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Gastartikel

3 spannende Mobilisierungs-Taktiken für deine Kampagnenarbeit

von Charlotte Clarke, 9. März 2020 07:47
Mit deiner gemeinnützigen oder politischen Kampagnenarbeit verfolgst du eine Mission. Du möchtest die Gesellschaft und natürlich die Entscheidungsträger*innen für ein bestimmtes Thema sensibilisieren und zum Handeln bewegen. Doch wie kann deine Kampagne aus der Informationsflut herausstechen und ordentlich Aufmerksamkeit erzeugen? Online-Petitionen sind eine klassische und durchaus sinnvolle Methode - aber das geht auch deutlich kreativer! Lass dir hier von more onion, der Agentur für digitale Mobilisierung, drei ungewöhnliche Strategien zeigen, mit denen deine Kampagne so richtig Fahrt aufnimmt.

Dieser Gastartikel wurde verfasst von Florian Engel von more onion - die Agentur für digitale Mobilisierung.


Du möchtest mit deiner Organisation viele Menschen mobilisieren, um ein konkretes politisches Ziel zu erreichen?

An erster Stelle musst du natürlich eine umfassende Kampagnenstrategie entwickeln. Wenn deine »Theory of Change« steht und du genau weißt, wohin die Reise gehen soll, dann kommt der Zeitpunkt, an dem du dir kreative Taktiken für die Mobilisierung einfallen lassen musst.

Schon wieder eine Online Petition?

Ja, Online Petitionen können sehr effektiv sein, wenn sie gut gemacht sind. Aber manchmal sind etwas ausgefallenere Aktionsformen passender, um das Ziel zu erreichen. Hier findest du drei Ideen, wie du Menschen online mobilisieren kannst, die etwas ausgefallener sind als Online Petitionen.

Wenn du gleich 10 Ideen haben möchtest, kannst du hier unseren gratis Ratgeber herunterladen.


Idee 1: Lokal mobilisieren

Oft ist das Volumen an Botschaften, die zum Beispiel die Bundesregierung erhält, einfach zu groß. Es braucht erhebliche Ressourcen, die Aufmerksamkeit der Bundeskanzlerin zu bekommen. Ebenso verhält es sich mit größeren Unternehmen, wie z.B. Supermärkten oder Banken.

Eine Methode, um trotzdem erfolgreich Druck aufzubauen, ist, einen lokalen Hebel zu finden.

Gibt es eine bestimmte Landesregierung, die für die Bundesregierung von großer Bedeutung ist? Oft sind lokale Regierungen und Entscheidungsträger*innen leichter zu erreichen. Zum Beispiel kann eine wichtige Landtagswahl, die auch auf Bundesebene genau verfolgt wird, eine gute Gelegenheit bieten.

Setze eine Online-Aktion auf, bei der deine Unterstützer*innen via Formular (z.B. über die Postleitzahl) ihr Bundesland auswählen können und ganz bequem eine Protest-E-Mail an die Landesregierung verfassen können.

Auch viele Unternehmen haben lokale Strukturen. Deine Kampagne nimmt Supermarktketten ins Visier? Wenn du es schaffst, 10 Supermärkte an wichtigen Knotenpunkten lokal unter Druck zu setzen, werden diese sich bei der Zentrale melden und eine Lösung verlangen.

Erstelle eine Online-Aktion, bei der Unterstützer*innen durch eine Standort-Abfrage die nächste Filiale finden können. Dann können sie direkt der Filialleitung eine E-Mail schreiben.

Banken haben auch oft sehr gut abgeriegelte und abgeschottete Zentralen. Aber die Bankfilialen haben Öffnungszeiten und deiner Kampagne wird es bestimmt gelingen, die Aufmerksamkeit des Filialleiters oder der Filialleiterin zu bekommen.

Ein Beispiel, wo die lokale Ebene funktioniert hat, ist die Action Aid Kampagne 2015 in Großbritannien. Vor den Parlamentswahlen 2015 wollte ActionAid UK Steuerhinterziehung zu einem Kernthema machen. Als sie erkannten, dass die »grass-roots« (Basis) der Partei eine große Rolle bei der Festlegung von Prioritäten und Agenda spielte, legten Sie ihren Fokus auf lokale Strukturen - auf Gemeindeversammlungen. Durch eine Mischung aus Emails an die Gemeinderäte, face-to-face Gesprächen und lokalen Presseaktionen, konnte ActionAid UK Gemeinderäte aus dem ganzen Land dazu bringen, ihren Vorschlag zu unterschreiben, weiter zu entwickeln und ihr Netzwerk aus Aktivist*innen quer durchs Land aufbauen.

