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Interview mit Alexander Fröde von Eco-Cards

Umweltfreundliche Weihnachtskarten von Eco-Cards: »Im nachhaltigen Bereich muss man oft neue Wege gehen«

von Charlotte Clarke, 24. September 2019 07:36
Oh Tannenbaum, wie grün sind deine…. Weihnachtskarten! Im Online-Shop »Eco-Weihnachstkarten.de« werden alle Motive von Hand designt und die Karten so ressourcenschonend wie möglich produziert. Für Unternehmen eine charmante Art, ihr nachhaltiges Engagement zu kommunizieren. Eco-Cards-Geschäftsführer Alexander Fröde ist sich sicher: »Echte« Weihnachtspost aus Papier kommt bei den Empfänger*innen - gerade in digitalen Zeiten - noch immer am besten an.

Mit deinem Business Eco-Weihnachtskarten.de möchtest du die Weihnachtspost mit nachhaltig produzierten geschäftlichen Weihnachtskarten ein wenig »grüner« machen. Was unterscheidet eure Karten über Recycling-Papier hinaus von herkömmlichen Produkten?

Alexander Fröde: In der Hauptsache kümmere ich mich um die sinnvolle Produktion erfolgreicher Weihnachtspost, für die drei Punkte sehr wichtig sind: Zum einen natürlich die nachhaltige und umweltfreundliche Herstellung und zum anderen die passende Gestaltung. Wenn eine Weihnachtskarte aus dem Umschlag direkt in den Papierkorb wandert, kann sie noch so umweltfreundlich hergestellt sein. Sie erfüllt ihren Zweck nicht. Wenn sie die Empfänger*innen allerdings begeistert und den Absender bzw. die Absenderin überdies ins rechte Licht rückt, funktioniert die Weihnachtskarte. Das ist der wichtige Unterschied. Da heben wir uns sowohl mit den modernen Designs als auch mit der Papierwahl und den Veredelungen von den meisten anderen Anbietern ab. Außerdem - und das wäre der dritte Punkt - bieten wir einen umfangreichen Grafik-Service, bei dem wir jede Karte individuell auf Kundenwunsch oder nach Vorgaben des Corporate Designs anpassen. So bekommt jede Weihnachtskarte einen ganz persönlichen Look. Mir geht es nicht so sehr darum, andere Menschen davon zu überzeugen, grüner zu sein. Dieser Impuls muss von jedem und jeder selbst ausgehen.

Mit welchen Unternehmen arbeitet ihr zusammen, um den gesamten Produktionsprozess eurer Karten möglichst ressourcenschonend zu gestalten? Nach welchen Kriterien wählt ihr eure Lieferant*innen und Geschäftspartner*innen aus?

Alexander: Eco-Cards ist vom Kern her eine Ein-Mann-Show. Ich arbeite mit einem Programmierer und einer Druckerei zusammen. Bei vielen Fragen und Überlegungen hinsichtlich Planung spreche ich mit meinem Bürokompagnon Ulrich Freitag (mehr-grün.de) und nur in Hochphasen bekomme ich Unterstützung von freien Mitarbeiter*innen. Für die komplette Produktion der geschäftlichen Weihnachtskarten ist unsere Partner-Druckerei Printweb verantwortlich, die seit 2008 Ökoprofit-zertifiziert ist. Die ausgewählten Papiere sind zertifizierte Recyclingpapiere. Die verwendeten Druckfarben sind lebensmittelecht und mineralölfrei und die komplette Druckerei läuft mit echtem Ökostrom von Greenpeace Energy. Mit dem Geschäftsführer Ralph Hadem stehe ich in engem Kontakt, um immer neue und vor allem grüne Ideen zu entwickeln. Zum Beispiel bieten wir seit 2019 das Graspapier der Büttenpapierfabrik Gmund an. Gmund sind Pioniere in der nachhaltigen und umweltfreundlichen Papierherstellung in Deutschland. Ein zweites Beispiel ist die enge Zusammenarbeit mit der Briefhüllenmanufaktur rugi, der einzigen Manufaktur für Briefumschläge in Deutschland. Briefhüllen werden oft nur in dem gängigen DIN Lang-Format produziert, daher gab es keine passende C6-Briefhülle zu unserem polarweißen Recyclingpapier - genau genommen gab es gar keine hochweiße Briefhülle aus Recyclingpapier mit dem Blauen Engel in diesem Format. Aus diesem Grund habe ich mich - nachdem ich ein gewisses Auftragsvolumen erreicht hatte - dazu entschieden, diese Briefhülle einfach herstellen zu lassen. Im nachhaltigen Bereich muss man oft eigene beziehungsweise neue Wege gehen. Pionierarbeit leistet hier jede*r ein wenig.

