellten, den Investoren, den Zulieferern, den Kunden und gesellschaftlichen Gruppen – erarbeiten. Dann können Sie nach innen und außen darüber informieren, ob und wie sie diesen Zielen näherkommen.

Und schließlich können sie ganz grundsätzlich ihr Geschäftsmodell daraufhin prüfen, ob es langfristig zu nachhaltiger Entwicklung beiträgt. Dadurch können sie sich böse Überraschungen ersparen. So haben beispielsweise die großen Energieversorger die Energiewende verschlafen, weil sie zu lange bei ihrem einträglichen, aber nicht nachhaltigen Geschäftsmodell geblieben sind. Ähnliches deutet sich für die Automobilindustrie oder den Lebensmittelsektor an.

Für wen und in welchen Branchen ist das Weiterbildungsangebot "Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement" interessant?

HNEE: Wir richten uns an Fach- und (zukünftige) Führungskräfte in Unternehmen und Non-Profit-Organisationen, die schon einige Berufserfahrung haben und diese jetzt nutzen wollen, um einen Schritt weiter in Richtung Nachhaltigkeit zu gehen. Für einige bedeutet dies eine berufliche Neuorientierung, für andere eine Zuspitzung ihres Profils in Sachen Nachhaltigkeitsmanagement. Viele unserer Teilnehmer*innen verfügen über einen Bildungshintergrund im Bereich Betriebswirtschaftslehre, aber ihre derzeitigen Tätigkeitsfelder decken ein weites Spektrum ab. Die Studierenden und Zertifikatskursteilnehmer*innen arbeiten in ganz verschiedenen Branchen und Organisationsstrukturen. Das reicht von einer Selbstständigkeit im Bereich Onlinemarketing für Upcycling-Produkte, über die Mitarbeit bei KMU (Anm. Redaktion: kleinen und mittelständischen Unternehmen) im Bereich Textilien oder Lebensmitteln bis hin zu großen Unternehmen im Bereich der Energieversorgung. Weiterhin haben wir Teilnehmer*innen aus NGOs. Kurz, die Kurse decken eine große gesellschaftliche und wirtschaftliche Spannbreite ab, die die Diskussion belebt.

Was sind die Vorteile des Studiengang "Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement" an der Hochschule für Nachhaltige Entwicklung Eberswalde?

HNEE: Die Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde gehört zu den Vorreitern in Sachen Nachhaltigkeit unter den deutschen Hochschulen. In der Lehre, der Forschung und im Hochschulbetrieb sehen wir nachhaltige Entwicklung als eine Kernaufgabe an. Daher passt der Studiengang Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement sehr gut zu unserer Hochschule.

Für die berufsbegleitende Qualifizierung bieten wir eine Mischung aus interaktiver Onlinelehre, die räumlich und zeitlich flexibel ist, und intensiven Präsenztagen in Eberswalde vor den Toren Berlins. Dort gestalten wir ein Ideenlabor, in das die Teilnehmer*innen Themen aus ihrer beruflichen Praxis einbringen und dafür gemeinsam mit Nachhaltigkeitsprofis aus Wissenschaft und Praxis Lösungen erarbeiten.

Zwei Punkte möchte ich dabei hervorheben. Erstens sind wir sehr praxisnah. Expert*innen aus der Praxis tragen die Lehre mit. Für jedes Modul haben wir ein verantwortliches Tandem mit je einer Person aus der Wissenschaft und der Praxis. Wir bieten ein Nachhaltigkeitsprojekt an, in dem die Teilnehmer*innen die erworbenen Kompetenzen mit einem Projektpartner umsetzen, Ideen erproben und ihre Erfahrungen auswerten. Ganz ähnlich ist es mit der Masterarbeit. Dabei greifen wir auf renommierte Kooperationspartner zurück wie die Otto Group, Tchibo, den DIHK, die Deutsche Umweltstiftung, die Deutsche Umwelthilfe oder das Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie.

