Was ist eine NGO? Formen, Einstiegsmöglichkeiten und berufliche Entwicklung

Non-Governmental Organisations (NGOs) sind unabhängige, nichtstaatliche und meist international ausgerichtete Organisationen ohne Gewinnziele, die sich für soziale, gesellschaftspolitische oder umweltrelevante Zwecke einsetzen. NGOs finanzieren sich hauptsächlich über Spenden, Mitgliedsbeiträge und Fördermittel. Sie bieten vielfältige Jobmöglichkeiten für verschiedenste Fachrichtungen.

von Team, 12. Juni 2024 um 12:00

Was ist eine NGO?

Unter NGOs, den sogenannten Non-Governmental Organisations (Deutsch: Nichtregierungsorganisationen), versteht man unabhängige, nichtstaatliche und meist international ausgerichtete Organisationen, die keine Gewinnziele verfolgen. Diese privaten, gemeinnützigen Organisationen setzen sich für soziale, gesellschaftspolitische oder umweltrelevante Zwecke ein. Zu den Themenfeldern gehören z.B. Entwicklungszusammenarbeit, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit, humanitäre Hilfe oder Umwelt- und Klimaschutz. In Deutschland findet man sie häufig als eingetragene Vereine (e.V.) oder private Stiftungen. Beispiele für sehr bekannte NGOs sind etwa Greenpeace, Amnesty International und die Stiftung Warentest.

Zu den Haupteinnahmequellen zählen neben den Mitgliedsbeiträgen vor allem auch Spenden, die Erlöse aus dem Verkauf von Waren und Dienstleistungen sowie staatliche Fördermittel. Die Aktivitäten finden meistens in Form von Projekt- und Kampagnenarbeit statt. Die Mission von NGOs ist es, öffentliche Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Zudem spielt oftmals der aktive Dialog mit politischen Entscheidungsträger*innen eine zentrale Rolle (Advocacy-Arbeit). Da Bonn bis 1999 Regierungssitz der Bundesrepublik war, ist hier die Dichte an NGOs verhältnismäßig hoch.

Was ist der Unterschied zwischen einer NGO und einer NPO?

Die Begriffe Non-Governmental-Organisation (NGO) und Non-Profit-Organisation (NPO) werden häufig synonym verwendet. Auch wenn sie sehr viele Überschneidungspunkte haben und es für keinen der beiden Begriffe bislang eine allgemeingültige Definition gibt, bestehen zwischen den beiden Organisationsformen feine Unterschiede.

Non-Governmental-Organisationen (NGOs) vertreten politische und gesellschaftliche Interessen, gehören aber ausdrücklich (wie der Name schon vermuten lässt) nicht einer Regierung an, auch wenn sie mit ihrer Lobbyarbeit in der Politik natürlich oft mitmischen und sich z.B. für stärkere Klimaschutzgesetze oder den Schutz von Menschenrechten einsetzen. NGOs sind daher oftmals international, mindestens jedoch national ausgerichtet.

Non-Profit-Organisationen (NPOs) können auch private Mitgliederinteressen vertreten (Beispiel: Unternehmensverbände) und sind in der Regel eher regional/lokal orientiert. Zudem können NPOs auch in der Trägerschaft der öffentlichen Hand sein – in diesem Falle erbringt die NPO eine Dienstleistung für den Staat. Beispiele hierfür sind z.B. Kliniken, Hochschulen oder Museen. 

Sowohl NPOs als auch NGOs sind Teil des sog. Dritten Sektors, der per Definition abgegrenzt wird von staatlichen Verwaltungseinheiten und von privatwirtschaftlichen, profit-orientierten Unternehmen. Während sich der Staat über Steuern und Abgaben und ein Wirtschaftsunternehmen über Gewinnerzielung am Wettbewerbsmarkt finanziert, erhalten Organisationen des Dritten Sektors hauptsächlich Gelder über z.B. Mitgliedsbeiträge, Spenden, Fördermittel oder Gebühren.

Historische Entwicklung von NGOs

Die Geschichte der NGOs lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen, als erste Gruppen gegründet wurden, um soziale Missstände anzusprechen, die von den Regierungen der Zeit ignoriert wurden. International anerkannte NGOs wie das Rote Kreuz entstanden in dieser Zeit und setzten neue Standards für humanitäre Hilfe und Konfliktlösung.Nach dem Zweiten Weltkrieg erlebte die Welt einen Anstieg der NGO-Aktivitäten, teilweise gefördert durch die neu geschaffenen Vereinten Nationen. In Deutschland begann die NGO-Landschaft nach dem Krieg und insbesondere nach der Wiedervereinigung zu wachsen, als Bürgerbewegungen und später NGOs zunehmend Einfluss auf politische Prozesse nahmen.

NGOs als Arbeitgeber

Die Arbeit bei einer NGO kann sehr unterschiedlich sein, je nach Fokus und Bedarf der Organisation. Neben spezialisierten Fachkräften wie Ärzten, Umweltexperten oder Ingenieuren benötigen NGOs auch universelles Personal wie IT-Fachkräfte, Juristen und Verwaltungsmitarbeiter. Diese Vielfalt an Rollen spiegelt sich auch in den unterschiedlichen Gehaltsstrukturen wider.

