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Nachhaltige Initiativen

»Demokratie ist, was du daraus machst« - Die Hertie-Stiftung lädt zum Demokratie-Projekt MITWIRKEN ein

von Robert Franzen, 27. Februar 2020 08:22
Wenn man mit etwas unzufrieden ist, sollte man es ändern - darüber sind sich die meisten einig. Wo und wie man etwas verändert, das hängt natürlich von den eigenen Interessen ab. Wie gut, dass wir in einer Staatsform leben, in der so etwas möglich ist. Damit ein besserer gesellschaftlicher Zusammenhalt und ein respektvolles Miteinander möglich ist, ist die Demokratie nicht nur auf kompetente Politiker*innen angewiesen, sondern auch auf eine aktive Bevölkerung - Deshalb fördert die Hertie-Stiftung mit der Initiative MITWIRKEN Projekte, die unsere Demokratie auf unterschiedliche Weise stärken.

»MITWIRKEN« ist ein von der Hertie-Stiftung gefördertes Projekt zur aktiven Teilhabe an der Demokratie. Beschreib doch einmal kurz, worum es dabei genau geht.

Kirsten Keppeler: Mit »MITWIRKEN - Das Hertie-Förderprogramm für gelebte Demokratie«, wollen wir Demokratie-Projekte und Initiativen fördern, die sich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein besseres Miteinander einsetzen. Daher fördern wir ausgewählte Projekte und Initiativen mit einer Kombination aus Crowdfunding, Fördergeldern, Coaching, Qualifizierung und Vernetzung. Wir möchten Menschen und Projekte stark, ihre Ideen sichtbar und ihr Handeln wirksam machen. Es gibt viele wirksame Initiativen, die unsere Demokratie auf unterschiedliche Weise stärken. Wir beobachten allerdings, dass häufig die finanziellen Mittel und das Know-how fehlen, um diese Ideen nachhaltiger und wirksamer umzusetzen. Deswegen haben wir MITWIRKEN ins Leben gerufen.


Wer kann bei dem Wettbewerb mitmachen? Gibt es eventuelle Teilnahmevoraussetzungen oder Ausschlusskriterien, nach denen ihr schaut?

Kirsten: Für den Wettbewerb, also dem Crowdfunding-Contest, läuft aktuell die Bewerbungsphase, und zwar noch bis zum 3. März 2020. Die Zielgruppe für den Contest ist breit gefächert: Egal, ob private Initiative, gemeinnütziger Verein, Arbeitsgruppe einer Wohlfahrtsorganisation oder Social Start-Up – die Organisationsform spielt beim Crowdfunding-Contest keine Rolle. Als bundesweites Programm freuen wir uns, wenn sich Engagierte aus allen Ecken Deutschlands – vom Dorf bis hin zur Großstadt – bewerben würden. Hauptsache Ideen für ein besseres Miteinander und mehr gesellschaftlichen Zusammenhalt. Ausgeschlossen sind lediglich Projekte mit direktem Bezug zu einer politischen Partei, da wir eine überparteiliche Stiftung sind.


Was erwartet die Bewerber*innen, nachdem sie ihr Projekt eingereicht haben? Welche Unterstützungen bekommen sie z.B. im Fall einer Zusage?


Kirsten: Nach Abschluss der Bewerbungsphase wählen wir die überzeugendsten Ideen aus, die eine gesellschaftliche Herausforderung wirksam lösen. Die ausgewählten Projekte laden wir zu unserem Auftaktwochenende in Frankfurt am Main ein. Dort lernen sie alles Wissenswerte über Crowdfunding und erfolgreiche Kommunikationskampagnen. Anschließend haben die Teilnehmer*innen zwei Monate Zeit, ihre Crowdfunding-Kampagne vorzubereiten. Wir stehen in dieser Zeit mit Beratung und Webinaren zur Seite und geben viele Tipps und Tricks. Ende Mai starten dann diese Projekte gemeinsam in den vier-wöchigen Crowdfunding-Contest auf der Plattform Startnext.


Am Ende winken bis zu 200.000 € Preisgeld für die 20 besten Initiativen. Nach welchen Kriterien werden die Gewinnerprojekte ausgewählt?

Kirsten: Die Crowd entscheidet, wer gewinnt – also ganz demokratisch! Die Hertie-Stiftung vergibt nämlich die Preisgelder an die Projekte, die im Contest die meisten Unterstützer*innen von sich überzeugt haben.


Einer eurer Leitsätze ist, dass Demokratie »Selbstverständnis« ist. Was genau meint ihr damit?

