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Nachhaltige Unternehmen

Faire Edelmetalle – hier ist alles gold was glänzt: »In jedem Supermarkt findet sich mittlerweile Fairtrade-Schokolade. Warum dann nicht auch fairen Schmuck tragen?«

von Charlotte Clarke, 26. Oktober 2021 07:40
Der Handel mit Edelmetallen wie etwa Gold oder Silber geht oft mit schwersten Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörungen in den Abbaugebieten einher. Als Florian Harkort dies mit eigenen Augen sah, entschied er sich kurzerhand dazu, eines der weltweit ersten Unternehmen zu gründen, die ein Angebot an fair zertifizierten Edelmetallen schafft. Fairever zahlt den Bergleuten nicht nur ein faires Einkommen, sondern fördert zudem die nachhaltige Entwicklung der lokalen Dörfer und Gemeinschaften. Doch warum sind Fairtrade-Produkte im Supermarkt mittlerweile Standard, beim Schmuckhandel jedoch bislang eine Seltenheit?

Mit eurem Unternehmen Fairever vertreibt ihr fair gehandeltes Gold und Silber. Wie konkret unterscheiden sich die Arbeitsbedingungen eurer Lieferanten von konventionellen Minen?

Florian Harkort: Die »besseren« unter den großen konventionellen Minen richten sich nach Standards, die von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) festgelegt werden. Diese legen bestimmte Mindestanforderungen vor Ort fest, die den Unternehmen vorschreiben, nach geltenden Menschenrechten zu agieren. Das reicht aber bei weitem nicht aus. Die kleineren Minen schaffen es gar nicht, aus eigener Kraft den bürokratischen Anforderungen gerecht zu werden. Beim Abbau von Gold nach fairen Standards wird viel getan, um die Kleinbergleute dabei zu unterstützen, entsprechende Zertifizierungen zu erhalten. Ziel ist es, den Menschen vor Ort eine Möglichkeit zu bieten, ihre Gemeinden nachhaltig zu entwickeln. Um das zu ermöglichen, wird zum Beispiel ein Mindestpreis für den abgebauten Rohstoff garantiert. Zusätzlich werden Prämien gezahlt, die für soziale Projekte, wie den Bau von Schulen oder Gesundheitseinrichtungen vor Ort, eingesetzt werden.


In welchen Ländern befinden sich die Minen, von denen ihr beliefert werdet, und wie wird in der Praxis die Einhaltung der fairen Standards kontrolliert? 

Florian: Die Minen befinden sich in Peru, Kolumbien und in der Mongolei. Kontrollen finden durch Zertifizierungsunternehmen wie FLOCERT statt. Wichtig zu erwähnen ist, dass FLOCERT unabhängig von Fairever und den Standard-Organisationen arbeitet, um Objektivität gewährleisten zu können. Trotz der Zertifizierungen lasse ich es mir nicht nehmen, auch selbst regelmäßig die Minen zu besuchen, um mir ein Bild von der Situation vor Ort zu verschaffen. 


Was sind – trotz der allgemein bekannten Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden im Edelmetallhandel – die Ursachen dafür, dass es zwar in jedem Supermarkt z.B. Kaffee und Schokolade mit Fairtrade-Siegel o.Ä. gibt, allerdings nur sehr vereinzelt Juweliere mit fair gehandeltem Gold und Silber?

Florian: Ich habe das Gefühl, dass die alteingesessenen Edelmetallhändler das Thema tendenziell meiden, oft aus Furcht vor negativer Presse. Die Juweliere wiederum sind gezwungen, sich nach dem vorhandenen Angebot zu richten. Dieses Angebot wollen wir mit Fairever dauerhaft erweitern. Wir sehen uns dabei in der Verantwortung, immer mehr Goldschmieden die unterschiedlichen Optionen näher zu bringen, so dass sie sich zukünftig bewusst zwischen unserem fair gehandelten Gold und konventionellem Gold entscheiden können. 


Eine der Kernideen von Fairtrade ist, dass die Endkonsument*innen im globalen Norden einen Aufschlag im Vergleich zu konventionellen Produkten zahlen (bei Gold sind es etwa 20 %) und dieser dann den Arbeiter*innen ganz am Anfang der Produktionskette zu Gute kommt. Wie stellt ihr sicher, dass dies auch wirklich passiert und das Geld nicht bei anderen Akteuren »hängen bleibt«, die sich weiter oben in der Wertschöpfungskette befinden und wesentlich mehr Marktmacht haben?

Florian: Das ist einfach, da wir meist keine weiteren Zwischenhändler in der Lieferkette haben, sondern direkt durch persönliche Kontakte von mehreren zertifizierten Minen unser Gold beziehen. 


Eure Produkte gibt es mit zwei verschiedenen Zertifizierungen: Dem Fairtrade- sowie dem Fairmined-Siegel. Worin unterscheiden sich konkret diese beiden Zertifizierungen?

Florian: Die beiden Standards unterscheiden sich nur geringfügig voneinander. Bei Fairtrade wie auch Fairmined müssen wir den Minen einen garantierten Mindestpreis von 95 % des Londoner Börsenpreises zahlen. Eine zusätzliche Prämie wird für Projekte zur nachhaltigen Entwicklung der Bergbau-Community gezahlt – bei Fairtrade beträgt diese 2.000 $ pro Kilogramm Gold, bei Fairmined sind es sogar 4.000 $. Beide Organisationen setzen sich für einen sozial- und umweltgerechten Abbau ein.


