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© Bal Designs
Interviewreihe »Fair Fashion«

Bal Designs: Wie aus alten Basketbällen einzigartige Upcycling-Unikate entstehen – »Einfach nur aus alten Materialien etwas zu machen, funktioniert nicht.«

von Charlotte Clarke, 7. Juni 2021 07:30
Basketball ist in Litauen, der Heimat der Designerin Rita Balta, quasi Nationalsport. Ursprünglich als Souvenir gedacht, fand sich Rita mit ihren Upcycling-Taschen aus alten Basketbällen plötzlich auf einer der größten Design-Shows der Welt wieder! Heute ist Bal Designs ein international gefragtes Fair Fashion Label. Mehr über die Geschichte hinter dem Label und worauf es ankommt, um in der Fashion-Branche erfolgreich zu sein, erfährst du im Interview.

Mit deinem Modelabel Bal Designs schenkst du alten Basketbällen ein zweites Leben. Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Idee? 

Rita Balta: Vor einigen Jahren hatte ich die Idee, eine Reihe von Design-Souvenirs für mein Heimatland Litauen zu entwerfen. Da in Litauen Basketball quasi eine »zweite Religion« ist, habe ich auch das Motiv des Basketballs in Betracht gezogen. Ich zerschnitt einen alten, herumliegenden Ball und die entstehenden Formen haben meine Interesse geweckt – eine große Rolle dabei spielt die Rundung des Balls – und so habe ich weiter gemacht.


Welche Produkte habt ihr aktuell im Sortiment? Gibt es eventuell schon Ideen für weitere, neue Produkte, eventuell auch aus anderen Materialien, die beim Sport irgendwann entsorgt werden müssen? Ich denke da z.B. an Volleybälle oder Turnmatten.

Rita: Wir haben Federmäppchen, mit denen ich angefangen habe, eine Clutch und die Gürteltaschen, die sich, kombiniert mit einem anderen Gürtel oder einer goldenen Kette, im Nu in eine schicke Handtasche verwandeln lassen. In diesem Corona-Jahr habe ich eine neue Form der Tasche entworfen – sie ist gerade im Entstehen. Unser Label zeichnet zudem aus, dass jedes Produkt ein Unikat ist.

Bei den Bällen, die wir sammeln, gibt es manchmal auch andere Sorten, wie Volleybälle, Wasserbälle oder Beachvolleybälle. Auch Fußbälle haben wir ausprobiert. Aus all diesen Bällen machen wir ebenfalls Taschen, nur in kleiner Zahl. Mein Herz schlägt aber für den Basketball! Für mich ist eine emotionale Bindung – und als Litauerin habe ich sie nunmal zum Basketball – das Wichtigste für alles, was ich mache. Und deswegen sammeln wir aktiv ausrangierte oder defekte Basketbälle.

Generell will ich mich aber nicht nur auf alte Bälle beschränken. Letztens habe ich z.B. ein Raumteiler-Bücherregal aus Dachlatten – meinem Lieblingsmaterial – entworfen und gebaut. Andere Produkte sind in der Planung.


Wo werden deine Produkte hergestellt und wie gehst du mit der sozialen Verantwortung entlang der Lieferkette um?

Rita: Meine Produkte werden dort hergestellt, wo die Bälle gesammelt worden sind. Da es in Litauen große Basketball-Schulen und auch viele Vereine gibt, können wir dort immer wieder ausrangierte Bälle bekommen. Die werden dann gleich in Litauen auch verarbeitet. Die Bälle aus Deutschland werden in Köln, wo ich auch wohne und arbeite, verarbeitet. Wir haben nur ein Lager, nämlich in Köln, von wo aus die Produkte an die Endkund*innen verschickt werden.


Nachhaltige Mode hatte ja lange Zeit ein eher angestaubtes Öko-Image. Hast du den Eindruck, dass Fair Fashion nun im breiten öffentlichen Bewusstsein angekommen ist? Und glaubst du, dass man mit innovativen Upcycling-Produkten wie euren Taschen nachhaltige Mode auch für Zielgruppen attraktiv machen kann, die sich bislang wenig mit dem Thema Fair Fashion beschäftigt haben?