Zweitens stärken wir die personalen Kompetenzen der Teilnehmer*innen. Nachhaltigkeitsmanagement lässt sich nicht nach dem Handbuch abarbeiten, sondern Sie müssen sich auf ganz unterschiedliche Kontexte und Herausforderungen einlassen. Daher trainieren wir den Umgang mit Konflikten und Widersprüchen, das Gestalten von Veränderungsprozessen und die Auseinandersetzung mit Stakeholdern. Die Teilnehmer*innen üben, sich selbst und ihre Nachhaltigkeitskonzepte kritische zu hinterfragen. Das ist enorm wichtig, wenn sie in komplexen Situationen Verantwortung übernehmen und Richtungsentscheidungen treffen sollen.

Wie kann ich mit dem in Ihrem Weiterbildungsangebot erworbenem Wissen mein Unternehmen oder meine Organisation fördern?

HNEE: Wir qualifizieren nicht (nur) für eine Nachhaltigkeitsabteilung im Unternehmen, sondern die Teilnehmer*innen lernen, strategische Weichenstellungen in Richtung Nachhaltigkeit in ihren jeweiligen Abteilungen voranzutreiben, damit sie im Kerngeschäft des Unternehmens oder in den Zielen ihrer Non-Profit-Organisation verankert wird. Dazu gibt es ganz unterschiedliche Ansatzpunkte: Die Teilnehmer*innen können ihr Unternehmen in Sachen Nachhaltigkeit verorten, sie erkennen Chancen und Risiken, die sich aus großen Trends und neuen Ideen ergeben. Sie können dazu eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln und mit einem Managementkonzept und Instrumenten untersetzen. Schließlich lernen Sie, Veränderungsprozesse anzustoßen und zu gestalten und diese Prozesse zu reflektieren. Das können Sie auf Pilotprojekte, ihre Abteilung, größere Nachhaltigkeitsprojekte oder die gesamte Organisation anwenden. Dadurch stärken sie die Entwicklungsfähigkeit ihres Unternehmens in einer sich verändernden Welt.

Welche beruflichen Vorteile ergeben sich jeweils aus dem berufsbegleitenden Studium und aus den Zertifikatkursen?

HNEE: Die Teilnehmer*innen lernen bei uns, über den Tellerrand hinauszuschauen und erhalten durch die Nachhaltigkeitsperspektive nochmal einen ganz anderen Blick auf ihr Unternehmen oder ihre Organisation. Das befähigt sie als Change Agents. Immer mehr Unternehmen, aber auch Verbände, Kommunen etc. setzen auf nachhaltige Entwicklung oder werden dazu gedrängt. Dafür brauchen sie gut ausgebildete Nachhaltigkeitsmanager*innen. Allerdings ist das noch keine Jobgarantie. Interessant wird es aber immer dann, wenn sie ihre bisherigen Fachkompetenzen mit dem Nachhaltigkeitsmanagement kombinieren, also als Spezialisten auch das große Ganze überblicken.

Welchen Tätigkeiten gehen Absolventinnen und Absolventen des Studiums Strategisches Nachhaltigkeitsmanagemen langfristig nach?

HNEE: Da die Studierenden des ersten Jahrgangs jetzt gerade ihre Masterarbeiten abschließen, können wir an dieser Stelle leider noch keine Erfolgsstory vorstellen. Wir wissen, dass sich einige unserer Studierenden bereits während des Studiums beruflich neu orientiert haben. So hat z.B. eine unserer Teilnehmerinnen den Schritt von einer Angestelltentätigkeit bei einer großen staatlichen Organisation in eine NGO für im Bereich der Textilbranche getan. Andere haben neue Aufgaben in ihren Organisationen übernommen.

Wir sind derzeit intensiv dabei, ein Austausch-Netzwerk für unsere Alumni aufzubauen. In diesem Netzwerk sollen nicht nur die Kontakte aus dem Studium gepflegt, sondern auch der Austausch mit den Dozierenden und Kooperationspartnern weiterentwickelt werden. 

Weitere Informationen zum Weiterbildungsangebot Strategisches Nachhaltigkeitsmanagement hier.