Welche Produkte kann man bei Fairever beziehen? Verkauft ihr nur an Goldschmieden und Juweliere oder gibt es auch Produkte für Privatmenschen?

Florian: Größtenteils sind wir tatsächlich auf Golderzeugnisse spezialisiert, die in der Schmuckbranche zur weiteren Verarbeitung benötigt werden. Dazu gehören Halbzeuge und Granalien. Wer als Privatkund*in in fair gehandeltes Gold investieren möchte, kann bei uns auch Fairtrade-zertifizierte Goldbarren finden.


Wie finde ich Juweliere, die Trauringe oder Schmuck aus fair gehandelten Edelmetallen anbieten? Gibt es für das Endprodukt, sprich den Schmuck, auch eine seriöse und empfehlenswerte Zertifizierung, auf die ich achten sollte?

Florian: Die Fairtrade- und Fairmined-Zertifizierungen beziehen sich auf alle Teile der Lieferkette. Es sollte also auch hier Ausschau nach den entsprechenden Siegeln gehalten werden. Fairtrade und Fairmined weisen auf ihren Websites auch entsprechende Juweliere und Goldschmiede aus. Ansonsten einfach nachfragen! Je mehr Kund*innen das tun, desto größer wird das Angebot mit der Zeit werden. 


Welche Menschen stehen hinter Fairever und was ist eure Geschichte? Wie seid ihr auf die Idee zur Gründung eures Unternehmens gekommen? 

Florian: Ich habe mit eigenen Augen den Goldabbau in seiner schlimmsten Form in Afrika gesehen. Die Arbeiter*innen atmen täglich das freigesetzte Quecksilber ein, schon kleine Kinder tragen schwere Lasten aus den Minen. Als ich damals zurück nach Deutschland kam, boomte der Handel mit Goldanlageprodukten und ich wunderte mich, warum sich niemand fragt, auf wessen Kosten dieses Gold abgebaut wird. Ich begab mich selbst auf die Suche nach Gold, das ich mit gutem Gewissen kaufen könnte, aber das Angebot war praktisch nicht existent. So entstand die Idee, selbst fair gehandeltes Gold anzubieten, um den Minenarbeiter*innen eine gute Lebensgrundlage zu bieten und die Dörfer, die vom Bergbau abhängig sind, durch faire Preise und Prämien zu stärken.

Aktuell sind wir dabei, ein starkes Team aufzubauen, das mich als Geschäftsführer dabei unterstützt, unsere Mission bei Fairever voranzubringen.


Was war die größte Herausforderung, die euch beim Aufbau eures Unternehmens begegnet ist?

Florian: Wir mussten ein System und effektive Prozesse aufbauen, um allen Anforderungen der entsprechenden Standards und Zertifizierungen gerecht zu werden. Auch der Aufbau unserer Lieferkette ist ein sehr wichtiger Aspekt unserer Arbeit und wir investieren viel Zeit in unsere Kontakte zu den Menschen direkt vor Ort am Ursprung des Goldes.


Was habt ihr für die Zukunft geplant? In welche Richtung möchtet ihr Fairever weiterentwickeln?

Florian: Unser Unternehmen befindet sich im Wachstum, da die Menschen zum Glück immer stärker darüber nachdenken, inwiefern sie nachhaltig und verantwortlich handeln und konsumieren. Wie du schon richtig sagst, in jedem Supermarkt findet sich mittlerweile Fairtrade-Schokolade – warum dann nicht auch fairen Schmuck tragen? Unser Ziel ist es, mit Fairever die Lieferkette für die Schmuckherstellung nicht nur um ein Angebot zu erweitern, sondern neue Standards im Markt zu etablieren. Wir wollen die Menschen darauf aufmerksam machen, was sie mit dem Kauf von fair gehandeltem Gold bewirken können.

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Über Florian Harkort 

Nachhaltige Entwicklung stand für Florian schon immer im Vordergrund. Als studierter Agrarökonom war er in der Entwicklungshilfe in Afrika tätig und hat gesehen, wie der konventionelle Bergbau keine Rücksicht auf die Gesundheit der Arbeiter*innen nimmt und die Umwelt dauerhaft schädigt.

Beim Vertrieb von fair gehandeltem Gold geht es ihm in erster Linie darum, die Lebensbedingungen der Menschen in Entwicklungsländern nachhaltig zu verbessern. Wenn er nach Kolumbien reist und in einem Bergdorf bei einer zertifizierten Mine sieht, welche Veränderungen bewirkt werden und wie sich das Dorf im Laufe weniger Jahre weiterentwickelt, zieht er daraus seine persönliche Motivation. Um langfristige Verbesserungen der dortigen Lebens- und Arbeitsbedingungen zu bewirken, müssen Win-Win-Situationen geschaffen werden, um ökonomische, soziale und ökologische Werte in Einklang zu bringen.

Mit fair gehandeltem Gold möchte er möglichst viele Goldschürfer*innen dazu befähigen, ihre Gemeinschaften nachhaltig zu entwickeln.



Du möchtest mehr erfahren? Hier geht zur Homepage von Fairever.



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