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Social Entrepreneurship

Existenzgründung bewusst, nachhaltig, zukunftsorientiert – wie klappt der Start?

von Charlotte Clarke, 14. Juli 2021 07:29
Gastautorin Cécile Meier erklärt, wie eine Existenzgründung im Nachhaltigkeitsbereich aussehen kann, was es dafür bedarf und wieso es so wichtig ist, sich als Selbstständige*r damit zu beschäftigen. Außerdem gibt sie einen Einblick in ihre Arbeit als Creative Business Coachin, bei der sie u.a. angehende Gründer*innen dabei begleitet, ihren Traum vom eigenen Social Business wahr werden zu lassen.

Der schwierige Begriff der Existenzgründung


»Existenzgründung« – ein Wort, mit dem ich nicht allzu viel anfangen kann.

Schließlich lebt man doch bereits, wenn man gesund und munter ist – warum also eine Existenz gründen? Man lebt, also existiert man, so die These. Doch wieso genau gibt es um den Begriff der Existenzgründung so ein Tohuwabohu? Wenn man das magische Wort noch ein wenig genauer betrachtet, stellt man schnell fest, dass es sich aus zweien zusammensetzt: »Existenz« und »Gründung«. Man existiert und beginnt dann ein Unternehmen zu gründen -oder geht es einfach darum, dass man gründet, um davon leben, sprich existieren zu können?

Man will also eine Existenz gründen, aber nicht aus dem Grund, dass die vorherige be- oder vergraben werden muss; nein, sondern weil man neue Wege einschlagen, weil man aus dem sich selbst gebauten Hamsterrad ausbrechen, oder weil man sich verwirklichen möchte. Vielleicht widmet man sich einer neuen Existenz, weil die bisherige nicht mit den eigenen Zielen, Wünschen und Werten einhergeht und man gesellschaftlich etwas bewegen möchte. Womöglich möchte man die wertvolle Lebenszeit so nutzen, dass man nicht nur selbst etwas davon hat, sondern auch anderen Gutes tut, ohne dabei der Umwelt zu schaden. Wenn man dabei noch für sein tägliches Brot sorgen kann, dann hat es wohl mit der nachhaltigen Existenzgründung geklappt. 

Ich behaupte, dass eine Existenzgründung dann eintritt, wenn man sich verwirklichen darf. Das »darf« ist an dieser Stelle sehr bewusst gewählt, denn eine Gründung ist ein wirkliches Privileg. Ein Privileg an finanziellen und sachlichen Mitteln, einem Mindset, Bildung, dem Vertrauen in sich selbst und vielem mehr.

Photo by Matt Duncan on Unsplash


Doch was genau passiert, wenn eine Existenzgründung scheitert, ist dann mein ganzes Wesen gescheitert? Meine Antwort lautet ganz klar und deutlich: Nein! Vielmehr bedarf es so viel Mut, etwas zu starten und sich den eigenen Visionen hinzugeben. Und gerade im Bereich der Selbstständigkeit geht es doch darum, dass man beginnt und den eigenen Weg findet. Dieser ist letztlich das Ziel, und somit kann die Existenzgründung als Prozess gesehen werden, bei dem es mal mehr und mal weniger rosig läuft. Wichtig ist dabei, dass man auf der Spur bleibt und weiß, wohin es gehen soll.

Dabei kann eine Existenzgründung auch sukzessive, parallel zur Verabschiedung aus einer Festanstellung laufen oder aber man entscheidet sich für den Sprung ins kalte Wasser! Wie dem auch sei, es gibt keinen Masterplan: Eine Gründung und der Weg in die Selbstständigkeit verlaufen so individuell, wie es die Personen hinter dem Vorhaben sind.


Wie schlägt man eine nachhaltige Richtung ein?

Wenn die Existenzgründung auch noch nachhaltig sein soll, dann machen wir ein zweites großes Fass auf. Denn Nachhaltigkeit kann alles und gleichzeitig nichts bedeuten. Das konnte man nicht nur in den letzten Jahren verstärkt feststellen, wo immer mehr Marken und Unternehmen vorgaben, schon immer nachhaltig gewesen zu sein. 

Ich finde es immer wichtig, auf den Ursprung und die Definitionen von Begrifflichkeiten zu blicken. Denn Nachhaltigkeit per se ist keine neue Erfindung. Bereits im 18. Jahrhundert beschäftigte sich der Sachse Hans Carl von Carlowitz mit dem Prinzip der nachhaltigen Forstwirtschaft, in dem er nur so viel roden ließ, wie wieder nachwachsen konnte. Er lebte also den bewussten Verbrauch von natürlichen Ressourcen. Wenn man dieses Prinzip auf eine Unternehmensidee überträgt, kommt man nicht daran vorbei, sich mit der Produktion der Waren und deren Materialzusammensetzung und -ursprung auseinanderzusetzen. Auch im Dienstleistungsbereich werden Ressourcen verbraucht, bei denen ein kritischer Blick des Verbrauchs ebenfalls wichtig ist. Die Definition zur nachhaltigen Entwicklung von Gro Harlem Brundtland von 1987 legt den Fokus auf zukünftige Generationen, die durch das Handeln heutiger Unternehmen nicht beeinträchtigt werden sollen. Praktisch gesehen bedeutet dies, dass eine Existenzgründung so aufgebaut werden soll, dass kommenden Unternehmen und Erdbewohner*innen keine Steine in den Weg gelegt werden. 