Rita: Sobald das Produkt den ästhetischen, qualitativen und funktionalen Erwartungen der Kund*innen entspricht, macht es sich selbst attraktiv. Das beste Beispiel sind die Taschen der Marke Freitag. Einfach nur aus alten Materialien etwas zu machen, funktioniert nicht. Nur wenn es all die Kriterien eines guten Produktes hat, funktioniert auch der Aha-Effekt, wenn man erkennt, aus welchem Material es gemacht worden ist.

Dann müssen diese gut gestalteten, qualitativ hochwertigen Produkte auch in entsprechend schönen Geschäften liegen. Die gibt es immer mehr, z.B. Market Life Store oder Promobo in Berlin. All das trägt dazu bei, dass die Upcycling-Produkte von den Kund*innen gut angenommen werden.


Was war bei der Gründung deines Business bislang die größte Herausforderung? Und was dein größter Erfolg, auf den du besonders stolz bist?

Rita: Mit Stolz habe ich im Leben generell eher nichts am Hut. Da ich in meinem »ersten Leben« Musikerin war, war alles, was mit meinem heutigen Label zu tun hat, absolutes Neuland für mich. Ich musste alles von null lernen, was mir sehr viel Freude bereitet hat, aber auch eine richtige Herausforderung war (und ist). Deswegen hatte ich aber auch schon sehr viele sehr interessante Erlebnisse, z.B. war mein erster öffentlicher Auftritt gleich bei der Tokyo Designers Week. Ich habe mich auf gut Glück bei Design Boom (Mailand) beworben und prompt war ich eingeladen, bei der größten Design Show der Welt mitzumachen! Bis dahin war ich als Musikerin sehr viel in der Welt unterwegs. Aber als Designerin war es absolut neu für mich und ich wusste überhaupt nicht, was mich dort erwartet oder wie ich mich vorbereiten muss und war dementsprechend sehr, sehr aufgeregt. Beruhigt habe ich mich, als die Japaner*innen mir meine Produkte aus den Händen gerissen haben...


Was ist dein persönlicher Hintergrund und wie hast du deinen Weg in die Modebranche gefunden?

Rita: Ich bin an einem Ort aufgewachsen, wo es weder mit Produkten überfüllte Geschäfte noch viel Geld gab. Wir waren also gezwungen, alles selber herzustellen – von konservierten Lebensmitteln über Kleidungsstücke bis zum Fernseher, den mein Vater mit seinem Freund zusammengebastelt hat. Meine Oma war die beste Schneiderin aller Zeiten. Sie hat mir auch das Nähen und alles, was damit zusammenhängt, beigebracht. Sobald du vorhast, etwas herzustellen, musst du ebenfalls gestalterisch denken können. Das Visuelle hat mich generell  immer sehr angezogen – Design, Fashion, Kunst sowieso. Und das Basteln – sich etwas auszudenken und es dann mit eigenen Händen herzustellen. Vor einigen Jahren habe ich mich sogar am Amsterdam Fashion Institute beworben und wurde aufgenommen. Bin dann aber doch nicht hingegangen – ich war bereits mit meinem Label unterwegs...


Welchen Ratschlag kannst du anderen Gründungswilligen mit auf den Weg geben, die sich in der Mode z.B. mit einem eigenen Label selbstständig machen möchten?

Rita: Mut zu haben, überhaupt selbständig zu sein. Und eigene Ideen und Visionen umzusetzen. Sich inspirieren zu lassen von allem, was die Welt nur so bietet – Kunst aller Epochen, gute Musik, Natur, andere inspirierende Menschen und Kulturen, Theater, Literatur… Ein Gemisch aus allem kommt dann als dein Produkt raus. Leider machen weder Netflix noch Instagram noch Urlaub unter der Palmen aus dir eine Persönlichkeit. Und die brauchst du, um heute aus dem Meer von anderen Produkten und Labels herauszustechen.


Über Rita Balta

Rita Balta ist Gründerin von Bal Designs und war vor Gründung ihres Labels klassische Musikerin. Sie bringt es zum Lächeln, wenn die Leute nach ein paar Momenten des Betrachtens ihres Produktes freudig aufschreien – »Wie cool ist das denn!«



Neugierig geworden, was man aus alten Bällen so alles machen kann? Hier geht es lang zur Webseite von Bal Designs.


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