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Interview mit Airpaq

Nachhaltigkeit in der Modewelt: »Airpaq ist viel mehr als nur ein Rucksack.«

Dass man mit alten Sicherheitsgurten, Airbags und Gurtschlössern einen Rucksack herstellen kann, beweist ganz klar das Kölner Startup Airpaq. Airpaq vereint mit seinen Produkten die Bereiche Design, Nachhaltigkeit und Fairness. Wie zwei Studierende es geschafft haben, sich neben ihrem Master-Studium selbstständig zu machen und sich obendrein das Nähen selbst beizubringen, erfährst du hier im Interview mit den beiden Gründern Michael Widmann und Adrian Goosses.
von Nga Lam, 1. April 2019 10:06
Dass man mit alten Sicherheitsgurten, Airbags und Gurtschlössern einen Rucksack herstellen kann, beweist ganz klar das Kölner Startup Airpaq. Airpaq vereint mit seinen Produkten die Bereiche Design, Nachhaltigkeit und Fairness. Wie zwei Studierende es geschafft haben, sich neben ihrem Master-Studium selbstständig zu machen und sich obendrein das Nähen selbst beizubringen, erfährst du hier im Interview mit den beiden Gründern Michael Widmann und Adrian Goosses.

Zuerst veröffentlicht bei Cologne.io mit dem Titel Kölner Fashion Startup im Interview: »Airpaq ist viel mehr als nur ein Rucksack.«

Wie genau ist eure Idee und euer Konzept zur Gründung von Airpaq entstanden?

Michael & Adrian: Angefangen hat alles mit einem Studienprojekt in 2015. Im Vordergrund stand der ökologische Gedanke. Wir wollten etwas recyceln und nicht unbedingt »neu« produzieren.

Ein Produkt entwickeln, welches mit Design überzeugt, ethisch und gleichzeitig auch gut für die Umwelt ist. Das war eine große Motivation für uns, eine echte Alternative zu bieten.

Die erste Idee war einen Stuhl aus alten LKW-Reifen zu machen, wir haben uns dann aber relativ schnell dagegen entschieden. Die Reifen waren einfach zu groß. Dann haben wir auf dem Schrottplatz in ein Auto gesehen und da schaute ein Airbag aus dem Lenkrad, der aussah wie ein Rucksack. So ging es dann los.

Wer ist eure Zielgruppe?

Michael & Adrian: Jeder Mensch, der Wert auf Design, Nachhaltigkeit und/ oder Fairness legt. Also eigentlich jede*r Erwachsene da draußen. 

Euer Ziel ist es Produkte zu entwickeln, die eure Kunden in ökologischer, ethischer und ästhetischer Hinsicht überzeugen. Wie genau funktioniert das?

Michael & Adrian: Wir schaffen Produkte aus Materialien, welche andernfalls auf dem Müll landen und verschrottet würden. Durch das Recyceln oder Upcyceln verleihen wir jedem Airpaq Rucksack einen einzigartigen Charme, denn jeder ist an sich ein Unikat. Und Nachhaltigkeit bedeutet für uns auch eine faire Produktion mit fairen Arbeitsbedingungen. Alle drei Faktoren ergeben dann eine Alternative, Lieblingsstücke die lange haltbar sind. Airpaq ist viel mehr als nur ein Rucksack.

Wie setzt sich euer Team zusammen bzw. wie viele Mitarbeiter*innen beschäftigt ihr? Wie sieht ein normaler Arbeitsalltag bei euch aus?

Michael & Adrian: Bisher besteht unser festes Team aus uns, den beiden Gründern, Michael Widmann und Adrian Goosses sowie ein paar Freelancern, die unsere Begeisterung teilen und uns zum Beispiel beim Thema Kommunikation und Design unterstützen. Produziert werden unsere Airpaqs in einer familienbetriebenen Näherei in Rumänien. Dort arbeiten aktuell 12 Näherinnen aus der Region an den Airpaq Rucksäcken und Baqs.

Was waren in der Gründungsphase bisher eure größten Herausforderungen?