Die Theorie ist in jedem Fall nachvollziehbar, doch wie überträgt man sie in die Praxis? Ein nachhaltiges Unternehmen kann beispielsweise dahingehend definiert werden, dass es die drei Säulen der Nachhaltigkeit lebt und diese in einem gesunden Verhältnis zueinander stehen. Die drei Säulen bestehen aus der ökonomischen, der ökologischen und der sozialen Komponente, die ein Unternehmen, das nachhaltig handeln und wirtschaften möchte, umsetzen will. Eine andere Herangehensweise ist die, dass man sich auf die Einsparung beziehungsweise Vermeidung von Emissionen konzentriert, die unter der ökologischen Säule verankert sind. Auch hierbei gilt, der Weg ist das Ziel und es ist wichtig, dass man sich überhaupt Gedanken zu den (möglichen) Folgen des unternehmerischen Handelns für alle Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette macht. 

Für mich gibt es keine »nachhaltige Perfektion«, denn dafür müsste man sich als äußerst kritisches Unternehmen fragen, ob man überhaupt etwas produzieren will, dass Konsum und Kapitalismus antreibt. Natürlich gibt es zahlreiche sehr positive Beispiele von Unternehmen, die zukunftsorientierte Strategien umsetzen. Doch meiner Meinung nach kann eine vollständige Nachhaltigkeit nicht erreicht werden. Für mich geht es dabei vielmehr darum, dass Unternehmen, gerade bei einer Neugründung, darüber nachdenken, ob es sie wirklich auf dem Markt braucht und ob beziehungsweise welche umweltfreundlichen Motive dahinterstehen. Wenn man als Gründer*in mit den eigenen Vorhaben, Werten und potentiellen Auswirkungen auf die Umwelt – sowohl positiv als auch negativ – einverstanden ist, dann sollte man sich dieser Vision hingeben und damit starten.


Teil der Revolution sein

Es gibt unzählige Bücher, die sich genau mit dieser Frage und noch vielen weiteren rund um das Thema Existenzgründung beschäftigen. Ich will euch keine empfehlen, die auf Bestsellerlisten stehen, die ich jedoch nicht gelesen habe. Wessen Buch ich aber empfehlen kann, ist das von Naomi Ryland und Lisa Jaspers, es heißt »Starting a Revolution«. Es handelt davon, dass die beiden Autorinnen weltweit Gründerinnen fragen, wie eine bessere Businesswelt aussehen kann, die beispielsweise Konkurrenzkampf und Wachstumsdruck außen vor lässt und sich stattdessen auf einen unternehmerischen Werte- und Kulturwandel fokussiert. In jedem Fall lesens- und vor allem probierenswert.

Photo by Kristopher Roller on Unsplash


Gratis Creative Business Coaching

Seit Beginn diesen Jahres bin ich Mitglied des Kollektivs »the fired up collective«, das 2020 von Clara Hahn gegründet wurde und Arbeitssuchenden auf dem Weg zu einem neuen Job und einer spannenden Herausforderung hilft. Die rund 15 Coaches spezialisieren sich dabei auf kreative Berufssparten, wobei der Bereich recht breit gefächert ist und an sich niemand ausgeschlossen wird. 

Ein gratis Coaching bis zu drei Monaten gibt es für diejenigen, die aktuell arbeitssuchend beim Jobcenter oder der Agentur für Arbeit gemeldet sind und einen Bildungsgutschein bewilligt bekommen. Das Coaching umfasst je nach Coach*in einen anderen Ansatz, wobei bei allen das Ziel verfolgt wird, dass die/der Coachee Motivation, Unterstützung und Tipps auf dem Weg zu einer neuen Anstellung findet. 

Ich beispielsweise verhelfe Menschen dabei, einen Job zu finden, der mit den eigenen Werten und Visionen vereinbar ist. Dabei setze ich darauf, dass wir gemeinsam eine eigene Sprache entwickeln, welche die/der Coachee sowohl im Anschreiben und auf der eigenen Website als auch bei Vorstellungsgesprächen einsetzen und in neue Projekte transportieren kann. Besonders toll finde ich es, wenn neue Jobs in nachhaltigen Unternehmen gefunden werden. Bei dem individuellen Coaching bringe ich das Erlernte aus meinem Studium (Marketing, BWL & Nachhaltigkeit) genauso ein wie die Erfahrung, die ich im Mode- und Kreativbereich sammeln durfte. Dabei kann ich Menschen unterstützen, stärker in ihrer Selbstvermarktung zu werden und die nächsten Schritte hin zur Nachhaltigkeit zu gehen. Das Coaching ist auch für Selbstzahler*innen möglich. 

Schreib mir doch gerne eine E-Mail, wenn Du mehr über das Angebot erfahren möchtest.

© Cécile Meier



Du möchtest mehr über Céciles Arbeit erfahren? Hier geht es lang zur Homepage von The fired up collective


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Die eigene Berufung entdecken: »Ich glaube, wenn wir Menschen in einer besseren Verbindung mit uns selbst sind, hat das positive Auswirkungen.« 


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