Kirsten:  
Für uns ist Demokratie viel mehr als eine Staatsform, viel mehr als Gewaltenteilung und freie Wahlen. Gelebte Demokratie beginnt da, wo Menschen die Möglichkeiten kennen und ausschöpfen, gesellschaftliches Zusammenleben zu gestalten. Ich kann mein Kreuzchen auf dem Wahlzettel bei der Partei setzen, die mir die überzeugendsten Lösungen für aktuelle Herausforderungen anbietet – und mich anschließend im Sessel zurücklehnen. Oder ich werde darüber hinaus selbst aktiv, engagiere mich in meinem persönlichen Umfeld und trete für ein besseres Miteinander und mehr gelebte Demokratie ein. Unser demokratisches Selbstverständnis beinhaltet für uns, eine aktive Gesellschaft, die ihren Handlungs- und Gestaltungsspielraum nutzt und unsere demokratischen Werte anerkennt und verteidigt.





Heutzutage sehen viele Menschen unsere hart erkämpfte Staatsform (leider) als selbstverständlich an und es bilden sich immer neue Gruppierungen, die aktiv gegen ein demokratisches Zusammenleben wettern. Woran könnte dieser Unmut in der Bevölkerung liegen und wie kann hier das Förderprogramm »Mitwirken« helfen?

Kirsten: Es macht uns in der Tat Sorgen, dass wir in unserer Gesellschaft Strömungen haben, die unsere demokratischen Werte unterlaufen – ja, sogar missachten.

Wir möchten dazu beitragen, dass Menschen aktiv werden, dass ihre Anliegen gesehen werden, gemeinsam darüber geredet und Lösungen gefunden werden. Jede*r kann sich für unsere Gesellschaft einsetzen und an der Weiterentwicklung mitwirken! Dies möchten wir exemplarisch zeigen und entsprechende Projekte bei MITWIRKEN fördern. Denn es gibt viele Projekte, die zur Stärkung der Demokratie beitragen, indem sie Raum für Begegnungen und Dialog schaffen und die Akzeptanz für Vielfalt erhöhen, die Transparenz schaffen und Partizipation gestalten.

Die Botschaft dieses Programmes ist ja zu zeigen, wie wichtig eine aktive Gestaltung gesellschaftlichen Zusammenlebens ist. Auch in Bezug auf die vorherige Frage: Welche Tipps habt ihr, wie sich so etwas auch abseits des Förderprogramms im Alltag umsetzen lässt?

Kirsten: Die Möglichkeiten, sich in unserer Gesellschaft einmalig oder regelmäßig, im Großen oder im Kleinen für ein besseres Miteinander einzusetzen, sind fast unendlich: Die Stimme erheben, wenn man mitbekommt, dass eine Frau mit Hidschab oder ein Mensch mit Kippa angegangen werden. Eine Petition unterschreiben und Entscheidungen aktiv vor Ort mitgestalten und umsetzen. Oder sich engagieren und jeden Mittwoch bei der Essensausgabe einer Tafel um die Ecke aushelfen oder ein Begegnungsprojekt für Senior*innen ins Leben rufen. Jede noch so kleine Aktion macht den Unterschied!


Habt ihr vor, solche Förderprogramme in Zukunft noch öfter anzubieten?

Kirsten: Unser Förderprogramm MITWIRKEN ist zunächst auf drei Jahre ausgelegt. Wir werden natürlich evaluieren, wie das Programm bei unseren teilnehmenden Projekten angenommen wird und wie wirksam es ist und schauen, ob und wie eine Fortsetzung möglich ist. Im Bereich »Demokratie stärken« der Hertie-Stiftung engagieren wir uns aber auch mit Projekten und Programmen – wie z.B. »Jugend debattiert«, »START«,»Generation grenzenlos« – und fördern Institutionen sowie Initiativen, die auf beispielhafte Weise unsere Demokratie stärken. Wir tragen dazu bei, dass die Grundlagen unseres gesellschaftlichen Zusammenhalts erforscht und erlebbar werden, sorgen für ihre Weiterentwicklung sowie für die Verteidigung gegen radikale Gegner.



Über Kirsten Keppeler:



Kirsten arbeitet schon seit mehreren Jahren bei der Hertie-Stiftung. Ihr ist es wichtig, gesellschaftlich relevante Herausforderung aufzunehmen und wirksame Projekte zu fördern. So hat sie u.a. den Deutschen Integrationspreis und nun das Programm MITWIRKEN mit entwickelt.



Du möchtest dich mit deiner Idee bei MITWIRKEN bewerben? Dann schau am besten auf ihrer Webseite vorbei. 




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