Besteht für Kund*innen auch die Möglichkeit, die Motive von euch individuell anpassen oder gar komplett neu erstellen zu lassen?

Alexander: Selbstverständlich. Wie schon erwähnt, bieten wir auch einen Grafik-Service an. Hier besprechen wir mit den Kund*innen persönlich alle Änderungen und Anpassungen, bevor diese die ersten Entwürfe von uns erhalten. Danach folgen die Korrekturschleifen. Erst wenn der Kunde bzw. die Kundin mit einem Entwurf 100-prozentig zufrieden ist, geben wir diesen für den Druck frei. Außerdem gibt es jedes Jahr mehrere Aufträge, bei denen wir das Motiv für die Weihnachtskarte komplett »from scratch« designen. Hier besprechen wir die Vorgaben vorab persönlich und erstellen dann ein individuelles Angebot zur Weihnachtskarte.

Was für Unternehmen sind eure Kunden-Zielgruppe? Was signalisieren diese Unternehmen ihren Geschäftspartner*innen mit dem Versand einer Eco-Card?

Alexander: Eine spezielle Zielgruppe gibt es nicht, aber da unsere Mindestauflage an individuell gedruckten Karten bei 50 Stück liegt, ist unser Angebot für Selbstständige oder Kleinstunternehmen vielleicht weniger interessant.

Interessanterweise besteht der größere Teil unserer Kund*innen aus Unternehmen, die Nachhaltigkeit nicht an erster Stelle kommunizieren, aber trotzdem einen gewissen Wert darauf legen. Viele Unternehmen kommen tatsächlich wegen der etwas anderen Motive und erfahren erst durch unsere Imagebroschüre oder im persönlichen Gespräch von der umweltfreundlichen Produktion.

Erfahrungsgemäß gibt es sehr wenige Kund*innen, die ihre Weihnachtskarten ausschließlich dazu nutzen, um den Empfänger*innen von der Nachhaltigkeit ihres Unternehmens zu berichten. Den meisten liegt es am Herzen, eine emotionale weihnachtliche Botschaft zu versenden und bei dieser Gelegenheit - meistens durch unser »Grünes Statement« auf der Kartenrückseite - ihr umweltfreundliches Engagement zu signalisieren.

Habt ihr außer Weihnachtskarten auch Karten für andere Anlässe im Sortiment? Kann ich auch als Privatperson kleine Auflagen, z.B. für den Versand an Freunde und Familie bestellen?

Alexander: Eco-Weihanchtskarten.de ist ein Geschäftskunden-Shop, der nur Weihnachtskarten anbietet. Allerdings haben wir seit Mitte 2019 einen Privatkunden-Shop, in dem neben Weihnachtskarten im 10er-Set auch Dankeskarten, Gutscheinkarten und Geburtstagskarten erhältlich sind. Als Papeterie-Spezialist*innen werden wir das Sortiment künftig zügig erweitern und auch Notizhefte, handbedruckte Geschenkanhänger und weitere nachhaltige Printprodukte anbieten. Natürlich in der gewohnten umweltfreundlichen Eco-Cards-Qualität.

Wie ist die Idee zur Gründung von Eco-Cards entstanden? Was waren deine ersten Schritte, als die Idee zu einem konkreten Plan herangereift ist?

Alexander: Schon vor der Gründung von Eco-Weihnachtskarten.de habe ich mit einem damaligen Kollegen einen Online-Shop für herkömmliche Weihnachtskarten geführt. Während dieser Zeit habe ich gemerkt, wie viel Makulatur dabei erzeugt und wie viel weggeworfen wird. Darum habe ich irgendwann die Stopp-Taste gedrückt. Es war ein glücklicher Umstand, dass Sabine Müller vom Verband nachhaltiger Unternehmen dasselbe in grün zu dieser Zeit ihr Büro auf der gegenüberliegenden Seite des Flurs hatte. Sie hat mich mit dem Gedanken der Nachhaltigkeit sehr inspiriert. Letztlich habe ich eins und eins zusammengezählt und einen neuen Online-Shop für Weihnachtskarten gegründet, bei dem es ausschließlich umweltfreundlich hergestellte Karten gibt. Mein neues Ziel war es, ein dunkelgrünes Produkt zu entwickeln. Für die Umsetzung dieses Vorhabens habe ich bei dasselbe in grün, in den ich ebenfalls eingetreten bin, viele kompetente Ansprechpartner*innen gefunden.

