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Foto ©: Cathia Corti
Green Startups

Geschäft(e) machen mal anders mit den nachhaltigen Komposttoiletten von Kompotoi - »Wer mal ein Kompotoi ausprobiert hat, möchte nie mehr zurück«

von Robert Franzen, 7. Dezember 2020 08:38
Die allseits bekannten »Dixiklos« sind alles andere als angenehm - und zudem auch wenig nachhaltig. Dass der Toilettengang auch anders aussehen kann, beweist das schweizer Unternehmen Kompotoi mit seinen vielseitig einsetzbaren und aus Holz bestehenden, mobilen Komposttoiletten. Wie genau das System funktioniert und inwiefern unsere großen und kleinen Geschäfte wertvolle Ressourcen sind, verrät uns der Mitgründer Jojo Linder in einem Interview.

Kompotoi vermietet, plant und verkauft Komposttoiletten. Wie genau können wir uns diese Toiletten vorstellen und was ist das Besondere an ihnen?

Jojo Linder: Ja, da gibt es einiges ;-)

Wir sind hauptsächlich im Bereich der mobilen Toiletten tätig. Wir alle kennen die herkömmlichen Plastik-Chemie-Toiletten, die Chemie verwenden, damit es nicht beginnt zu stinken. Diese ganze Brühe wird dann vor dem Klärwerk ins Wasser gegeben. Unsere Ausscheidungen enthalten aber sehr viele Nährstoffe, die wir eigentlich nicht ins Wasser schütten sollten. 

Daher bieten wir auch mobile Toiletten an, die ganz aus Holz gefertigt sind und ganz ohne Chemie auskommen. Wir arbeiten mit einem Trockentoilettensystem und deshalb wird bei uns nach dem Geschäft mit Hobelspänen »gespült«. 

Das ist aber noch nicht alles. Die gesammelten Ausscheidungen sehen wir nicht als Abfall an, sondern als Ressource. Deshalb produzieren wir aus dem Urin einen Stickstoffdünger (dieser ist auf unserem Onlineshop erhältlich) und aus den Feststoffen machen wir ein Kompost-Substrat. 

Es gibt sehr viele verschiedene Systeme von Komposttoiletten. Neben unserem Mietmodell gibt es Lösungen für Gärten und Alphäuser, aber auch für Camper und sogar für Mehrfamilienhäuser.


Könntest du vielleicht auch kurz erläutern, wie am Ende die Kompostierung der Hinterlassenschaften funktioniert? Auf welche Weise kann der Kompost wieder in natürliche Kreisläufe eingebracht werden?

Jojo: Bei unserem System haben wir ein kombiniertes Model. Wir machen eine spezielle Vorbehandlung bei uns im Lager und anschließend kommt alles in eine professionelle Kompostierungsanlage. So können wir die Hygienisierung sicherstellen.


Wo können die Komposttoiletten überall eingesetzt werden? Sind sie eher für (Natur-)Parks oder Raststätten oder auch für temporäre Veranstaltungen wie z.B. Konzerte oder Festivals geeignet? 

Jojo: Unsere Toiletten eignen sich für beides. Wir haben zum Beispiel in der Stadt Zürich auf öffentlichen Plätzen rund 10 mobile Toiletten im Einsatz. Teilweise sind diese auch barrierefrei und werden von uns wöchentlich oder nach Kundenwunsch gereinigt.

Zudem beliefern wir auch sehr viele Veranstaltungen, wie  z.B. Gemeindefeste, Hochzeiten und sogar größere Festivals.


Foto ©: Cathia Corti

Wie sieht es mit einer potentiellen Nutzung für den privaten Gebrauch aus? Könnte man ein vergleichbares System theoretisch auch in den eigenen Wohnräumen verwenden?

Jojo: Ja, das ist möglich. Am besten wird dies natürlich schon bei der Planungsphase des Gebäudes berücksichtigt. So können die Systeme sehr effizient eingesetzt werden und es entsteht kein Mehraufwand für die Bewohner*innen. Auch ein Nachrüsten ist grundsätzlich möglich, ist aber, je nach Bausubstanz, sehr aufwendig.


Die  konventionellen »Dixiklos« werden ja vor allem wegen ihrer Praktikabilität eingesetzt. Wie aufwändig ist die Nutzung bzw. das Aufstellen der Kompostklos von Kompotoi und welche Vorzüge haben sie gegenüber den klassischen, chemischen Varianten? 

Jojo: Unsere Kompotois sind im Prinzip auch sehr einfach im Einsatz. Klar, unser Häuschen ist mit 190 kg um einiges schwerer als die Plastikhäuschen, dafür sind aber alle unsere Lieferwagen mit einem kleinen Kran ausgestattet. So können die Kompotois ebenfalls in kürzester Zeit auf- und abgeladen werden. Sonst haben wir einfache Wechselbehälter und können unser Kompotoi auch sehr schnell reinigen und warten. 