Das Gehalt bei NGOs wird oft als niedriger im Vergleich zu dem in der freien Wirtschaft angenommen. Allerdings gibt es hier große Unterschiede, abhängig von der Größe und der Finanzierungsstruktur der NGO. Einige der größeren Organisationen zahlen durchaus wettbewerbsfähige Gehälter, die sich an Tarifverträge anlehnen. Im mittleren und oberen Management jedoch, wo Tarifverträge nicht greifen, sind die Gehälter oft geringer als in vergleichbaren Positionen in kommerziellen Unternehmen. Dies liegt unter anderem daran, dass NGOs sich primär als gemeinnützig verstehen und die Gehälter meist aus Spendengeldern finanziert werden, was die Gehaltsobergrenzen beeinflusst.

Ein konkretes Beispiel für Gehaltsstrukturen in NGOs bietet Ärzte ohne Grenzen, wo ein Arzt im ersten Jahr etwa 1.700 Euro brutto monatlich verdient, während erfahrene Medienkoordinatoren bei Greenpeace über 5.400 Euro verdienen können. Bei sogenannten Quangos, die quasi-NGOs sind und im staatlichen Auftrag handeln, orientieren sich die Gehälter oft an öffentlichen Tarifverträgen, wie es beim Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) der Fall ist.

Obwohl die Bezahlung in NGOs oft als unterdurchschnittlich wahrgenommen wird, sind die tatsächlichen Gehälter sehr unterschiedlich und können je nach Standort, Erfahrung und Verhandlungsgeschick variieren. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Lebensqualität, die nicht ausschließlich von der Höhe des Gehalts abhängt. Viele Mitarbeiter in NGOs schätzen die flexible Arbeitsgestaltung, die Möglichkeit zu Auslandseinsätzen und das Gefühl, einen sinnvollen Beitrag zu leisten.

Abschließend lässt sich sagen, dass eine Karriere in einer NGO viele Facetten bietet. Neben der Sinnhaftigkeit der Tätigkeit kann man durchaus auch ein auskömmliches Gehalt erzielen, besonders wenn man bereit ist, sich auf die spezifischen Bedingungen und Möglichkeiten einzulassen, die eine Arbeit bei einer NGO mit sich bringt.

Mehr Informationen findest du in unserem Artikel Gehaltscheck: Was bieten NGOs, abgesehen vom guten Gewissen?.

Einstieg in eine NGO

Trotz des hohen Bewerberaufkommens im Non-Profit-Sektor gibt es wirksame Strategien, um erfolgreich eine Position zu ergattern.

Ein guter Ausgangspunkt für eine Karriere in einer NGO ist oft das Ehrenamt. Diese Tätigkeiten ermöglichen es, erste praktische Erfahrungen zu sammeln, die eigene Eignung und das Interesse an der Arbeit einer NGO zu prüfen sowie wertvolle Kontakte zu knüpfen. Solche Erfahrungen sind oft entscheidend für eine spätere Festanstellung.

Praktika und studentische Aushilfsstellen bieten weitere Möglichkeiten, Einblicke in die Arbeit von NGOs zu gewinnen und sich in spezifischen Bereichen zu erproben. Hierdurch kann man nicht nur das Arbeitsfeld, sondern auch die eigene Positionierung innerhalb der Organisation besser verstehen lernen.

Ein Volontariat kann ebenfalls eine effektive Methode sein, um fundierte berufliche Kenntnisse in der NGO-Welt zu erwerben. Ähnlich einer Ausbildung bietet das Volontariat praktische Erfahrung kombiniert mit theoretischem Lernen. Die Plätze sind jedoch oft limitiert und stark umkämpft, wobei praktische Vorerfahrungen die Chancen auf eine Zusage erhöhen können.

Nachwuchsprogramme und spezielle Traineeships bieten weitere Einstiegschancen. Durch solche Programme können junge Berufstätige oder Absolventen in verschiedenen Teilen der Welt arbeiten und sowohl ihre fachlichen als auch ihre interpersonellen Fähigkeiten schärfen.

Für diejenigen, die bereits Berufserfahrung gesammelt haben, bietet der Quereinstieg eine Möglichkeit, Fachwissen aus der freien Wirtschaft in den gemeinnützigen Sektor zu übertragen. Dabei kann man oft direkt auf bereits entwickelte Fähigkeiten aufbauen und diese in einem neuen, sinnstiftenden Kontext anwenden.

Unabhängig vom gewählten Pfad ist es entscheidend, dass Bewerber ihre Motivation und ihre Identifikation mit den Zielen der NGO deutlich machen. Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kommunikationsstärke und interkulturelle Kompetenz sind oft ebenso wichtig wie fachliche Qualifikationen. Auch Fremdsprachenkenntnisse, insbesondere in Englisch, Französisch oder Spanisch, sind in vielen international tätigen NGOs unerlässlich.

Wer eine Karriere in einer NGO anstrebt, sollte also frühzeitig relevante Erfahrungen sammeln, seine Soft Skills ausbauen und sich aktiv um Einstiegsmöglichkeiten bemühen, um in diesem begehrten und vielfältigen Arbeitsfeld Fuß zu fassen.

Mehr dazu findest du in unserem Artikel Einstiegsmöglichkeiten bei NGOs - Wie du deinen Traumjob im gemeinnützigen Sektor ergattern kannst.

Liste von NGOs in Deutschland

Im NachhaltigeJobs-NGO-Verzeichnis findest du eine Vielzahl von NGOs. Hier ein kleiner Auszug.

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