Michael & Adrian: Die eine große Herausforderung gab es so nicht, manche Aufgaben waren schwerer als erwartet, aber wir hatten immer viel Spaß dabei. Wir mussten uns während dem Studium erstmal mit den Basics wie dem Nähen beschäftigen. Wir hatten beide keine Kenntnisse und haben uns anfangs noch YouTube-Videos angesehen, wie ein Faden einfädelt wird. Wir haben wirklich bei Null angefangen. Nach dem Studium wollten wir Airpaq so schnell wie möglich auf den Markt bringen, haben Quellen für unsere Materialien gesucht, die Prototypen finalisiert und eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, durch die wir über 500 Unterstützer*innen weltweit finden konnten. 

Wie viele und welche Arten von Rucksäcken habt ihr im Sortiment? Sind weitere Produktvarianten-/differenzierungen geplant? Und was passiert, wenn ein Rucksack reklamiert wird?

Michael & Adrian: Neben unserem klassischen Airpaq, dem zweifarbigen Rucksack mit Top im Original-Airbag-Weiß, gibt es noch die einfarbige Variante. Gerade haben wir den BAQ, einen hippen Beutel gelauncht. Im Sommer kommen noch eine Cap, ein Hip-Bag und ein Portmonee dazu. 

Wie genau seid ihr auf die Verarbeitung von Sicherheitsgurten, Airbags und Gurtschlössern gekommen?

Michael & Adrian: Wir wollten etwas recyceln oder upcyceln und nicht unbedingt »neu« produzieren, da unfassbar viel weggeschmissen wird und wir viel zu viel Müll produzieren. Daher sind wir auf den Schrottplatz gegangen und fanden dann die Airbags. Die Festigkeit und das Gefühl des hochwertigen Airbag-Stoffes faszinierte uns und somit entstand die Idee, einen Rucksack aus diesem Material zu fertigen. 

Wie schafft ihr es die Arbeitsbedingungen in eurer Produktionsstätte in Rumänien zu überprüfen, wenn ihr nicht vor Ort seid? Plant ihr zukünftig die Produktionsstätte regelmäßig zu besuchen?

Michael & Adrian: Wir fahren regelmäßig in die Näherei nach Rumänien und pflegen einen sehr persönlichen Kontakt mit allen Menschen, die vor Ort sind. Unsere Zusammenarbeit basiert auf Vertrauen und nicht auf Kontrolle. Wir sind Partner auf Augenhöhe und haben uns gemeinsam weiterentwickelt, ob es bei der Reduzierung von Produktionsabfällen oder Wiederverwendung von Verpackungsmaterial geht. Unser Produktionspartner in Rumänien ist SA8000* und ISO9000 zertifiziert. Zudem ist der Betrieb familiengeführt aus unserem direkten persönlichen Umfeld.

(*SA8000 ist ein weltweites Zertifizierungssystem für Zulieferer und stellt einen hohen Standard für menschenwürdige Arbeitsbedingungen, die Vereinigungsfreiheit, das Verbot von Kinderarbeit und den Ausschluss von Diskriminierung sicher. Sie basiert auf der Grundlage der internationalen Menschenrechtskonvention. Das Zertifikat soll vorhandene Managementsysteme wie ISO 9000 ergänzen. - Quelle SGS Group)

Was würdet ihr rückblickend anders machen, z.B. in der Gründungsphase? Welche Tipps habt ihr für Menschen, die sich selbständig machen wollen?

Michael & Adrian: Wer sich selbstständig machen möchte, sollte einfach anfangen. Unser Glück war, dass wir noch mitten im Studium waren und so mit unseren Professor*innen und Kommiliton*innen über die Entwicklung, die Schritte und einzelne Prozesse sprechen konnten. Das Feedback war überaus hilfreich. Man sollte sich austauschen und über die Ideen sprechen, so können sie sich entfalten und entwickeln.

Was sind eure Pläne für die Zukunft? In welche Richtung möchtet ihr Airpaq in den nächsten Jahren weiterentwickeln?

Michael & Adrian: Airpaq soll weiterhin organisch wachsen und Menschen mit tollen Rucksäcken versorgen. Wir haben immer neue Produktideen. Unser Fokus liegt aktuell darauf, in den Handel zu gehen. Wir konnten bereits über 80 Einzelhändler begeistern, die allesamt »Überzeugungstäter« sind. Zudem freuen wir uns über die Auszeichnung »Produkt des Jahres 2019«, die wir Ende Januar vom Verband der Papier-, Bürobedarf- und Schreibwaren-Markenindustrie auf der Messe Paperworld in Frankfurt erhalten haben. 

Du möchtest mehr über Airpaq erfahren? Hier geht’s zur Airpaq-Website.


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