Die Vorzüge bei uns liegen vor allem bei den Benutzer*innen. Die dürfen nämlich in einem charmanten Holzhäuschen ihr Geschäft verrichten. 


Die Thematik der Nachhaltigkeit ist ist in den letzten Jahren enorm in das Bewusstsein der Bevölkerung gerückt. Seht ihr das bei eurer Arbeit auch? Wie kommt das Angebot im Allgemeinen an?

Jojo: Ja, das Angebot kommt sehr gut an. Wir kriegen Anfragen von überall und von allen möglichen Kundengruppen. Interessant ist auch, dass, wenn jemand mal ein Kompotoi ausprobiert hat, er*sie nie mehr zurück möchte. Leider sind wir im Preis schon noch höher als andere Anbieter, deshalb ist dann leider nicht immer für alle Kund*innen möglich, Kompotois zu mieten. 


Welche negativen Klischees in Bezug auf Komposttoiletten müsst ihr oft entkräften?

Jojo: Viele Leute vergleichen unsere Kompotois mit einem Plumpsklo und haben das Gefühl, es beginnt schnell zu stinken. Zum Glück arbeiten wir aber mit einem System, das wirklich geruchsfrei betrieben werden kann. 

Außerdem haben viele noch das Gefühl, dass unsere Hinterlassenschaften ja unhygienisch seien und deshalb nicht mehr zurück auf die Felder gebracht werden dürfen. Das ist allerdings ein Trugschluss, weil ja im Wasser die Verunreinigungen viel schwieriger zu bereinigen sind, als durch einen Kompostierungsprozess. Deshalb ist es, wie bereits erwähnt, viel besser, das Material erst gar nicht ins Wasser zu geben, sondern direkt zu kompostieren.


Nachhaltige Kompostklos - Das ist im Grunde genommen so einfach und zur selben Zeit so genial, denn es zeigt, dass man das Rad gar nicht immer neu erfinden muss. Wie seid ihr auf diese Idee gekommen und was hat euch davon überzeugt, ein Startup in diesem Bereich zu gründen?

Jojo: Ja, ich werde immer wieder gefragt, ob ich das erfunden hätte. Dann sage ich immer: »Nein, Adam und Eva haben es erfunden« oder es ist von der Natur so vorgesehen.

Die Idee ist eigentlich über ein Entwicklungsprojekt gekommen. Ich habe in einer Stiftung im Ausland gearbeitet und an diesem Ort kam die beste Erde interessanterweise aus den dortigen Toiletten. Als ich dann wieder bei einer Veranstaltung in der Schweiz auf die Toilette musste, stand ich vor einer Plastik/Chemie-Toilette und dachte mir »Das kann's doch nicht sein!«. So ist die Idee entstanden.

Foto ©: Desire Laroche

Wer steckt eigentlich hinter Kompotoi und wie setzt sich euer Team zusammen? Seid ihr eventuell auch auf der Suche nach neuen Mitarbeiter*innen?

Jojo: Nachdem die Idee entstanden ist, habe ich diversen Leuten davon erzählt. So habe ich meinen Partner Marcos Garcia, der zu der Zeit gerade Umweltingenieurwesen studierte, gefunden und auch unseren ersten Kunden. 

Mittlerweile sind wir rund 10 Leute im Kernteam und haben über den Sommer bis zu 30 Freelancer*innen beschäftigt. Wir bauen das Team laufend aus und suchen immer wieder nach motivierten Mitdenker*innen. 


Ihr bietet die Komposttoiletten schon in verschiedenen, ausgewählten Städten in der Schweiz und Süd-Deutschland an. Habt ihr vor, dieses Angebot zu erweitern? In welche Richtung möchtet ihr euer Business künftig weiterentwickeln?

Jojo: Wir haben tatsächlich eine extrem große Nachfrage aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Wir sind auf der Suche nach Partnerfirmen, welche in Zusammenarbeit mit uns ihre Regionen beliefern können.




Foto ©: Kompotoi

Über Jojo Linder:

Nach der Ausbildung zum Elektriker war er eigentlich nur noch auf dem Skateboard anzutreffen. Er führte einen eigenen Skateboardshop, reiste von Event zu Event und organisierte auch selbst eine Skateboard-Eventserie.
Später machte er eine Ausbildung in Permakultur und wurde so mit nachhaltigen Sanitärsystemen vertraut.












Falls ihr also Interesse an einer Partnerschaft habt oder einfach nur mehr über Kompotoi erfahren möchtet, dann schaut doch einfach mal auf der Website von Komptoi vorbei.



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