Foto: © Claire Donnor


Idee 2: Konferenzen ins Visier nehmen

Die Entscheidungsträger*innen, die du für deine Kampagne unter Druck setzen musst, sind bestimmt viel unterwegs. Sie treffen sich nicht nur hinter verschlossenen Türen, sondern oft auch auf Konferenzen.

Recherchiere wichtige Konferenzen und wo sich die Personen tummeln, die du überzeugen möchtest. Dann kannst du rund um diese Konferenzen Aktionen planen. Neben einer Straßenaktion mit Stand und Flyern vor dem Haupteingang eignen sich auch digitale Mittel der Partizipation.

Wird auf Twitter ein Hashtag genutzt? Bitte deine Unterstützer*innen Botschaften mit dem Hashtag abzusetzen und Teilnehmer*innen der Konferenz via Twitter auf das Thema anzusprechen.

Du kannst auch mit relativ geringem Budget Google Ads schalten. Direkt vor Konferenzen wird der Name der Konferenz sehr häufig gesucht. So erreichst du direkt Teilnehmer*innen auf der Konferenz.

Genau diese Vorgehensweise wurde gewählt, bei einer Kampagne gegen »Superbugs« - also gegen antibiotikaresistente Bakterien. SumOfUs und Changing Markets hatten das Ziel, die Aufmerksamkeit großer internationaler Arzneimittelhersteller zu bekommen um Sie dazu zu bringen, ihre Lieferkette aufzuräumen. 

CPHI, die weltweit größte Konferenz der Pharmaindustrie, war die perfekte Gelegenheit. Gemeinsam mit more onion wurde eine Webseite erarbeitet die genauso aussah wie die Seite der Konferenz. Google Ads wurden verwendet, um Traffic auf diese Seite zu bringen. Auf den ersten Blick konnten Teilnehmer die »fake« Webseite nicht von der echten unterscheiden, aber nach ein paar Sekunden fingen kleine Bakterien an auf dem Bildschirm immer weiter zu »wachsen«.  War der Bildschirm erst einmal gefüllt, wurden die Betrachter*innen auf eine Seite gebracht die den Hintergrund des Gags erklärt und was sie dafür tun können, um die Welt vor den »Superbugs« zu schützen. Darüber hinaus wurde der Twitter-Feed der Konferenz mit Nachrichten über die Kampagne gefüllt.

Foto: © more onion


Idee 3: Bringe deine Nachricht direkt vor die Haustüre

Manchmal entscheiden sich Entscheidungsträger*innen dafür, eine Petition nicht zu beantworten. Das ist sehr unhöflich von ihnen.

Doch kannst du sicherstellen, dass die Kommentare von deinen Unterstützer*innen nicht ignoriert werden, zum Beispiel durch eine riesige Projektorwand vor der Zentrale deiner Zielperson. Dann kannst du Unterstützer*innen einladen, einen Kommentar zu hinterlassen der auf der Leinwand groß genug gezeigt wird, um ihn von jedem Fenster aus lesen zu können. Außerdem kannst du Journalist*innen zur »Eröffnung« deiner Aktion einladen und ihnen erklären, warum du diese Aktion organisiert.

So hat das zum Beispiel der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) gemacht. Der BUND hat über Monate versucht, die Aufmerksamkeit einer Schlüsselperson durch eine Serie von Kampagnentaktiken zur erreichen.

Als keine davon zu funktionieren schien, haben sie sich entschlossen, kreativ zu werden. Gemeinsam mit more onion wurde eine riesiger Bildschirm vor dem Büro des Ministers aufgestellt. Dieser zeigte einen live Stream von Kommentaren der Unterstützer*innen, die über die E-Campaigning Platform Campaignion gesammelt wurden.


Alle 10 Taktiken lesen

more onion hat einen gratis Ratgeber zusammengestellt, indem wir 10 kreative Ideen für deine Kampagne vorstellen. Diesen Ratgeber kannst du dir hier gratis herunterladen.



Über den Autor

Florian Engel ist Geschäftsführer von more onion - der Agentur für digitale Mobilisierung. more onion unterstützt progressive Non-Profits, NGOs, Gewerkschaften und politische Bewegungen bei der Konzeption und Umsetzung von Kampagnen.


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