Wer designt diese vielen schönen Motive? Wovon lässt sich deine Kreativität am besten inspirieren?

Alexander: Die Motive gestalte ich alle selbst und jedes Jahr kommen neue hinzu. Mein Anspruch ist es, moderne Weihnachtskarten zu gestalten, die sich von anderen Karten auf dem Markt abheben. Hierbei lasse ich mich von allem inspirieren, was mir unterkommt. Einmal habe ich ein eigentlich recht unansehnliches Poster für eine Reggae-Veranstaltung gesehen, auf dem es ein Detail gab, das mir im Gedächtnis geblieben ist - tags darauf habe ich auf Grundlage dessen ein Motiv gestaltet, das in den nächsten Jahren ein Topseller wurde.

Wie lebt ihr das Prinzip der Nachhaltigkeit in eurem Geschäftsalltag, z.B. in Bezug auf eure Mitarbeiter*innen oder die Beziehung zu euren Kund*innen?

Alexander: Bei den persönlichen Kundengesprächen, in denen es um die individuelle Gestaltung der Weihnachtskarten geht, kommen nicht selten auch andere Aspekte nachhaltigen Lebens und Arbeitens zur Sprache. Weil das Thema Umwelt und Ressourcenschonung viele beschäftigt, möchten wir in unserem Blog künftig noch mehr über Themen berichten, die über unser Kerngeschäft hinausgehen.

Nachhaltigkeit im Geschäftsalltag beginnt ganz simpel: Ich habe einen Schreibtisch und einen Computer im Büro. Der Strom kommt von Greenpeace Energy. Zur Arbeit fahre ich mit dem Rad oder der Bahn. Oft gehe ich auch einfach zu Fuß. Im Büro, das ich mir mit zwei weiteren Selbstständigen teile, nutzen wir ausschließlich Recyclingpapier und betreiben auch viel Direktrecycling. Einer der Bürokollegen betreibt einen Online-Shop für nachhaltige Produkte. Daher sind alle Neuanschaffungen stets wohl durchdacht. Den Office-Drucker haben wir beispielsweise bei AfB, Europas größtem gemeinnützigen IT-Unternehmen, das auf IT-Remarketing und IT-Refurbishing spezialisiert ist, gekauft und auch darauf geachtet, dass dieser den Blauen Engel hat. Vom Seifenschaumspender von Cuisipro, mit dem man bis zu 75% Wasser beim Händewaschen spart, über die Karlsbader Kanne, die keine Kaffeefilter benötigt und einen sehr leckeren Kaffee macht, bis hin zu Reinigungsmitteln von Frosch - die Liste ist lang und es sind schon viele Schritte getan. Trotzdem gibt es immer wieder etwas Neues, das man verbessern kann. Ein ganz wichtiger Punkt ist zum Beispiel auch die Wahl des Geschäftskontos. Als mir bewusst wurde, was meine alte Bank mit meinem Geld so anstellt, habe ich direkt gewechselt.

Geht die Tradition, »echte« Weihnachtskarten zu verschicken, im Zuge der Digitalisierung und Social Media-Kommunikation nicht eher zunehmend verloren? 

Alexander: Zum Teil. Es gibt immer den einen oder anderen Kunden, der mir persönlich mitteilt, dass dies die letzten Weihnachtskarten aus Papier sind, die er versenden wird. Ich freue mich, wenn Kund*innen so offen und ehrlich zu mir sind. Mit den meisten spreche ich auch über die Gründe, warum sie auf E-Cards umstellen. Der Faktor, der die meisten zu dieser Entscheidung bewegt, ist das Geld. Dabei wissen die meisten schon im Vorfeld, dass die »neuen« elektronischen Weihnachtsgrüße nicht so gut bei den Empfänger*innen ankommen.

In welche Richtung möchtest du dein Unternehmen in naher Zukunft weiterentwickeln?

Alexander: Ich möchte, dass meine Printprodukte noch grüner werden und hoffe, den Stellenwert von Eco-Cards so zu steigern, dass ich bestimmte Unternehmen und Hersteller, mit denen ich zusammenarbeite, davon überzeugen kann, ihre Produkte nachhaltiger zu gestalten. Derzeit biete ich zum Beispiel noch zwei Recyclingpapiere an, die einen gewissen Anteil an FSC-Frischfasern beinhalten. Hier hoffe ich, dass der Recyclinganteil im Papier in Zukunft größer wird.


Du bist schon in Weihnachtsstimmung und möchtest mehr erfahren? Hier geht es lang zur Website von Eco-Cards.


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